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PRINCE OF PERSIA - DER SAND DER ZEIT (USA 2010)

von Björn Lahrmann

Original Titel. PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME
Laufzeit in Minuten. 116

Regie. MIKE NEWELL
Drehbuch. BOAZ YAKIN . DOUG MIRO . CARLO BERNARD
Musik. HARRY GREGSON-WILLIAMS
Kamera. JOHN SEALE
Schnitt. MICK AUDSLEY . MICHAEL KAHN . MARTIN WALSH
Darsteller. JAKE GYLLENHAAL . GEMMA ARTERTON . BEN KINGSLEY . ALFRED MOLINA u.a.

Review Datum. 2010-05-19
Kinostart Deutschland. 2010-05-20

Der Sand der Zeit rinnt schneller, als man denkt. Mit PRINCE OF PERSIA assoziierte ich bis dato einen pixeligen Jüngling in Schnabelschuhen, der von links nach rechts über wacklige Plattformen hüpft, sich mit rüstigen Skeletten duelliert, gelegentlich von Stachelfallen aufgespießt wird und wieder von vorn anfangen muss. Stellt sich heraus: 1989 ist lange vorbei, seither hat sich um den wackeren Prinzen ein ganzes Videospielkönigreich errichtet, zu dem nunmehr auch eine Verfilmung sich zählen darf. (Wenn dereinst die Geschichte des modernen Blockbusterkinos geschrieben ist, wird einer der großen Paradigmenwechsel lauten: Früher kam das Merchandising nach dem Film, heute ist der Film selbst das Merchandising für andere Produkte.) Spielentwickler Jordan Mechner höchstpersönlich kredenzt die Ideen, Regie führt Mike Newell, der sich u.a. mit VIER HOCHZEITEN UND EIN TODESFALL und MONA LISAS LÄCHELN als Actionregisseur erster Kajüte empfiehlt. (Okay, ein HARRY POTTER war auch dabei.)

Den Game Controller ersetzt im Film ein magischer Dolch, mithilfe dessen sich die Zeit nach Videokassettenart um kurze Intervalle zurückspulen lässt. Der kristallene Schaft fungiert als Joystick mit Juweldruckknopfbesatz, die Klinge als Schnittstelle in die vierte Dimension. Ressourcenschonend scheint das Gerät auch zu sein, denn: es läuft mit Sand. Ein ganz besonderer Sand allerdings, in größeren Mengen allein in der heiligen Stadt Alamut vorrätig, die die persische Armee, unter falschem Vorwand zunächst (Massenvernichtungswaffen, hoho!), eben darum erobert. Den Dolch erbeutet nichtsahnend Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal), Ziehsohn des Königs von unedlem, nämlich gossenkindlichem Geblüt, der bald von allerlei finsteren Kabalen aus dem eigenen Palast vertrieben und unwillens zum Bewahrer des Zaubermessers erkoren wird. Enttäuschend wenig weiß der Film mit diesem Gimmick anzufangen; die Möglichkeit von Zeitreiseparadoxa und böswilliger Geschichtsklitterung wird angedeutet, konkrete Verwendung findet der Dolch jedoch bloß, um erlittenen Tod und andere Wehwehchen flugs ungeschehen zu machen. Spiellogisch betrachtet, verkommt so ein ingeniöses Handlungsmanipulationswerkzeug zum plumpen Cheat code.

Abgesehen davon ist PRINCE OF PERSIA so bahnbrechend uninteressant, wie derzeitige Sommereventkinogrütze überhaupt sein kann; ein Film mithin, den zu rezensieren eine müßige Angelegenheit ist, weil ein einziger Screenshot alles sagt, was es zu wissen gibt. KÖNIGREICH DER HIMMEL im Disneyformat, adrett besetzt und opulent ausgestattet mit Zwiebeltürmen über sonnenbankbronzenen Wüstentälern; gedreht wurde in Hollywoods ewigem Aushilfs-Orient Marokko. Natürlich ist Newell der falsche Mann am falschen Ort, ohne Gespür für kinetischen Fluss und, gerade in den katastrophal verhampelten Nahkampfsequenzen, heillos überfordert. (Anbei darf man sich, auch ohne gleich in Zeigefingerverdacht zu geraten, einmal darüber wundern, wie blitzeblank und ab 6 hier ganze Genozide durchgezogen werden.) Parkour, die neue lingua franca des modebeflissenen Actionfilms, sorgt trotz störender Hauruck-Zeitlupen für ein paar vergnügliche Momente, zumal das Versprechen des Spiels – maximale Unabhängigkeit des Körpers vom Raum – hier zumindest ansatzweise eingelöst wird. Der Rest ist eine Übung in sterbensöder Fotogenität: Gyllenhaal schmitzt, Gemma Arterton schmollt, Ben Kingsley spielt den Großwesir im Schlaf. Gäb's den verflixten Dolch tatsächlich: man sollte sich schleunigst an die Kinokasse zurückbeamen und einen anderen Film auswählen.











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