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LIVE FEED (Kanada 2006)

von Hasko Baumann

Original Titel. LIVE FEED
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. RYAN NICHOLSON
Drehbuch. RYAN NICHOLSON . ROY NICHOLSON
Musik. PATRICK COBLE
Kamera. SASHA POPOVE
Schnitt. VINCE D'AMATO
Darsteller. MIKE BENNETT . RANDY BIRD . GREG CHAN . STEPHEN CHANG u.a.

Review Datum. 2006-11-19
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Wer glaubt, die Xenophobie im amerikanischen Horrofilm habe mit HOSTEL ihren Höhepunkt erreicht, irrt gewaltig. Jetzt geht's erst richtig los. Nachdem man die eigenen Hinterwälder in der Tradition der 70er als Hort des Bösen reanimiert und in jeder erdenklichen Weise ausgelaugt hat, traut sich der US-Teenager nun nach draußen. Und da, oh weh, werden sie ja gar nicht überall lieb gehabt!

Was für HOSTEL Europa war, ist für Ryan Nicholsons LIVE FEED Asien. Eine Gruppe amerikanischer, partygeiler Twens, so doof wie laut, kann gar nicht fassen, wie durchgeknallt die Schlitzaugen doch sind. Da verhält es sich mit der Selbstkritik wie bei HOSTEL und Konsorten: Oh ja, wir sind schon ein bißchen blöde, aber wenigstens sind wir nicht krank!

Dementsprechend müssen die entsetzten Jungspunde gleich mit ansehen, wie ein kleiner Köter - die Art, die sich hirnfreie Idiotenikonen wie Paris Hilton neben das Handy in die Handtasche stecken - gemeuchelt wird. Und zwar, um was eßbares draus zu machen! Aber das geht doch nicht! Die Bigotterie Nicholsons kennt keine Grenzen: Das Schicksal der Töle muß man sich selber vorstellen, vom Hackepeter kriegt man nichts zu sehen. Mit der Gewalt gegen Menschen - besonders gegen Frauen - hat Nicholson dagegen überhaupt keine Probleme. Da geht einiges.

Zunächst aber wird ein Gangster zum kranken Fiesling hochgejazzt: Die brutale Folter eines Polizisten zeigt uns deutlich, wer hier nicht mehr alle an der Tanne hat. Zwischendurch werden immer mal wieder Aufnahmen einer Striptease-Tänzerin eingefügt, denn eine Blondine, die sich nackt bis auf die Stiefel über die Bühne robbt, hält schließlich bei Laune, wenn man doch sonst nichts zu erzählen hat.

In einem Akt unerklärlicher Naivität beschließen die vom Hundetod traumatisieren Boys und Girls, sich in einem ultraschmierigen Pornoschuppen zu verlustieren. Nach notdürftig absolvierten Sexszenen geraten sie pflichtschuldig in die Fänge des Bullenquälers und seiner Schergen. Das, was sie im Folgenden erleiden müssen, wird direkt auf die Leinwand des Pornokinos projiziert (und offenbar auch live geschnitten, was bei einer Kamera schon ziemlich beeindruckend ist).

LIVE FEED hat nicht den geringsten Unterhaltungswert. Der - extrem billige - Film ist gedanken- und ideenlos realisiert worden und vertraut auf seine Schockwirkung, da er mitunter durchaus in die Vollen geht. Einem Mädchen wird eine Glasröhre in den Mund gerammt, um eine Schlange hineinplumpsen zu lassen. Das Tier windet sich durch den geschunden Körper und wird vom Folterknecht durch einen ruppigen Schnitt unterhalb der Brust wieder an die Oberfläche entlassen. Einem anderen Mädchen, das sich zunächst minutenlang in Taufesseln (Bondage-Style) windet, wird in Großaufnahme die Brust zerstochen. Mir ist schon klar, daß derart ausgespielte, eindeutig sexuell konnotierte Gewalt genau den Gore-Misogynismus bedient, der entsprechende Splatterbauern schon jetzt im Internet nach der möglichst längsten Fassung suchen läßt.

"So hart war der doch jetzt gar nicht", höre ich die Geschmadder-Profis schon wieder unken. Nee, aber so schlecht. Aber wir bekommen alle die Filme, die wir verdienen.











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