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MARY (Italien/USA 2005)

von Matthias Mahr

Original Titel. MARY
Laufzeit in Minuten. 83

Regie. ABEL FERRARA
Drehbuch. ABEL FERRARA . MARIO ISABELLA . SIMONE LAGEOLES
Musik. FRANCIS KUIPERS
Kamera. STEFANO FALIVENE . ABEL FERRARA
Schnitt. PATRIZIO MARONE . ADAM MCCLELLAND . FABIO NUNZIATA
Darsteller. JULIETTE BINOCHE . MATTHEW MODINE . FOREST WHITAKER . HEATHER GRAHAM u.a.

Review Datum. 2005-11-09
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Ein Jahr nach Drehschluss seines Jesusfilms This Is My Blood will Tony Childress (Modine) die Sendung des TV-Moderator Ted Younger (Whitaker) dazu benutzen, seinen Film zum Kinostart zu promoten. Younger, der privat Probleme mit seiner schwangeren Frau (Graham) hat, sie wohl auch betrügt, hat das ungewöhnliche Konzept einer Talkshow in der er zur Primetime mit Bibelexperten über das Leben Jesus plaudert durchgesetzt und feiert damit beachtliche Quoten. Er scheint von der Idee Childress in seiner Sendung zu haben zunächst sehr angetan, sperrt sich dann aber doch dagegen seine Sendung als reine Werbeschaltung missbrauchen zu lassen und bemüht sich um Kontakt zu Marie Palesi (Binoche). Diese spielte in Childress' Film die Maria Magdalena, wurde nach Beendigung jedoch zur Aussteigerin und pilgerte nach Jerusalem.

Ähnlich wie Scorseses LAST TEMPTATION- oder Gibsons PASSION OF CHRIST ist der neue Ferrara so was wie ein Bekennungsfilm, konträr dazu allerdings einer, der kaum kontroverse Diskussionen auslösen wird sondern einer, der eben diese Konflikte zum Thema macht. Inkludiert werden diverse Fachmeinungen echter Experten der Bibelforschung. Dies wird einem spätestens beim Abspann mit den diversen him- und herself-Nennungen klar, war aber bei dieser, offenbar von einem teilweise recht eingeweihten Publikum frequentierten Vorstellung schon zuvor naheliegend. Die (durchwegs positiven) Reaktionen ließen vermuten, dass da ein paar auf ihrem Gebiet reichlich prominente Gäste für Youngers Show ausgewählt wurden.

Wie in seinem letzten Film 'R XMAS bereitet Ferrara hier ein ausgesprochen dialoglastiges Drama auf, dass mehr auf Charaktergestaltung denn auf Handlungsfortgang setzt. Noch weit stärker als dort brechen aber in den eher ruhigen Verlauf plötzliche laute Schockmomente durch. Das funktioniert ähnlich wie in vielen, vor allem asiatischen, Horrorfilmen und drückt einen mitunter sogar effektiver in den Sitz als etwa der hier besprochene SHUTTER.

In diesem Genre ist natürlich die Glaubwürdigkeit der Rollen und ihre Darstellungen von besonderer Bedeutung und hier gibt es recht Unterschiedliches zu berichten. Grahams und überraschender Weise besonders Binoches Rolle geben recht wenig her. Die Damen machen ihre Arbeit sicher nicht schlecht, aber es ist nicht wirklich ihr Film und das überrascht gerade bei Binoche, die ja quasi die Titelrolle gibt doch sehr. (Tatsächlich ist der Titel auch nicht ohne Bedacht gewählt, Maria Magdalenas Rolle wird auch bei den theologischen Betrachtungen der Talkshow ins Zentrum gerückt.)
Modine gibt über fast die ganze Laufzeit eine gute Darbietung eines slicken, sehr narzisstischen Filmemachers. Gewisse Parallelen zu Gibson sind zweifellos erkennbar, allerdings provoziert er die Kontroverse nicht aus religiöser Überzeugung oder fanatischen Bekehrungswillen sondern aus Kalkül. Er sieht sich als Künstler, nicht als Prediger, dass Geld, welches sich mit so einer Polarisierung leichter machen lässt, interessiert ihn freilich auch. Gegen Ende verliert die Rolle aber an Bodenhaftung. Modine hat mitten im losbrechenden Krawall die Fortsetzung der Projektion seines Filmes zu verteidigen und gebärdet sich dabei wie ein Mad Scientist oder King Kong am Empire State Building im Kampf gegen die Flugzeuge. Hier kippt der Film ein wenig in Richtung Camp.
"And the winner is" Forest Whitaker. Er hat die dankbarste, vielschichtig ambivalenteste Rolle und macht darin alles richtig. MARY ist sein Film. Ein durchwegs interessanter Film im Übrigen, sicher ungeeignet für wirklich fanatische Atheisten, aber ansonsten durchaus empfehlenswert unabhängig von der eigenen Konfession oder Nichtkonfessionalität. Ein filmisches Bekenntnis, aber keine Predigt.











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