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THE PURGE: ELECTION YEAR (USA 2016)

von André Becker

Original Titel. THE PURGE: ELECTION YEAR
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. JAMES DEMONACO
Drehbuch. JAMES DEMONACO
Musik. NATHAN WHITEHEAD
Kamera. JACQUES JOUFFRET
Schnitt. TODD E. MILLER
Darsteller. FRANK GRILLO . ELIZABETH MITCHELL . BETTY GABRIEL . MYKELTI WILLIAMSON u.a.

Review Datum. 2016-09-14
Kinostart Deutschland. 2016-09-15

Nach dem Überraschungserfolg von THE PURGE – DIE SÄUBERUNG war klar, dass schnell eine Fortsetzung her muss. Im Gegensatz zum ersten Teil ließ der hastig hinterher geschobene Nachfolger die Home-Invasion-Thematik fast gänzlich außer Acht und setzte stattdessen verstärkt auf die Actionelemente seiner kruden Story. Auch der dritte Teil wählt diese Ausrichtung und haut dem Publikum unnötigerweise noch seine pseudo-sozialkritischen Elemente um die Ohren.

Zur Einordnung: Einmal im Jahr sind für eine Nacht alle Gesetze außer Kraft gesetzt. Wer will kann in diesem Zeitraum, genannt die Purge, soviel morden, brandschatzen und seinen sadistischen Neigungen frönen wie er/sie Lust hat. Dementsprechend beliebt sind die alljährlichen Purge-Nächte bei Amokläufern, gewaltgeilen Politikern und verwöhnten Rich-Kids. Langsam aber sicher entsteht jedoch eine Gegenbewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das Purgen (so wird es tatsächlich im Film benannt) zu beenden. Prominentestes Gesicht der Bewegung ist die Senatorin Charlie Roan (überfordert: Elizabeth Mitchell), die vor einigen Jahren während einer Purge gezwungen wurde, die Ermordung ihrer Familie mitzuerleben. Da die nächste Wahl vor der Tür steht und Roan nach ersten Umfragen gute Chancen hat zu gewinnen, setzt die Gegenseite, die (welch Überraschung!) gleichzeitig glühende Purge-Verfechter sind, ein Killerkommando auf die Politikerin an. Dank des todesmutigen Einsatzes ihres Bodyguards Leo (gibt erneut das wortkarge Raubein: Frank Grillo) gelingt der Senatorin im letzten Moment die Flucht. Eine atemlose Hetzjagd durch die Nacht beginnt, bei der die Beiden unverhofft Hilfe von einer Gruppe Widerstandskämpfer erhält.

Eins muss man THE PURGE: ELECTION YEAR sicherlich zu Gute halten. Regisseur James DeMonaco versucht zumindest dem geistlosen Geschehen mit ein wenig Sozialkritik ein bisschen Tiefgang zu verpassen. Dies misslingt jedoch auf katastrophale Weise. Subtile Zwischentöne kennt der Film nämlich nicht. Die kritischen Elemente der Handlung serviert DeMonaco als ausgesprochen simpel aufgezogene Schwarzweißmalerei. Auf der einen Seite die Senatorin, ihr kerniger Beschützer und eine Handvoll Underdogs aus dem Ghetto. Ehrliche, hart arbeitende Leute mit dem Herz am rechten Fleck, die aber auch mal die Waffe zücken und ihre Gegner ohne mit der Wimper zu zucken umnieten. Auf der anderen Seite die Gruppe der Purge-Befürworter aus den oberen Schichten, bestehend aus schmierigen Politikern, die sich durch das jährliche Purgen vor allem den sozial Schwachen entledigen.

DeMonaco wird dabei nicht müde diesen vermeintlich originellen, gewollt klassenkämpferisch aufgezogenen Aspekt der Geschichte immer und immer wieder auf der Tonspur und über das Gezeigte zu wiederholen. Das ist nicht nur anstrengend, sondern absolut unnötig, weil man bereits nach ungefähr einer Minute geschnallt hat, worauf der Film hinaus will. Dass diesmal ebenfalls das Versicherungswesen der USA für die einschläfernden kritischen Untertöne der Produktion herhalten muss, macht es natürlich nicht gerade besser. Wie beim zweiten Teil gilt auch hier: Stumpf ist Trumpf.

THE PURGE: ELECTION YEAR ist aber ebenfalls ein ziemliches Ärgernis aufgrund seiner erschreckend lustlos ausgearbeiteten Charaktere. Insbesondere die Gruppe der Purge-Befürworter werden dermaßen plump als geistesgestörte Irre charakterisiert, dass eine halbwegs ansprechende Darstellung ihrer Rolle von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Senatorin Charlie Roan bleibt ebenso blass und verkommt zur Stichwortgeberin, die ab und an wirkt, als ob sie sich aus einer Vorabend-Soap in den Film verirrt hätte. Und was den Bodyguard eigentlich genau antreibt ist sowieso total unklar und kaum nachvollziehbar.

Das alles wäre ja noch (vielleicht) irgendwie zu verschmerzen, wenn der dritte Teil wenigstens als zackiger Hirn-aus-Genre-Film funktionieren würde. Aber selbst in diesem Kontext sind die Ergebnisse sehr, sehr dürftig. Den Actionszenen fehlt leider jedwede Dynamik und der schnelle Schnitt sowie das ständige Kameragewackel und Gezoome nehmen den Shoot-outs und sonstigen Fights jede Grundierung. Hinzu kommt dass das Drehbuch zu oft das Tempo drosselt und immer wieder in den Leerlauf schaltet, was meist in furchtbar inhaltsleere Dialoge mündet, bei denen die Protagonisten ziellos über die gesellschaftsverrohende Bedeutung der Purge schwadronieren. Insofern leidet ebenfalls die Spannungsdramaturgie, die DeMonaco zu keinem Zeitpunkt wirklich im Griff hat und die auch von den vereinzelten Gewalteruptionen nicht nachhaltig angeheizt wird.

So ist die dritte Ausgabe der Purge-Reihe ein durch und durch überflüssiger, allumfassend uninspiriert daherkommender Film, der auf allen Ebenen versagt und sich außerdem viel zu wichtig nimmt. Möge das Purgen nach diesem langweiligen Desaster hoffentlich ein jähes Ende finden.











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