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ROBOCOP (USA 2014)

von André Becker

Original Titel. ROBOCOP
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. JOSE PADILHA
Drehbuch. JOSHUA ZETUMER
Musik. PEDRO BROMFMAN
Kamera. LULA CARVALHO
Schnitt. PETER MCNULTY . DANIEL REZENDE
Darsteller. JOEL KINNAMAN . GARY OLDMAN . MICHAEL KEATON . SAMUEL L. JACKSON u.a.

Review Datum. 2014-02-05
Kinostart Deutschland. 2014-02-06

Der zweifellos talentierte brasilianische Regisseur Jose Padilha (TROPA DE ELITE) wagt mit ROBOCOP eine Neuinterpretation einer der besten und härtesten Actionfilme der achtziger Jahre. Im Gegensatz zu vielen anderen Kassenerfolgen vergangener Dekaden hat das ultraharte Original von Paul Verhoeven nichts von seiner Schlagkraft verloren. Im Gegenteil: Nach jeder Sichtung offenbaren sich weitere filmische Metaebenen, die Verhoeven mal offensiv, mal subtil in seiner comichaften Dystopie unterbringt. Das Remake wurde dementsprechend mit Spannung erwartet.

Nach einem Attentat mit einer Autobombe trägt der rechtschaffende Polizist und Familienvater Alex Murphy (Joel Kinnaman) lebensgefährliche Verletzungen davon. Seine Haut ist von schweren Verbrennungen gezeichnet, kaum ein Körperteil ist unversehrt geblieben. Dennoch kann Murphy gerettet werden. Sein einwandfreier Charakter macht ihn zum idealen Kandidaten für das Robocop-Programm des Megakonzerns OmniCorp. Das millionenschwere Unternehmen unter der Führung des undurchsichtigen Geschäftsführers Raymond Sellars (Michael Keaton) plant schon seit längerer Zeit ihre Roboter mit menschlicher DNA zu verbinden und sie als kybernetische und militarisierte Ordnungshüter auf die Straßen Detroits zu schicken. Das Experiment glückt und die Resultate übertreffen sämtliche Erwarten der Wissenschaftler (u.a. Gary Oldman). Als Murphy beginnt sich auf die Suche nach den verantwortlichen Tätern der Autobombe zu machen stößt er auf ein weitverzweigtes Netz aus Korruption, Machtmissbrauch und Verrat.

ROBOCOP enttäuscht leider auf allen Ebenen. Bereits nach kurzer Zeit ist ersichtlich dass es sich bei dem Remake lediglich um eine sehr weichgespülte Lightversion des Originals handelt. Von den sozialkritischen Statements und beißenden Seitenhieben auf Politik, Medien und Zeitgeist ist nur noch wenig übriggeblieben. Padilha beschränkt sich fast ausschließlich darauf die allesumfassende Macht von global agierenden Großkonzernen aufs Korn zu nehmen. Der Robocop der achtziger Jahre konfrontierte stattdessen sein Publikum mit einer hochtechnologisierten aber auch zutiefst amoralischen Gesellschaft. Verhoevens Film verortete die moralische Verkommenheit in allen gesellschaftliche Instanzen und Institutionen. Ein düsteres Zukunftsbild, in der hinter jeder Ecke ein Vergewaltiger lauern kann und in dem dass Verbrechen Selbst längst die bestimmende Kraft in den Metropolen darstellt.

Der neue Robocop muss sich zwar auch mit korrupten Polizisten, skrupellosen Technologiekonzernen und hinterhältigen Verbrecherbanden auseinandersetzen, geändert hat sich allerdings die Art und Weise wie er dies tut. Ebenfalls verändert hat sich das Ausmaß der Verkommenheit. Robocops Gegner wirken im Vergleich zum Original eher wie zahnlose Tiger. Michael Keaton in der Rolle des CEOs ist zwar großartig und jederzeit überzeugend. Dennoch ist die Figur nie furchteinflößend, oder gar ernst zu nehmen. Auch fehlt ein wirklich brauchbarer Antagonist. Das Remake wählt stattdessen austauschbare Pappkameraden (z.B. Jackie Earle Haley als rüden Militäroffizier), die allenfalls als Kanonenfutter dienen.

Insgesamt ist Robocop außerdem mehr gesetzestreuer Saubermann als dunkler Rächer. Verhoeven zeigte eine ambivalente Titelfigur die Verbrechern ohne Bedenken zwischen die Beine schießt und seine Waffe abfeuert um zu töten. Padilhas Figur ist dagegen eher ein biederer Vorzeigecop, der politisch korrekt agiert und jederzeit ethisch einwandfrei handelt. Geschossen wird insofern gerne auch mal mit harmloser Betäubungsmunition. Der neue Robocop ist ein blankpoliertes und langweiliges Hochglanzprodukt, das zu keinem Zeitpunkt sein Publikum intellektuell herausfordert.

ROBOCOP fehlt darüber hinaus die Radikalität und unbarmherzige Härte, die Verhoevens Actioner auszeichnete und im Gesamtpaket so stimmig machte. Padilha setzt auf gänzlich unblutige Action, die fatalerweise auch noch furchtbar zusammengeschnipselt und verwackelt inszeniert wurde. Abgesehen von einem tatsächlich sehr mitreißend und dynamisch choreographiertem Shoot-out in einem Lagerhaus, bleibt der Film in den Actionszenen eine einzige Zumutung. Das für die im Kern sehr gewalttätige Story eine derartig kidsgerechte Inszenierung gewählt wurde, ist als durchaus bedenklich zu bewerten, da sich auch die Neuauflage zumindest thematisch primär an ein erwachsenes Publikum richtet.

Die Millionen-Produktion kränkelt zusätzlich mit einer mitunter sehr schleppenden Erzählweise. Insbesondere im Mittelteil wirkt vieles unnötig gestreckt und künstlich aufgeblasen. Ganz und gar überflüssig ist zudem der anstrengend rührselige Tonfall den der Film immer dann anschlägt, wenn es darum geht Murphy als fürsorglichen Ehemann/Familienvater zu zeigen. Sehr mäßig sind außerdem die darstellerischen Leistungen von Joel Kinnaman, der gänzlich fehlbesetzt mit versteinerter Miene von Szene zu Szene stampft. Samuel L. Jackson als schmieriger TV-Moderator liefert dagegen eine solide Performance ab und spielt Kinnaman damit glatt an die Wand.

ROBOCOP ist ein durchweg überflüssiges Remake ohne cineastische Relevanz. Von einem Regisseur wie Jose Padilha hätte man auf jeden Fall weitaus mehr als einen uninspirierten Neuaufguss eines bahnbrechenden Originals erwartet.











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