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REAL STEEL (USA 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. REAL STEEL
Laufzeit in Minuten. 127

Regie. SHAWN LEVY
Drehbuch. JOHN GATKINS
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. MAURO FIORE
Schnitt. DEAN ZIMMERMAN
Darsteller. HUGH JACKMAN . DAKOTA GOYO . EVANGELINE LILLY . KEVIN DURAND u.a.

Review Datum. 2011-11-01
Kinostart Deutschland. 2011-11-03

REAL STEEL - das verdeutlichen bereits die ersten zehn Minuten des Films - ist kein Film der großen Innovationen. Damit ist jetzt nicht gemeint, dass der Film auf der Kurzgeschichte STEEL von Richard Matheson basiert, die bereits 1963 für die Science-Fiction-Serie THE TWILIGHT ZONE adaptiert wurde, sondern dass sich der Film dramaturgisch als Kombination zweier sehr vorhersehbarer Genre gibt. Einerseits erzählt er die beliebte Geschichte des Außenseiters, der sich mittels Herz und Sympathie nach oben kämpft und andererseits die des Vater-Sohn-Konflikts, bei dem beide den anderen zu schätzen und zu respektieren lernen müssen.

Insofern könnte man REAL STEEL eigentlich an dieser Stelle beerdigen, denn kaum etwas ist langweiliger als ausgetrampelte Genre-Pfade. Doch kurioserweise ist es genau dieses überraschungsarme Befolgen genrespezifischer Konventionen, das diesen Film so sehenswert macht, denn statt sich an dem Versuch einer Science-Fiction-Utopie abzumühen, verlassen sich Regisseur Shawn Levy (NACHTS IM MUSEUM, DATE NIGHT) und seine Autoren auf das, was sie wohl am besten können: Geschichten fürs Herz zu erzählen. Deshalb auch passiert in REAL STEEL kaum etwas Schlimmes und selbst die typischen Wendungen und Beziehungsbrüche wirken rosiger als in vergleichbaren Filmen. Es menschelt an allen Ecken und Ende und schlussendlich ist man ob der kitschigen Gutmenschlichkeit so bewegt, dass man sich während des Finales vor lauter Mitfiebern kaum ruhig im Kinosessel halten kann und später sogar die ein oder andere Träne verdrücken muss.

Das ist zwar beim besten Willen kein Kriterium für einen anspruchsvollen Film, aber zumindest für einen guten Unterhaltungsfilm, der einen zufrieden und mit einem Lächeln auf den Lippen nach gut zwei Stunden wieder in die düstere Realität entlässt. Vielleicht macht das REAL STEEL am Ende dann doch zu einer Utopie. Nicht zu einer technischen, denn die porträtierte nahe Zukunft des Films ist eine möglichst realistische und somit sanfte Weiterentwicklung unserer Gegenwart, sondern zu einer gesellschaftlichen, in der sich der gutmütige und bodenständige Individualist als moralischer Sieger über die affektierte, technokratische Welt der Großkonzerne erweist. Auch diese Erzählung ist nicht neu - aber im Jahr der Finanzkrise und der Occupy-Bewegung ist sie brandaktuell.

Man verstehe das nicht als Versuch einer politischen Deutung dieses Films, es zeigt lediglich das Gespür der Filmemacher für das Bedürfnis des Publikums nach einer durchweg positiven Geschichte in einer eher pessimistischen Gegenwart. Eben darum ist seine Vorhersehbarkeit seine Stärke, bringt sie doch Ordnung in eine scheinbar chaotische Welt, irritiert nicht, verwirrt nicht, stößt nicht vor den Kopf.

Man kann solche Filme schlecht finden. Sie sind nichts anderes als Blendwerk, das hinter einer in sich schlüssigen, schönen Fassade eine zum Erbrechen immer wieder und wieder und wieder erzählte Geschichte parat hält. Man kann aber auch ganz konkret diesen Film gut finden, weil er dabei alles richtig macht und etwas hat, was vielen vergleichbaren Filmen dieser Tage abgeht: Charme.











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