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PANS LABYRINTH (Mexiko/Spanien/USA 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. EL LABERINTO DEL FAUNO
Laufzeit in Minuten. 114

Regie. GUILLERMO DEL TORO
Drehbuch. GUILLERMO DEL TORO
Musik. JAVIER NAVARRETE
Kamera. GUILLERMO NAVARRO
Schnitt. BERNAT VILAPLANA
Darsteller. IVANA BAQUERO . SERGI LÓPEZ . MARIBEL VERDÚ . DOUG JONES u.a.

Review Datum. 2007-02-05
Kinostart Deutschland. 2007-02-22

Vor langer, langer Zeit wollte eine Prinzessin eines in blaues Licht getauchten unterirdischen Reichs den blauen Himmel sehen. Die Flucht unter die Menschen machte sie sterblich, ihr Vater, der König, wusste jedoch, dass sie dereinst wiedergeboren und in ihre Welt zurückkommen würde.
So in etwa leitet eine Stimme aus dem Off PANS LABYRINTH ein, und es wird einem augenblicklich klar, dass mit der Prinzessin jenes Märchenbücher verschlingende Mädchen gemeint ist, das im Spanien des Jahres 1944 mit ihrer hochschwangeren Mutter an die Front geschickt wird. Der böse Stiefvater in diesem Märchen ist Hauptmann des Franco-Regimes und hat nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs einen Landstrich in der Provinz von antifaschistischen Rebellen zu säubern. Er besteht darauf, dass der Sohn (den Gedanken daran, es könnte auch eine Tochter werden, hält er für ausgesprochen lächerlich) in seiner Nähe geboren wird.

Bereits in THE DEVIL'S BACKBONE setzte Guillermo del Toro Kinder in den Mittelpunkt der Handlung und vermengte das Motiv des spanischen Bürgerkrieges mit übernatürlichen Elementen. Anders als im Falle des von Pedro Almodóvar co-produzierten, sichtlich weit geringer budgetierten Streifens tritt aber hier das faschistische System in den Vordergrund. Obwohl vage an Alice im Wunderland erinnernd - die Frage, ob die Märchenwelt real oder reine Phantasterei eines Kindes ist, bleibt durchgehend in der Schwebe - wird der Fantasyaspekt fast vollständig auf das doch eher magere Klischee von den "3 Prüfungen" reduziert. Ofélia, das Mädchen, trifft auf den titelgebenden Faun, der ihr diese Tests auferlegt, damit sie, die Wiedergeborene, in ihr Reich zurückkehren kann.
Trotzdem kann man sich bezüglich des Schauwerts kaum beklagen. Besonders die Maske des Fauns sowie des vom gleichen Darsteller gespielten Wächters der zweiten Prüfung (Doug Jones, der schon den Amphibienmann in del Toros HELLBOY mimte) sind absolut famos. Der Faun erinnert entfernt an Bilder von Goya und der offiziell als "bleicher Mann" geführte Wächter ist durchweg gruselig, beide sind mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Die Settings erwecken vorwiegend den eher künstlichen Eindruck im Studio gedrehter Genreproduktionen der 30er Jahre und entwickeln gerade dadurch ihren eigenen, ganz besonderen, Charme. Zu insektoiden Elfen, die wohl sicher von der Festplatte kommen, gesellt sich eine Alraune, die doch realer wirkt. OTESÁNEK lässt da grüßen, wenn auch nur ein wenig, wirkt doch die Einstellung statisch. Auch dürfte hier keine klassische Stop Motion, sondern eher ein Motor verwendet worden sein. Auf jeden Fall merkt man del Toro an, dass er in Hollywood, was den Einsatz von Effekten betrifft, viel gelernt hat. Die Musik erinnert an Schostakowitschs berühmtesten Walzer aus seinen Varietéorchestersuiten sowie Danny Elfman. Nicht wirklich subtil, eher jahrmarktschreierisch, aber doch dem Genre entsprechend, zumal in der vielleicht besten Szene über den Joker eine weitere Brücke zu Tim Burton geschlagen wird. Ein wirklich großer Unterschied zum sandig-trockenen DEVIL'S BACKBONE.

Dennoch: Den Film bestimmend ist eben die zeitgeschichtliche Komponente und die ist leider weit weniger gelungen umgesetzt. An der schauspielerischen Leistung liegt es nicht, das Ensemble macht seine Sache durchwegs gut, vor allem Sergi López als Stiefvater mit dem seiner Rolle eigenen Machismo. Köstlich, wenn er einmal (in der bereits erwähnten "Joker-Szene") nähen muss. Doch die Geschichte ersäuft wie in ihrem phantastischen Gegenstück in Klischees, und das wirkt gerade hier ungemein platt. Nur eine Episode zum Beispiel: Zwei Männer werden von der faschistischen Miliz gestellt und verdächtigt, kommunistische Agitatoren zu sein, sie beteuern Kaninchen gejagt zu haben. Der Hauptmann bringt sie natürlich um, und findet natürlich ein Kaninchen in ihren Taschen. Natürlich ist er danach verärgert, natürlich aber nur, weil er sich "umsonst die Arbeit machen musste", da seine Truppe schleißig agiert hat. In dieser Ebene kann man sich auch nicht darauf stützen, dass es am Rollenbild der Ofélia und ihrer vielleicht mangelnden Phantasie liegt, dass nichts Originelleres aufgefahren wird.
Selbst wenn man keinerlei Botschaft hineininterpretieren will, den Film als reines Unterhaltungsstück ansieht, so halbwegs ausreichend spannend wird er dafür frühestens im letzten Drittel, wenn man mal wieder (ist wohl grad schwer in Mode) in die Folterkammer hinabsteigt. Das schaffte aber nun wieder selbst ROM, OFFENE STADT bei unendlich höherem Anspruch. Auch wenn der Historien-Fantasy-Mix durchaus Sinn macht, die phantastische Welt als Flucht vor der grausamen Wirklichkeit naheliegend scheint, bleibt PANS LABYRINTH ein rein visueller Triumph mit dem schalen Beigeschmack, dass man sich hinterher fragt, um wie viel besser das denn alles noch hätte sein können.











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