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SAW VI (USA 2009)

von Marc Zeller

Original Titel. SAW VI
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. KEVIN GREUTERT
Drehbuch. MARCUS DUNSTAN . PATRICK MELTON
Musik. CHARLIE CLOUSER
Kamera. DAVID A. ARMSTRONG
Schnitt. ANDREW COUTTS
Darsteller. TOBIN BELL . COSTAS MANDYLOR . MARK ROLSTON . BETSY RUSSELL u.a.

Review Datum. 2009-10-30
Kinostart Deutschland. 2009-12-03

Der unterirdische SAW V hatte die Erwartungen für etwaige nächste Teile – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich getrübt. Deutlicher gesagt: David Hackl hatte den letztjährigen Film mit seiner einfallslosen Regie auf der Basis eines miserablen Drehbuchs ungespitzt sechs Fuß in den Boden gerammt und damit die langlebige Reihe ins Grab befördert. Aber die Toten stehen – besonders im Horrorgenre – manchmal erstarkt wieder auf und schlagen überraschend kräftig zurück: So wie SAW Numero sechs.

Nachdem in den Teilen vier und fünf der Cop Hoffman (Costas Mandylor) als Nachfolger des Jigsaw-Killers John Kramer (Tobin Bell) eingeführt wurde, setzt dieser in SAW VI das blutige Erbe fort. Seine Zielperson ist dieses Mal William (Peter Outerbridge), der Chefanalyst einer Krankenversicherungsgesellschaft, der mit seiner mathematischen Formel berechnet, ob es für die Firma finanziell tragbar ist, die Behandlung zu bezahlen oder eben nicht. Dieser muss innerhalb von 60 Minuten vier "Prüfungen" bestehen, wenn er lebend aus dem Spiel herauskommen will. Zeitgleich forscht die Polizei weiterhin nach dem Täter, der Jigsaws Handwerk weiterleben lässt. Die Anzeichen verdichten sich, dass der im vorigen Teil verdächtigte Polizist Peter Strahm nicht der wahre Täter ist. Während William Entscheidungen über seinen eigenen und den Tod anderer fällt, zieht sich das Netz langsam um Hoffman zusammen ...

Die SAW-Reihe war von Beginn an wegen der grausamen, explizit gezeigten Tötungsszenarien im Visier des Jugendschutzes und zum Teil auch der Filmkritiker, die gerne mal vom hohen moralischen Leuchtturm des Feuilletons in alle dunklen Ecken schießen, die von ihrem gleißenden Licht nicht erreicht werden. Horrorfilme mussten diese Schmähung schon immer erdulden, die Genregemeinde juckt es nach wie vor herzlich wenig. Zur Sache: Part fünf war, Horrorfan hin, fragwürdige Moral her, schlicht mies. Die Chancen stehen gut, dass bei SAW VI die Lage weniger eindeutig sein wird. Klar, diejenigen, die weiterhin um den traditionellen Geisterfilm trauern und alles Torture Porn schimpfen, was härter ist als FREE WILLY, bekommen dank extremer Härten selbst in der Kinofassung wieder ordentlich Munition für die schon zurechtgelegten Gewehre. Freunde dieser Art von Film dürfen sich dagegen wieder ins Kino wagen, denn SAW VI ist dreckig, brutal und spannend – ergo der Serie wieder würdig.

Erschien Costas Mandylor in den letzten beiden Teilen noch als allzu träger Waschlappen, der als Ersatz für Tobin Bell deplatziert und fehlbesetzt wirkte, so erhält der Typ nun doch Kontur als fiese Sau, die mit ihrer unterschwelligen, kontrollierten Soziopathie durchaus Angstmacherpotenzial besitzt. Die Fallen – seit dem ersten SAW elementarer Bestandteil der Filme – sind ultrabrutale Gerätschaften, die die tumbe Bombenlegerei aus Nummer fünf spielerisch an Perfidität übertreffen. Der größte Gewinn, den dieser neueste Teil aber bringt, ist Regisseur Kevin Greutert, der in seinem Spielfilmdebüt beweist, dass er im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger Hackl spannend inszenieren und splatternden Horror erzeugen kann, dass einem zum Wegschauen zumute ist.

Die Handlung, die wie immer Lücken aus den vergangenen Filmen nutzt, um mal sinnvolle, mal an den Haaren herbeigezogene neue Facetten einzuweben, profitiert von den Rückblenden kein bisschen. Sie wirken als Stolpersteine, die die eigentlich dramatische Haupthandlung ins Straucheln kommen lassen und für mehr Ratlosigkeit als Aha-Effekte sorgen.

Trotzdem: Das Franchise ist vorerst gerettet – weil SAW VI atmosphärisch ist, endlich wieder schockt und – wie es sich für diese Sorte Horrorfilm gehört – einem den Magen umdreht. Also, Leute: Es ist wieder an der Zeit, den Kinosaal zum Erbrechen gut gelaunt zu verlassen.

Diese Rezension bezieht sich auf die bei Pressevorführungen gezeigte Fassung. SAW VI ist derzeit noch nicht FSK-geprüft, wodurch Änderungen an der Laufzeit (und an der im Review angesprochenen Härte) nicht auszuschließen sind.











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