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SLASHER (Deutschland 2007)

von Matthias Mahr

Original Titel. SLASHER
Laufzeit in Minuten. 75

Regie. FRANK W. MONTAG
Drehbuch. JÖRN DÖRING . FRANK W. MONTAG
Musik. FRANK W. MONTAG
Kamera. ANDREAS JAHN
Schnitt. FRANK W. MONTAG
Darsteller. CHRISTIANE IMDAHL . CHRISTIAN STOCK . PIA DE BUHR . SEBASTIAN BADENBERG u.a.

Review Datum. 2007-08-20
Kinostart Deutschland. 2007-08-09

SLASHER lehrt einen schon in den ersten Minuten das Grauen. Nicht, dass die Einführung in diesen Standard-Wald-und-Wiesen-Slasher aus der Amateurecke deshalb einen gelungenen Einstand bieten würde, in der Tat wird so ziemlich alles verschenkt, was man verschenken könnte.
Die Vorstellung der einmal nicht Halbwüchsige spielenden Gruppe von Schlachtopfern erfolgt, ohne den Gestalten auch nur ansatzweise ein Profil zu geben, dafür verhalten sie sich beim Einkauf für den obligaten Campingurlaub derart infantil, dass man sie erst recht für Teenager halten möchte. Ein nicht weiter eingebundenes Pärchen soll einen Vorgeschmack bringen auf das Gemetzel, ohne dass einen das im Geringsten berührt. Dafür erfährt man schon mal, wie der Psycho aussieht, seine obligate Maske stibitzt er ja auch erst später einem der jungen Camper. Nicht mal im Ansatz wird eine unheilschwangere Stimmung aufgebaut. Wenn sich die Clique verfährt und den ruppigen Inzest-Bauern im Hinterwald nach dem Weg fragt, gibt er ihnen doch aufgesetzt rüde, aber keineswegs bedrohlich wirkend, die korrekte Wegbeschreibung zum Schlacht- ähem Campingplatz. Eine am Lagerfeuer erzählte Gruselgeschichte wirkt bei aller Simplizität noch am besten, zerstört ihre Wirkung aber nachhaltig, weil der Film statt hier "reinzukippen" permanent zu den Marshmallows grillenden Urlaubern wechselt. Im Anschluss daran ein knapper Diskurs, was denn einen Slasher so ausmacht. Wozu denn das? Wurde alles bereits in SCREAM abgehandelt, mit pointierten Dialogen und richtigen Schauspielern, in Ermangelung derer kann auch daraus nix werden.
Was einem bei diesem Beginn aber wirklich bei die Haare zu Berge stehen lässt, ist die ausgewählte Musik. Völlig unpassend für jeglichen Horrorfilm, außer vielleicht man plant ein Remake von FAHRSTUHL DES GRAUENS, dazu teilweise noch idiotisch eingesetzt: Zwei der Buben telefonieren im Freien, das enervierende Gedüdel setzt unvermittelt ein und aus -synchron mit Öffnen und Schließen der Handys. Dadurch wird sogar der einzige kleine Ansatz eines subtilen Gags zerstört: Wenn am Kassettenrekorder in Großaufnahme rein zufällig das Logo der Eduscho-Hausmarke ins Bild gerückt wird, erweckt Montag den Eindruck mittels Product Placement mächtig Kohle zu scheffeln, dabei geht es ihm bei TCM doch um eine ganz andere Assoziation. Doch was da aus den Boxen kommt, zerstört selbst diesen gelungenen Einfall.

Nachdem locker mehr als ein Drittel der Laufzeit trotz dieser Schnitzer reichlich belanglos vertrödelt wurde, beginnt das große Schlachten. Und damit wird aus einem ungemein langweiligen Film ein geradezu schmerzhaft peinlicher. Von einem Amateurvideo kann man sich wohl keine umfangreiche Postproduction erwarten und so sah man schon zuvor nonchalant da oder dort über schlecht verständlichen Ton oder Gesichter, die unbeabsichtigt im Vollschatten lagen, hinweg. Aber was soll man sagen, wenn eine Blondine in einer Szene beim Wechsel von der Totale zum Close-up permanent die Hautfarbe von käseweiß auf dunkellila wechselt. In einem helleren Violetton kommt dann des Öfteren das Blut zur Geltung, wobei das weniger an der Photographie als an den Special Effects gelegen haben dürfte, es passt nämlich auch nicht mal im Entferntesten was die Konsistenz betrifft, gerät viel zu dünn. Und seien wir ehrlich: Was ein Hobby-Gorefilmer wohl als erstes lernen muss, ist, ordentliches Blut hinzubekommen. Bis auf ein paar Innereien in der Lagerfeuererzählung gibt sich SLASHER dann auch splattermäßig sehr bescheiden.

Dass das nichts wird, dachte sich vermutlich auch Montag irgendwann mal am Set und so gab er scheinbar mitten beim Drehen das simple Slasherkonzept auf und baut einen knalligen Plot twist ein, den er sich selbst wohl nicht so ganz durchgedacht hat. Und als ihm bewusst wurde, wie lächerlich das nun erst recht wirken muss, trimmte er das Finale plötzlich auf "gewollt lustig", einer Verfolgungsjagd von Benny Hill (ohne deren markanter Musik) nicht unähnlich. So dackelt der Killer dem letzten Opfer laut Handlungsverlauf mehr als 24 Stunden (!) mit der kreischenden Kettensäge hinterher. Immer wieder passen die beiden ihr Tempo aneinander an, damit der Abstand nicht zu groß wird, zwischendurch wird auch ein paar Stunden ein kleines Schläfchen eingelegt und die Verfolgte nutzt einen Wassertrog dafür, sich das Shirt nass zu machen, damit ihre Brüste durchscheinen. Dieses "große Finale" bringt sogar einige Lacher in dem davor wirklich nur öden Machwerk unter, doch ist es ein großer Unterschied, ob solch Humor wie etwa in SKINNED DEEP auf ein Fundament soliden Könnens gesetzt wird oder man, wie hier, dem Zuseher lediglich aus Verlegenheit zurufen will, dass das ohnedies nicht ernst gemeint ist.











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