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LOOPER (USA 2012)

von Benjamin Hahn

Original Titel. LOOPER
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. RIAN JOHNSON
Drehbuch. RIAN JOHNSON
Musik. NATHAN JOHNSON
Kamera. STEVE YEDLIN
Schnitt. BOB DUCSAY
Darsteller. JOSEPH GORDON-LEVITT . BRUCE WILLIS . EMILY BLUNT . PAUL DANO u.a.

Review Datum. 2012-10-03
Kinostart Deutschland. 2012-10-03

In einer Welt, in der Zeitreisen möglich, aber verboten sind, werden die Opfer von Verbrechersyndikaten nicht mehr einfach nur hingerichtet. Sie werden in die Vergangenheit geschickt und dort von sogenannten Loopern getötet und entsorgt. Auf die gleiche Weise entledigen sich die Auftraggeber ihrer eigenen Killer: Zurückgeschickt in die Vergangenheit werden die früheren Loopern von ihrem jüngeren Selbst getötet. Als Joe (Joseph Gordon-Levitt) sein älteres Ich (Bruce Willis) töten soll, kommt alles anders als gedacht: Der ältere Joe entkommt und wird nun von seinem jüngeren Ich gejagt. Während der Alte die Zukunft verändern will, will der Junge seinen Kopf retten und der Strafe durch seine Auftraggeber entgehen.

Zeitreisenfilme sind anfällig für Logiklücken und riesige Fragezeichen. Vermutlich deshalb lässt Regisseur und Autor Rian Johnson bei der ersten längeren Unterhaltung zwischen seinen beiden Joes den Älteren sagen, dass er jetzt gerade nicht über die Logik des Zeitreisens reden will. Friss oder stirb - dass das mit der Zeitreise in LOOPER so funktioniert, wie es funktioniert, ist halt einfach so. Wer das nicht akzeptieren kann, der braucht erst gar nicht das Ticket zu lösen.

Kompromisslos nennt man das wohl und weil er schon an dieser Stelle den dicken Maxe markiert, ist es nicht gerade erstaunlich, dass sich diese Kompromisslosigkeit wie ein roter Faden durch den Film zieht: Da wird alles über den Haufen geschossen, was sich dem Plan des alten Joe in den Weg stellt, angefangen von Handlangern des organisierten Verbrechens bis hin zu kleinen Kindern. Doch was nach krankem Exploitationmüll klingt, entwickelt sich nach und nach zu einer Reflexion über Verbrecher und ihre kriminelle Vita. Zwar geht Johnson dabei nie über simple Küchenpsychologie hinaus, aber dem Abgesang auf den Egoismus tut das dennoch keinen Abbruch. Vielleicht liegt gerade in der Simplizität seiner Argumentation die Kraft, einem von dummen Filmen wie PROJECT X zum asozialen Verhalten angestachelten Publikum gewisse Werte beizubringen und dafür nicht gleich die Moralkeule bedienen zu müssen.

Aber es ist nicht nur diese geradezu leichtfüßig vermittelte Menschlichkeit, die LOOPER zu einem recht außergewöhnlichen Film macht, sondern auch seine elegante Mischung von Tragik, Action und Komik, die ausnahmsweise mal keine Dürrenmatt'schen Züge aufweist, wo in der Komik immer etwas Bedrückendes mitschwingen muss. Wenn man hier lacht, dann über Situationskomik oder die Unterschiede zwischen der in unseren Köpfen vorgestellten Zukunft und der Realität des Films. Denn die Gegenwart des 2042 spielenden Films ist keine weit entfernte Utopie, sondern eine konsequente Weiterentwicklung unseres Hier und Jetzt, in der die Armut zugenommen hat, Chinas Einfluss in der Welt zunimmt und alte Benzinschlucker mit DIY-Solaranlagen umgerüstet werden - so realistisch erschien bisher kein Zukunftsfilm.

Apropos realistisch: Lediglich zwei kleine Probleme reißen einen von Zeit zu Zeit aus der filmischen Immersion. Das erste ist das Hoverbike, ein fliegendes Motorrad, dessen Effekt mitunter schmerzlich billig erscheint. Gerade angesichts der ansonsten tadellosen Effektarbeit (und von der gibt es in diesem Film wirklich massig, darunter auch einen besonders bizarren Mord), wirken die Flüge auf dem Hoverbike wie CGI-Experimente von Zehntklässlern. Das zweite Problem ist nicht minder irritierend und betrifft das Make-up von Joseph Gordon-Levitt. In allen Szenen, in denen er direkt mit Bruce Willis konfrontiert wird, hat man den 31-Jährigen so geschminkt, dass er Willis möglichst ähnlich sieht. Das geht fast nach hinten los, weil das Make-up mal dezenter, mal deutlicher aufgetragen wird und weil es ohnehin eher albern wirkt. Man kann sich zwar dran gewöhnen, aber die Transformation von Gordon-Levitt zu Willis hätte man eleganter andeuten können.

Doch genug gejammert. Wer diese beiden Probleme ausblenden kann, der wird mit LOOPER eine der Science-Fiction-Sensationen des Jahres zu sehen bekommen. Eine spannende Geschichte, ansprechend umgesetzt in einem Film, der modern und frisch wirkt und dem man Rian Johnsons Vorliebe für den Film noir immer wieder anmerkt. Selten war die Vorstellung einer düsteren Zukunft so überzeugend wie in diesem genialen Brett von einem Science-Fiction-Thriller. Unbedingt anschauen!











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