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RIDDICK - ÜBERLEBEN IST SEINE RACHE (USA 2013)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. RIDDICK
Laufzeit in Minuten. 119

Regie. DAVID TWOHY
Drehbuch. DAVID TWOHY
Musik. GRAEME REVELL
Kamera. DAVID EGGBY
Schnitt. TRACY ADAMS
Darsteller. VIN DIESEL . JORDI MOLLÀ . MATT NABLE . KATEE SACKHOFF u.a.

Review Datum. 2013-09-18
Kinostart Deutschland. 2013-09-19

RIDDICK ist der dritte Teil einer Reihe, die 2000 mit PITCH BLACK begann und 2004 mit CHRONICLES OF RIDDICK fortgesetzt wurde, doch es ist der erste Teil, den ich gesehen habe. Ich muss diesen Text daher mit einer Frage beginnen: Ist es Teil des Konzeptes, dass man den Protagonisten hasst und sich wünscht, dass er den Film nicht überlebt?
Hier ist eine Liste von allem, was ich in RIDDICK über Vin Diesels Titelhelden erfahren habe: Er war mal wegen irgendwas zu irgendwas verurteilt (schuldig oder unschuldig); er war mal König von irgendwem ("Necromonger"?); seine Augen sind sehr lichtempfindlich, weswegen er im Dunkeln sehen kann und tagsüber eine Taucherbrille trägt, um sich vor dem hellen Sonnenlicht zu schützen; er stammt von einem Planeten namens "Furia" (ernsthaft?); er kann gut mit (CGI-)Tieren, noch besser mit Waffen, aber auch ganz okay ohne, und er tötet entweder gerne oder nicht gerne, jedenfalls sehr effizient; und er ist so wahnsinnig männlich, dass sogar Lesben mit ihm schlafen wollen, wenn er ihnen nur oft genug sagt, dass sie mit ihm schlafen wollen. Nein, ich weiß auch nicht, was sich Regisseur und Autor David Twohy bei diesem letzten Punkt gedacht hat, aber es ist etwas, dass völlig ernsthaft und ohne jede Art von Brechung oder Kommentar in RIDDICK passiert.

Mein Problem mit RIDDICK ist: Regisseur und Autor David Twohy will ganz eindeutig, dass man diesen in seinen besten Momenten uninteressanten, ansonsten unerträglichen Charakter für die coolste Sau unter der Sonne hält. Riddick findet sich zu Beginn des Films auf einem Wüstenplaneten ausgesetzt wieder, muss dort zunächst eine Weile überleben und sich dann gegen zwei widerwillig zusammenarbeitende Gruppen von Kopfgeldjägern behaupten. Die haben alle furchtbare Angst vor ihm, denn sein Ruf eilt ihm voraus, und immer wieder wird betont, wie gefährlich Riddick ist, was für eine Killermaschine, was für ein Überlebenskünstler. Aber nichts davon scheint in irgendeiner Form gerechtfertigt: Riddick macht den ganzen Film über eigentlich nichts besonders beeindruckendes oder cleveres oder gar heroisches - eher bringen sich seine Feinde aus Blödheit selber um wie die Teenager in TUCKER AND DALE VS. EVIL.

Ich soll also mit einer Figur mitfiebern, die weder sympathisch, noch heldenhaft, noch in irgendeiner Form beeindruckend ist. Vielleicht funktioniert das besser, wenn man die Vorgängerfilme kennt. Vielleicht gibt es Ambivalenzen in der Figur Riddick, die sie interessanter machen. In RIDDICK ist davon nichts zu erkennen: Es wird wesentlich mehr darüber geredet, was Riddick alles kann, als dass wir irgendetwas davon zu sehen bekommen - was auf zwei Stunden Laufzeit ziemlich ermüdend sein kann.

Was schade ist, denn es ist durchaus der ein oder andere interessante Ansatz zu erkennen. Die Welt, in der Riddick agiert, sieht zwar tricktechnisch aus wie eine Videospiel-Zwischensequenz ca. 2006, ist aber immerhin in sich stimmig und hat, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, wie billig hier alles aussieht, ziemlichen Trash-Appeal.
Auch sind Riddicks Verfolger weitaus prägnantere Figuren, als man es aus Sci-Fi B-Movies gewohnt ist - was nicht heißt, dass sie interessant oder gar vielschichtig wären, aber man kann sie immerhin auseinander halten. Katee Sackhoffs Figur ist sogar in Ansätzen sympathisch, auch, wenn Regisseur Twohy bis zum Schluss ziemlich fasziniert von der Tatsache scheint, dass es Frauen gibt und manche von denen auch noch mit anderen Frauen schlafen.

Doch das nützt letztlich alles nichts, wenn der Regisseur des Films so - Achtung! - geblendet scheint von seiner angeblich so coolen Hauptfigur und ohne jede Spur von Humor das primitive Machotum seines "Helden" als erstrebenswert inszeniert. Für Menschen, die seit 2004 auf die Rückkehr dieser Figur - falls es diese Menschen gibt - gewartet haben (und evtl. für 12jährige) mag das funktionieren. Alle anderen sollten RIDDICK weiträumig umfahren.











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