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THE LOVED ONES (Australien 2009)

von Alexander Karenovics

Original Titel. THE LOVED ONES
Laufzeit in Minuten. 84

Regie. SEAN BYRNE
Drehbuch. SEAN BYRNE
Musik. OLLIE OLSON
Kamera. SIMON CHAPMAN
Schnitt. ANDY CANNY
Darsteller. XAVIER SAMUEL . ROBIN MCLEAVY . JOHN BRUMPTON . VICTORIA THAINE . RICHARD WILSON u.a.

Review Datum. 2011-01-21
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Prom Night - die Hormone fliegen tief, Jungs möchten zu Männern werden, und die Loser und Nerds fassen sich ein Herz, da sie endlich einen offiziellen Anlass haben, die Mädchen anzusprechen, welche für gewöhnlich nur mit den Bodybuilder-Kanten der Football-Mannschaft auf dem Schulhof abhängen. Außerdem seit jeher ein beliebtes Event um einem Horrorfilm einen Kickstart zu verpassen.

Brent ist kein Loser. Er hat das Mädchen seiner Träume bereits gefunden, und wenn ihm zwischenzeitlich nichts zustößt, wird ihn Holly selbstverständlich auch zum wichtigsten Abend eines jeden Highschool-Absolventen begleiten. Dann wäre da noch Princess a.k.a. Lola (Robin McLeavy), ein unscheinbares, fast schon verdächtig normales Mädchen. Als Brent ihre schüchterne Einladung zum Ball ausschlägt, besiegelt er damit sein Schicksal: die Prom Night wird für ihn der schlimmste Alptraum seines Lebens - Princess wird zum schlimmsten Alptraum seines Lebens. Denn was Princess will, bekommt sie auch. Mit Daddy's Hilfe wird Brent kurzfristig ins Land der Träume geschickt, bekommt einen Sack über den Kopf, und als er wieder zu Bewußtsein kommt, ist er Mittelpunkt einer Party, bei der man schon die letzten 15 Minuten aus AUDITION zum Vergleich heranziehen muß um dem grotesken Schrecken einen adäquaten Namen zu geben.

Gut möglich, daß das beängstigend intensive Schauspiel von Robin McLeavy diese Assoziation erst geschürt hat. Was weibliche Psychopathen angeht, hat Eihi Shiinia mit ihrer Asami die Anforderungen an solch gleichermaßen kaputte wie gefährliche Charaktere auf ein Level gehoben, welches schwer zu erreichen ist ohne ins Chargieren zu verfallen. McLeavy kommt da ziemlich nah dran. Sie hat die Rolle der mit Minderwertigkeits-Komplexen infizierten Princess (Lieblings-Song "Not pretty enough" von Kasey Chambers) mit Haut und Haaren annektiert. Im krassen Gegensatz zu ihrem finsteren Innenleben präsentiert sich Lola als grelle Pretty in Pink - ihre kitschige Garderobe tut nur den Augen weh. Sobald sie aber anfängt mit Bohrmaschine und Spritzen zu hantieren und so ihrer ganz eigenen Vorstellung von Heavy Petting beim ersten Date nachgeht, windet man sich auch als Zuschauer im Kinosessel. In Horrorfilmen wird sie sich in Zukunft sicherlich noch ein paar Mal blicken lassen.

Aber THE LOVED ONES ist selbstverständlich kein Psychodrama. Auch kein nihilistischer Nierentreter á la MARTYRS. Einfach nur ein richtig guter Genre-Film, der die Regeln aus dem FF rezitiert, und dies so unbekümmert tut als hätte es noch nie einen Film dieser Art gegeben, und deswegen damit durchkommt. Ein bißchen mehr Glanz, ein bißchen frischer als die Konkurrenz, ohne dabei das Genre auf den Kopf zu stellen - ein bißchen ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE. Und auch wenn zum Auftakt dieser sehr langen Nacht Nägel in Füße gehauen werden um den armen Brent an der Flucht zu hindern - man mag es kaum glauben, aber am Ende verließ man den Kinosaal mit einem breiten Lächeln. Dafür muß niemand masochistisch veranlagt, bzw. ausgesprochen hart drauf sein - man muß einfach nur Filme lieben. Die Umsetzung ist nämlich so unterhaltsam und unwiderstehlich geraten wie eine Highschool-Schmonzette von John Hughes aus den 80er Jahren.

Das der Film trotz grimmiger Slasher- und Backwood-Elemente so leichtfüßig geraten ist - man kann es nicht oft genug betonen - ist zu großen Teilen der ansteckenden Spielfreude von Robin McLeavy zu verdanken. Wo die Mainstream-Konkurrenz allzuoft Zugeständnisse an ein Popcorn-verwöhntes Publikum macht und das Endprodukt durch Schnitte verwässert, erreicht THE LOVED ONES so dasselbe Publikum ohne auf die volle Breitseite Blut und Ekel zu verzichten. Dazu ein eingängiger Soundtrack, der im besten Falle jeweils einen Kommentar zur Situation abgibt. Soviel handwerkliche Perfektion und Liebe zum Genre vereint in einem Debütfilm - das ist schon eine kleine Sensation!











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