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SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE (USA 2018)

von Florian Lieb

Original Titel. SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE
Laufzeit in Minuten. 117

Regie. ROB PERSICHETTI . PETER RAMSAY . RODNEY ROTHMAN
Drehbuch. PHIL LORD . RODNEY ROTHMAN
Musik. DANIEL PEMBERTON
Kamera. -
Schnitt. ROBERT FISHER JR.
Darsteller. SHAMEIK MOORE . JAKE JOHNSON . HAILEE STAINFELD . NICOLAS CAGE u.a.

Review Datum. 2018-12-16
Kinostart Deutschland. 2018-12-13

Viele Köche, heißt es, verderben den Brei. Insofern verwundert es nicht, dass Filme und Serien mit einem großen Ensemble nicht jedes Mitglied entsprechend würdigen können - selbst wenn sie wie LOST stets abwechselnd eines von ihnen in den Mittelpunkt rücken. Die inzwischen aufgeblähten AVENGERS-Filme mit über drei Dutzend Superhelden und Entourage haben es da wie dieses Jahr in AVENGERS: INFINITY WAR nicht leichter. Und mit Abstrichen muss sich nun auch Sonys SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE diesen Vorwurf gefallen lassen, der mehrere Inkarnationen von Spider-Persönlichkeiten auf der Leinwand vereint, sich aber nur für drei von ihnen wirklich interessiert.

Im Fokus steht dabei der 13-jährige Miles Morales (Shameik Moore), der unerwartet von einer radioaktiven Spinne gebissen wird und plötzlich Spider-Man-ähnliche Kräfte entwickelt. Jenem Vorbild (gesprochen von Chris Pine) begegnet die Figur am Ende des ersten Akts - und muss direkt ihren Tod durch die Hand von Bösewicht Kingpin (Liev Schreiber) miterleben. Der droht, mit einer seiner Maschinen ein Schwarzes Loch unter New York City zu kreieren und lotst wider Erwarten verschiedene Spider-Charaktere aus anderen Dimensionen in Miles' Welt. Um wieder in ihre jeweilige Welt zu gelangen, müssen sie gemeinsam Kingpins Plan stoppen - nur scheint Miles hierzu etwas zu grün.

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE ist in seiner Konstruktion einerseits Adaption eines gleichnamigen Comic-Strangs aus dem Jahr 2014, vermischt dessen Handlungselemente jedoch zugleich mit einer Origin- und Coming-of-Age-Story für seine Titelfigur. Über weite Strecken funktioniert dies vor allem in der ersten Filmhälfte noch sehr gut, wenn Miles in einem desillusionierten, bierbäuchigen Peter (B.) Parker (Jake Johnson) einen lustlosen Mentor findet. Statt wie sein Pendant von Miles' Welt hat der nicht erst zehn, sondern 22 Jahre als Superheld auf der Kerbe - und einen entsprechenden Preis hierfür gezahlt. Und ist damit nicht allein, schultert jede der Spider-Figuren ihre eigene tragische Backstory.

Von ihnen ist Gwen Stacy (Hailee Stainfeld) als Spider-Gwen noch diejenige, die am meisten Aufmerksamkeit erhält. Auch sie hat den Peter Parker ihrer Dimension verloren, was sie mit Miles eint. Peter B. wiederum hat sich in gewisser Weise selbst verloren, sodass er und die zwei Teenager zumindest auf einer emotionalen Ebene auf Augenhöhe stehen. Nur dabei statt mittendrin sind derweil die anderen drei Inkarnationen wie Spider-Man Noir (Nicolas Cage), Spider-Ham (John Mulaney) sowie Penni Parker (Kimiko Glenn) und ihr SP//dr-Roboter. Zwar erhalten sie alle ihre Chance als comic relief, einen Handlungsbogen sieht der Film für sie jedoch nicht vor.

Insofern wären sie verzichtenswert, zumal sie ohnehin austauschbar sind. So hat bereits der Cartoon ULTIMATE SPIDER-MAN in einem Mehrteiler die "Spider-Verse"-Handlung aufgegriffen, allerdings darin Spider-Girl, Spider-Man 2099 sowie Spyder-Knight den Vorzug gegeben. Stärker als der Plot um Kingpins Dimensions-Collider funktioniert hier ohnehin das Buddy-Element zwischen Peter B. und Miles, am besten zur Schau gestellt, wenn beide versuchen in ein Wissenschaftslabor von Kingpin einzubrechen und dort auf Doc Ock treffen. Auch abseits seiner Spider-Probleme hadert Miles mit dem Erwachsenwerden und seiner Beziehung zu seinem Vater (Brian Tyree Henry) und Onkel (Mahershala Ali).

Gerade die erste Hälfte trumpft mit vielen gelungenen humorvollen Momenten und Charakterisierungen auf und die Animation ist erfrischend anders gegenüber Pixar, DreamWorks und Co. Der Film des Trios Bob Persichetti, Peter Ramsey und Robert Rothman ist originell, gewitzt, hat Tempo, Tiefe und macht Spaß. Nur begeht er im Finale den Fehler der meisten Superhelden-Filme und artet in ein überbordendes Action-Gewitter aus, in dem wie so oft das Schicksal der ganzen Welt - oder hier: Welten - auf dem Spiel steht, statt es bei einer Charakter-Katharsis zu belassen. Das verdirbt zwar leicht den Brei, doch der schmeckt immer noch besser als der vieler anderer Köche.











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