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SCOUTS VS. ZOMBIES - HANDBUCH ZUR ZOMBIEAPOKALYPSE (USA 2015)

von André Becker

Original Titel. SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. CHRISTOPHER LANDON
Drehbuch. CHRISTOPHER LANDON . CARRIE LEE WILSON . EMI MOCHIZUKI
Musik. MATTHEW MARGESON
Kamera. BRANDON TROST
Schnitt. JIM PAGE
Darsteller. TYE SHERIDAN . LOGAN MILLER . SARAH DUMONT . JOEY MORGAN u.a.

Review Datum. 2015-11-12
Kinostart Deutschland. 2015-11-12

Zombiefilme gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Angefangen (je nach Quelle) hat alles mit WHITE ZOMBIE im Jahr 1932. Etliche Jahre später drehte dann Mastermind George A. Romero einen vor allem bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sehr beliebten…Aber halt, die Ursprünge des Genres sollten hinlänglich bekannt sein, weshalb an dieser Stelle ein wenig vorgespult werden soll. Seit dem Überraschungshit SHAUN OF THE DEAD ist auch die, einst als durchaus innovativ rezipierte, komödiantische Interpretation der Zombie-Thematik im Mainstream angekommen. Die Folge waren eine Reihe eher mittelprächtiger Werke, die mal mehr, mal weniger unterhaltsam verschiedene Aspekte des Genres aufgriffen und durch den Fleischwolf drehten. Wie so oft ist das Ende der Fahnenstange aber noch längst nicht erreicht. Hollywoodtypisch wird die Kuh (in diesem Fall die Idee der Zombie-Comedy) eben solange gemolken bis der allerletzte Hinterwäldler-Produzent gemerkt hat, dass die Luft schon lange raus ist und sich ein ehemals erfolgversprechender narrativer oder inszenatorischer Ansatz eben nicht unendlich mit einem Minimum eigener Ideen reproduzieren lässt.

Es mutet insofern schon ein wenig seltsam an, dass uns nach der knuffigen Zombie-Romanze WARM BODIES eine vergleichsweise geringe Anzahl von ähnlich gelagerten Untoten-RomComs (zuletzt z.B. Joe Dantes WEG MIT DER EX) erreichte. Aber zurück zum Thema. Die neueste Zombie-Komödie hört auf den Namen SCOUTS VS. ZOMBIES - HANDBUCH ZUR ZOMBIEAPOKALYPSE und wurde gedreht von Christopher Landon, einem Regie-Neuling, der in der Traumfabrik bislang eher als Drehbuchautor (für mehrere Teile der unsäglichen PARANORMAL ACTIVITY-Filme) Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Eins dabei gleich vorweg: Für Landons aktuelles Werk müsste man strenggenommen ein neues Sub-Genre bemühen. Das ist allerdings nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen. Die Einordnung als Zombie-Comedy greift zu kurz, viel passender wäre es stattdessen von einer Zombie-Klamotte zu sprechen, denn was den Zuschauer hier an hemmungslosen Albereien und pubertären Zoten erwartet ist schon rekordverdächtig. Besonders lustig ist der Film dann leider dennoch nicht.

Für die dünne Story und die klischeehaften Figuren gewinnt SCOUTS VS. ZOMBIES - HANDBUCH ZUR ZOMBIEAPOKALYPSE ebenfalls keinen Blumentopf. Drei Pfadfinder (u.a. Tye Sheridan) geraten unfreiwillig mitten in den Ausbruch einer todbringenden Epidemie, die alle Bewohner eines verpennten Kleinstadtnests in mordgierige Untote verwandelt. Selbstverständlich müssen sie sich dabei nicht nur gegen jede Menge Zombies zur Wehr setzten, sondern auch ihre schon leicht angeknackste Freundschaft neu beleben. Und dann gibt es natürlich noch die süße Schwester eines der Hauptprotagonisten, die gerettet werden muss und für die einer unserer wackeren Helden schwärmt.

Was man dem Film zu Gute halten muss ist seine Unerschrockenheit jede noch so bekloppte Blödelei zuzulassen. Krude Gags gibt es wahrlich reichlich. Nur sie zünden leider nicht sehr häufig. Wer Pipi- oder Pupswitze für das Größte hält, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Alle anderen werden an der Aneinanderreihung von dröhnenden Witzeleien tief unter der Gürtellinie kaum Freude haben und sehr schnell gelangweilt sein. Hinzu kommt, dass die Big-Budget-Produkion mit ihren Figuren so gar nichts anzufangen weiß. Das Drehbuch präsentiert lediglich die schon tausendfach gesehenen Nerd-Jungs mit all ihren Macken und Problemchen. Die Einfallslosigkeit mit der hier die klischeebeladenen Figuren zusammengezimmert wurden ist jedenfalls überdeutlich.

Der Film versucht zudem auf Biegen und Brechen den Charme eines B-Movies zu versprühen. Auch dies gelingt nur bedingt. Es wirkt einfach alles zu berechenbar und mit Ansage auf Trash getrimmt. Nur wenige Szenen schaffen es aus der kalkulierten Überdrehtheit wirklich fetzige Momente zu generieren. Slapstick und Splatter greifen dann wie Zahnräder ineinander und führen zu zielgenauen Rundumschlägen in Sachen schräger Brachialkomik. Schlussendlich sind diese Sequenzen aber in der Minderheit und so schnell wieder vorbei (als Beispiel sei hier auf den viel zu kurzen Auftritt der Zombie-Katzen hingewiesen), dass man sie beim Abspann fast schon wieder vergessen hat.

SCOUTS VS. ZOMBIES - HANDBUCH ZUR ZOMBIEAPOKALYPSE ist ein erstaunlich hochwertig produzierter, aber unterm Strich reichlich uninspirierter Versuch die Zombie-Welle mit einem weiteren Comedy-Beitrag zu bereichern. Mit besseren Gags, echten Charakteren und mehr Mut zu subtiler Selbstironie hätte man aus dem dicken Blockbuster-Budget sicherlich einen ziemlich turbulenten Knaller schustern können. So aber bleibt nur eine müde Klamotte, die außer derbem Fäkal-Klamauk und einer Fülle von zugegebenermaßen solide getricksten Effekten ausgesprochen wenig zu bieten hat. Im Kontext des Zombiefilms reicht es somit noch nicht einmal für eine kleine Randnotiz.











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