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RUINEN (Australien/USA 2008)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. THE RUINS
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. CARTER SMITH
Drehbuch. SCOTT B. SMITH
Musik. GRAEME REVELL
Kamera. DARIUS KHONDJI
Schnitt. JEFF BETANCOURT
Darsteller. JONATHAN TUCKER . JENA MALONE . LAURA RAMSEY . SHAWN ASHMORE u.a.

Review Datum. 2008-06-24
Kinostart Deutschland. 2008-06-26

Das Buch ist aber besser., Im Buch war das aber ganz anders…...wie oft haben wir in den letzten Jahren Schlaumeier-Sätze dieser Art gehört und wie oft hätten wir am liebsten geantwortet: Na, dann bleib doch zu Hause!.
Buch und Film sind zwei paar Schuhe, aber das werden diese Menschen, die uns mit ihrem Dumpf-Geschwätz seit Jahren auf die Nüsse gehen, in diesem Leben wohl nicht mehr verstehen, ich fürchte mich schon vor den Endlosdiskussionen zum Abschluss der Harry Potter-Saga.

Auch Scott B. Smiths 480-Seiten Wälzer "Dickicht" ("The Ruins") musste für die Verfilmung gewaltig Federn lassen. Genau genommen wurde der Roman bis aufs Skelett runtergekocht, wer kurz vor Sichtung das Buch gelesen hat, wird eine Überraschung erleben. Interessanterweise wurde die Abmagerungskur aber nicht von einem der bei Low Budget-Horrorfilmen üblichen Drehbuch-Lohnsklaven vorgenommen, sondern vom Erzeuger persönlich. Der wusste ganz genau, was er da tut und liefert seinem Namensvetter, dem ehemaligen Modefotografen Carter Smith, eine Steilvorlage für ein absolut packendes Regie-Debüt, dass auf den ersten Blick (sechs Freunde geraten im fernen Urlaubsland in arge Bedrängnis) der gängigen Genre-Ware ähnelt, dennoch aber eine komplett andere Schiene fährt.

So reduziert und straight wie hier ging's schon lange nicht mehr zu:
RUINEN verweigert sich , obwohl der Unterbau der Story dies quasi auf dem Silbertablett anbietet, der seit einiger Zeit grassierenden Erklärungswut fast komplett, der Fokus liegt - und hier erinnert RUINEN sehr an 70er-Jahre Knaller à la THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder DELIVERANCE - völlig auf der Konfrontation des Menschen mit einer zerstörenden, für die Protagonisten wie auch für den Zuschauer, unerklärbaren Kraft, mit einem Mythos, der in diesem Fall menschliche Schwächen zur Zerstörung seiner Opfer einsetzt. RUINEN nutzt die Ausgangslage aber nicht nur für klassische Schockeffekte, sondern konzentriert sich auch auf die sich angesichts der Gefahr entwickelnden Eigendynamik und zunehmenden Paranoia innerhalb der Gruppe.

Und auch hier punktet Smiths Reißer auf ganzer Linie: Unsere Leidtragenden sind alles andere als die üblichen Schnetzelopfer, sondern ernstzunehmende Charaktere, die nachvollziehbares Verhalten an den Tag legen, kurz: Man fiebert und leidet mit.

Und zu leiden gibt's einiges: Auch RUINEN fährt - ganz zeitgemäß - ein paar deftige Effektszenen auf, inszeniert diese aber - ganz oldschool - als vereinzelte, beinharte Höhepunkte.

Schade, dass man nicht auf eine nur allzu Genre-typische Einleitung verzichtet hat und auch das Ende läßt etwas an Konsequenz zu wünschen übrig, davon abgesehen ist Carter Smiths Debütfilm ein wunderbares Destillat eines tollen Buches. Wer nicht glaubt, dass so was möglich ist, bleibt bitte zu Hause!











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