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MAMA (Spanien/Kanada 2013)

von André Becker

Original Titel. MAMA
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. ANDRÉS MUSCHIETTI
Drehbuch. NEIL CROSS . ANDRÉS MUSCHIETTI
Musik. FERNANDO VELÁZQUEZ
Kamera. ANTONIO RIESTRA
Schnitt. MICHELE CONROY
Darsteller. JESSICA CHASTAIN . NIKOLAY COSTER-WALDAU . MEGAN CHARPENTIER . ISABELLE NÉLISSE u.a.

Review Datum. 2013-04-15
Kinostart Deutschland. 2013-04-18

MAMA orientiert sich inhaltlich an dem gleichnamigen Kurzfilm, den der argentinische Regisseur Andrés Muschietti im Jahr 2008 fertigstellte. Produziert wurde die Spielfilmfassung von Kino-Visionär Guillermo del Toro, der in der Vergangenheit bekanntermaßen einige großartige Genre-Werke ablieferte und vollkommen zu Recht als Garant für intelligent erzählten und vielschichtig angelegten Grusel gilt. Gute Voraussetzungen also für eine gepflegte Schauermär, die zudem mit der momentan schwer gehypten Jessica Chastain (ZERO DARK THIRTY) eine hervorragende Hauptdarstellerin mit an Bord hat.

Nach dem tragischen Tod ihrer Eltern sind die zwei Geschwister Lilly und Victoria (beeindruckend gut: Isabelle Nélisse, Megan Charpentier) wie vom Erdboden verschluckt. Auch Jahre nach ihrem Verschwinden gibt ihr Onkel Lucas (bleibt blass: Nikolaj Coster-Waldau) die Hoffnung nicht auf und lässt weiter nach den beiden Mädchen suchen. Eines Tages wird das Unglaubliche wahr. Ein Suchtrupp findet die Schwestern vollkommen verwahrlost in einer alten Waldhütte. Der Zustand der Mädchen ist kritisch, aber bereits nach kürzester Zeit scheinen sie sich zu erholen. Lucas beschließt zusammen mit seiner Freundin, der Rockmusikerin Annabel (Jessica Chastain) seine Nichten zu adoptieren. Auch wenn sich Annabel am Anfang mit ihrer neuen Mutterrolle schwer tut, beginnt sie zögerlich Nähe zu den Mädchen aufzubauen. Sorgen bereiten Lucas und Annabel allerdings die zunehmend mysteriöser anmutenden Erscheinungen, die ihr Zuhause immer häufiger heimsuchen. Für die Mädchen ist klar, wer für diese Vorkommnisse verantwortlich ist. Zögerlich berichten sie ihren Adoptiveltern, dass sie in der Hütte von einer geisterhaften Gestalt versorgt und ernährt wurden und dieses Wesen für sich die Rolle einer Mutter beansprucht. Als Lucas einen schweren Unfall hat und Annabel Zeuge eines weiteren unheimlichen Zwischenfalls wird, spitzt sich die Situation zu. Das Geisterwesen Mama ist zurück und fordert ihre Kinder ein. Der Geist hat jedoch nicht mit der Willensstärke von Annabel gerechnet, die bereit ist für ihre neue Familie zu kämpfen.

Wie man es auch drehen und wenden mag, MAMA unterscheidet sich eigentlich kaum von den drei dutzend Grusel-Streifen, die in den letzten zwei Jahren mehr oder weniger gut die Kinokassen klingeln ließen. Letzlich bietet Muschiettis Ausflug ins Horrorgenre gepflegten Grusel mit einer dichten Atmosphäre und auch einigen gut platzierten Schockeffekten. Das mag für einen launigen Abend reichen, im Endeffekt fehlt aber das gewisse Etwas, so dass unterm Strich nicht viel hängen bleibt. Das versucht wird im Subtext noch ein wenig das Thema Mutterschaft zu verhandeln schadet dem Film dann auch eher, da Muschietti zu oberflächlich an die Sache rangeht und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Thematik so ebenfalls ausbleibt.

Darüber hinaus ist auch die Entwicklung der Hauptfigur nicht wirklich nachvollziehbar. Der Wandel von der selbstbestimmten Rockmusikerin zur kinderliebenden Mutterfigur geschieht einfach viel zu hastig, was dazu führt dass einige Fragezeichen beim Publikum zurückbleiben. Da helfen auch die solide Performance von Jessica Chastain und die tollen schauspielerischen Leistungen der Nebendarsteller nicht weiter. Erstaunlich einfallslos erzählt ist außerdem die Hintergrundgeschichte von Mama. Vollkommen uninspiriert und ideenlos wird hier ein schon dutzendmal durchgekautes Motiv des Horrorkinos recycelt und dem Zuschauer als vermeintlich originelle Erklärung präsentiert.

Trotz allem ist MAMA nicht unbedingt schlecht. Ein Großteil der anvisierten Schocks zünden und sorgen für ordentlichen Nervenkitzel. Insbesondere gegen Ende wird es zudem schön spannend und die eingesetzten CGI-Effekte fallen ausnahmsweise mal nicht negativ auf und unterstützen die stimmige Atmosphäre des Films sehr effektiv. Auch Musik, Schnitt und Kamera sind überzeugend und wissen zu gefallen. Alles in allem ist Muschietti nicht unbedingt ein großer Wurf gelungen, aber für kurzweilige, ausreichend spannende Unterhaltung reicht es allemal. Fazit: Durchaus goutierbar, aber einen Tag später wieder vergessen.











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