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MY BLUEBERRY NIGHTS (Hong Kong/China/Frankreich 2007)

von Björn Eichstädt

Original Titel. MY BLUEBERRY NIGHTS
Laufzeit in Minuten. 111

Regie. WONG KAR-WAI
Drehbuch. WONG KAR-WAI . LAWRENCE BLOCK
Musik. SHIGERU UMEBAYASHI
Kamera. DARIUS KHONDJI
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. NORAH JONES . JUDE LAW . DAVID STRATHAIRN . NATALIE PORTMAN u.a.

Review Datum. 2007-11-07
Kinostart Deutschland. 2008-01-24

Wong Kar-Wai mit nichtasiatischen Schauspielern und ohne Christopher Doyle hinter der Kamera? So mancher Fan des derzeit wohl bekanntesten asiatischen Filmemachers rieb sich ob dieser Ankündigung verwundert die Augen. Kritiker und Zuschauer zweifelten schon vor Veröffentlichung der ersten Bilder an dem Projekt, das mit Norah Jones auch noch eine poppige Jazz-Folk-Sängerin in ihrer ersten Rolle an die große Leinwand heranführen sollte. Ob MY BLUEBERRY NIGHTS nach dem furiosen 2046 der Untergang des Wong Kar-Wai werden würde?

Nun, Befürchtungen hin, Spekulationen her: Der neue Film des in Shanghai geborenen Filmemachers ist schlicht und ergreifend eine Wucht. Denn die simple Geschichte, die THE BEACH-Cinematograph Darius Khondij in unglaublich beeindruckende Bilder kleidet, reiht sich einfach nahtlos in die bisherige Filmographie ihres Regisseurs ein und geht gleichzeitig neue Wege. Dass keine Asiaten als Schauspieler im Einsatz sind: Egal. Dass Doyle den Pinsel aus der Hand gelegt hat: Was soll's. Wer auch immer meinte, Wong Kar-Wai sei doch nur im Doppelpack etwas wert, der wird mit der einfachen Liebesgeschichte, die neben romantisch-komischen Elementen auch eine ganze Menge Roadmovie-Atmosphäre atmet, vielleicht nicht eines besseren, aber doch eines anderen belehrt.

Die Geschichte von einer, die auszog, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und dabei die Zukunft am Ende ihres Amerika-Rundtrips in der alten Heimat des Big Apple findet, ist dabei denkbar einfach. Sie ist die positivistische Antithese zu Kiyoshi Kurosawas LOFT, in dem der Protagonist gerade daran scheitert, dass er die Vergangenheit nicht loslassen kann, dass er den Abstand nicht sucht, den er dringend benötigt, um von Neuem beginnen zu können. Anders MY BLUEBERRY NIGHTS: Die alte Liebe ist tot, mausetot, die neue kann kommen - und zwischen den emotionalen Polen wandelt die Hauptdarstellerin zwischen den Orten der Vereinigten Staaten. Simpel, ja - doch was Wong Kar-Wai daraus macht, das ist ein Fest der Sinne, ein Augen- und Ohrenschmaus, der seine Bilder feiert und seine Töne bejubelt.

Wong Kar-Wai und Amerika: Das ist ganz eindeutig Liebe auf den ersten Blick. Die Locations sind USA pur, die Musik stapft durch den mittleren Westen, die Farben der Nacht umgarnen Las Vegas und die Leinwand des Mannes aus Hongkong zeigt die New Yorker S-Bahnen in moderner Wischtechnik, wie sie vor einem körnigen Horizont ihre einsamen Bahnen ziehen. Und vor allem: Seine Optik streichelt die schlafende Norah Jones, der in der Kneipe ihres Künftigen beim Blaubeerkuchen-mit-Vanilleeis-Essen der Kopf vornüber auf den Tresen gesunken ist, während es sich Reste der Süßigkeit auf ihren leicht geschwollenen Lippen gemütlich gemacht haben. So ist Wong Kar-Wai mit MY BLUEBERRY NIGHTS etwas gelungen, das man in Zeiten von George Dabbeljuh kaum mehr für möglich gehalten hat: Eine Liebeserklärung an Amerika und ein einfacher Film über die Liebe inmitten der Nacht. Das Prädikat "wunderschön" ist wirklich angebracht.











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