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DER SCHAUM DER TAGE (Frankreich 2013)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. L'ÉCUME DES JOURS
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. MICHEL GONDRY
Drehbuch. MICHEL GONDRY . LUC BOSSI
Musik. ÉTIENNE CHARY
Kamera. CHRISTOPHE BEAUCARNE
Schnitt. MARIE-CHARLOTTE MOREAU
Darsteller. ROMAIN DURIS . AUDREY TAUTOU . GAD ELMALEH . OMAR SY u.a.

Review Datum. 2013-10-18
Kinostart Deutschland. 2013-10-03

Es gibt Künstler, die sind nur dann gut, wenn sie so frei wie möglich ihre Ideen verwirklichen können, unabhängig von jeder Form von Kontrolle, Einflüssen anderer Kreativer oder (kommerziellem oder sonstigem) Druck. Und dann gibt es Künstler wie Michel Gondry, denen es nicht nur gut tut, sondern deren Werke erst dann erträglich werden, wenn die überbordende, aber unfokussierte Kreativität ihres Machers in irgendeiner Form im Zaum gehalten wird.

Das kann dadurch passieren, dass Gondry sich, zumindest ein Stück weit, der Stimme eines zweiten Künstlers unterordnet, wie in seinem wohl noch immer besten Film VERGISS MEIN NICHT!, in dem er ein Drehbuch des großartigen Charlie Kaufman verfilmte. Es kann auch einfach dadurch geschehen, dass Gondry sich außerhalb seiner comfort zone bewegt, indem er einen kleinen (BE KIND, REWIND) oder größeren (THE GREEN HORNET) Schritt Richtung Hollywood geht.

Wenn Gondry aber wirklich freidreht, wie in SCIENCE OF SLEEP und jetzt in DER SCHAUM DER TAGE, dann sind die Ergebnisse so... speziell, dass man schon sehr verliebt sein muss in Gondrys eigenwilligen Stil, um dem Ergebnis noch irgendetwas abzugewinnen. Für DER SCHAUM DER TAGE gilt das noch mehr, denn zumindest war in SCIENCE OF SLEEP all der Bonbon-Kitsch, die Stop-Motion-Spielereien, die generelle Künstlichkeit noch in den Charakteren und dem Thema "Traum" begründet. Hier allerdings scheint Gondry eher von der dünnen Handlung und den eindimensionalen Charakteren ablenken zu wollen - was ihm auch ganz gut gelingt, nur tragen seine visuellen Spielereien - animierte Türklingeln, die zu Kakerlaken werden, Wolken, in denen Colin und Chloé über die Stadt fliegen, ziemlich gruseligen Beinprothesen in den Szenen, in denen die Charaktere einen seltsamen Tanz aufführen usw. - allein eben keinen Film.

Basierend auf einem Roman von Boris Vian erzählt Gondry von Colin (Romain Duris), einem reichen, jungen Mann, der sich in Chloé (Audrey Tautou) verliebt, und davon, wie er sie durch eine schwere Krankheit hindurch pflegen muss und dabei nach und nach all sein Vermögen verliert. Es ist äußerst passend, dass Audrey Tautou die weibliche Hauptrolle spielt, denn DER SCHAUM DER TAGE erinnert nicht selten an den unerträglichen Ultra-Kitsch von DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE und ist, hinter seiner Fassade aus quirkiness auch genauso leer und emotionslos.

Wie gesagt: Wer genau diese Über-Stilisierung, diese angebliche Verspieltheit an Gondry schätzt, wird wahrscheinlich auch DER SCHAUM DER TAGE unterhaltsam und charmant finden. Alle anderen gucken lieber nochmal VERGISS MEIN NICHT!.











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