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NICK UND NORAH - SOUNDTRACK EINER NACHT (USA 2008)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. NICK AND NORAH'S INFINITE PLAYLIST
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. PETER SOLLETT
Drehbuch. LORENE SCAFARIA
Musik. MARK MOTHERSBAUGH
Kamera. TOM RICHMOND
Schnitt. MYRON I. KERSTEIN
Darsteller. MICHAEL CERA . KAT DENNINGS . ALEXIS DZIENA . AARON YOO u.a.

Review Datum. 2009-02-19
Kinostart Deutschland. 2009-02-19

Es ist ein Schicksal, das nicht wenigen Schauspielern widerfährt. Entweder spielen sie eine Rolle, eine Figur, die sie für allezeit in dieser feststecken lässt. Oder sie spielen in jedem Film immer irgendwie den gleichen Charakter. Michael Cera ist wohl ganz eindeutig in letztere Kategorie einzuordnen, war er in den letzten Jahren doch nie als etwas anderes zu sehen als in der Rolle des liebenswürdigen, aber stets ausgegrenzten Losers. Stets der gleiche Haarschnitt, immer die gleichen Klamotten und immer in derselben Tonlage - Cera scheint dieser Typus offensichtlich zu gefallen. Dem Publikum scheint er auch ans Herz gewachsen zu sein, denn nicht nur SUPERBAD, sondern auch JUNO waren große Erfolge. So weit so gut, nur kommt irgendwann die Zeit, in der man einfach genug von etwas hat. Leider scheint Cera mit NICK UND NORAH - SOUNDTRACK EINER NACHT an genau diesem Punkt angekommen zu sein. Ein Punkt, an dem er wirkt wie auf Autopilot, business as usual eben. An der Seite eines nicht nur attraktiven, sondern auch viel versprechenden jungen Casts, wirkt er fast schon wie ein alter Hase. Einer, dem man es ansieht, dass er nicht gerade für diese Rolle anstehen musste.

Ganz im Gegensatz zu Kat Dennings, die zuletzt in HOUSE BUNNY zu sehen war und schon hier positiv von sich reden machte. Sie spielt mit voller Freude, holt offensichtlich alles aus sich heraus und verweist Cera schnell auf die hinteren Plätze. Sofort nimmt man ihr die Rolle der eher außen stehenden, aber lebenslustigen, nicht auf den Mund gefallenen starken Frau ab. Sie ist genau der Typ von Frau, die man als beste Freundin haben möchte: mit großem Herz (immerhin kümmert sie sich liebevoll um ihre betrunkene Freundin, die außer Männern und dem Alkohol nichts im Kopf zu haben scheint), großer Klappe und noch größerem Lächeln. Ganz klar ist sie der Lichtblick des Filmes, der sowieso fast ausschließlich im Dunkel spielt. Man taucht ein ins New Yorker Nachtleben von jungen Erwachsenen, wird Zeuge ihrer Lieblingsmusik, ihrer Lieblingsclubs und eben auch ihrer Probleme in Sachen Liebe. Was nach üblicher Teenie-RomCom-Ware klingt, trifft nur in Teilen zu. Solletts Film umschifft gekonnt die gängigen Genreklischees und weist eine Frische auf, die man so gerne öfter sehen will. Etwas konstruiert ist es dann aber natürlich schon, wenn man alle männlichen Freunde, die man Ceras Figur zur Seite stellt, homosexuell konzipiert, so dass er "freie Fahrt" genießen kann.

Überraschend auch, dass der Soundtrack, den vor allem der deutsche Verleihtitel so stark in den Vordergrund rückt, sich eigentlich eher im Hintergrund hält. Independent-Rock, das ist es, was die Jugendlichen zum Tanzen, zum Abfeiern bringt. Dabei klingt jedoch ein Stück redundanter und austauschbarer als das andere. Vielmehr ist es die eigene Musik, die die beiden titelgebenden Protagonisten verbindet. Die Musik ersetzt die Metapher der Luft, die man neben der Liebe als einziges braucht um glücklich mit seiner großen Flamme zu sein. So weit sich NICK UND NORAH - SOUNDTRACK EINER NACHT von Genrekollegen zu Teilen auch abheben mag, so gleich ist er jedoch in seinem Anliegen. Einmal mehr ist es reaktionär, denn alles kann warten, alle, die nicht auf die große Liebe warten, sondern sich in fremden Telefonnummern, Flirts und Schlafzimmern vergnügen, bekommen am Ende ihr Fett weg. Zwar droht ihnen nicht, wie beispielsweise im Slasherfilm der Tod, aber sie bekommen das, was sie verdienen (allen voran die schön-zickige Alexis Dziena, die schon in EIN SCHATZ ZUM VERLIEBEN voll in dieser Rolle aufging). Nick und Norah gönnt man es am Ende auch - ach wenn die ganze Liaison eher einschläfert als das Herz erwärmt.











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