AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
MEINUNGSMACHER

LAST RADIOSHOW (USA 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. A PRAIRIE HOME COMPANION
Laufzeit in Minuten. 103

Regie. ROBERT ALTMAN
Drehbuch. GARRISON KEILLOR
Musik. -
Kamera. EDWARD LACHMANN
Schnitt. JACOB CRAYCROFT
Darsteller. GARRISON KEILLOR . KEVIN KLINE . MERYL STREEP . LILY TOMLIN u.a.

Review Datum. 2006-12-20
Kinostart Deutschland. 2007-04-12

Die Country-Radiosendung A Prairie Home Companion, allwöchentlich live vor Publikum aufgezeichnet, soll nach 30 Jahren eingestellt werden. Noch hat sich unter der Belegschaft nicht ganz herumgesprochen, dass die gerade gestaltete Sendung die letzte sein soll. Aber der "Mann mit der Axt" (Tommy Lee Jones) ist bereits unterwegs und Sicherheitschef Guy Noir (Kevin Kline) kann seine Hoffnung nur noch in einen "rettenden Engel" (Virginia Madsen) setzen, die die Show vielleicht noch retten könnte.

Garrison Keillor leitet die wirkliche Radiosendung gleichen Namens seit Jahrzehnten. Einiges wurde für die Filmfassung geändert, nicht unbedingt zum Besseren. So ist Guy Noir im Radio lediglich eine Sketchfigur, die Adaptierung als "Sicherheitsbeauftragten" in der Rahmenhandlung macht schlichtweg keinen Sinn, ebenso wenig wie Madsens esoterischer Auftritt. Weit besser wäre es gewesen die beiden wie im Vorbild ein paar Sketches vorm Mikro darbieten zu lassen.
Die Handlung des Filmes ist ohnedies sehr dünn, er funktioniert weit eher als Echtzeitportrait einer Radiosendung. Geschickt wechselt er stets zwischen vor und hinter der Bühne, zwischen Showdarbietungen und kleinen Quengelein unter Familienmitgliedern und Kollegen. Überraschenderweise stimmt trotz hohen Dosen an Countrymusic (einen Gutteil machen aber auch witzige Werbesketches aus) das Tempo. Anders als in Altmanns Frühwerk NASHVILLE, der für Leute die dieser Musikrichtung weniger abgewinnen können, schlicht lähmend sein kann. Niemand wacht übrigens mit der Stopuhr über dem "Echtzeitkonzept", dies ist, ähnlich wie bei 12:08 ÖSTLICH VON BUKAREST aufgrund der Kontinuität eine Gefühlssache, zudem verstärkt durch den Übergang in der Tonspur beim Wechsel von Szenen "on air" und "backstage".

Die "Johnson Sisters" (Lily Tomlin und Meryl Streep, letztere mit Tochter Lindsay Lohan) treten eher durch ihre feinen Dialoge off stage hervor, die Lieder sind eher eintönig und vor allem von Streep, so gut sie auch hier wieder schauspielt, grauenvoll (leider selbst) gesungen.
Ganz anders jene der "Cowboys" Lefty (John C. Reilly) und Dusty (Woody Harrelson). In voller Showmontur (für's Livepublikum) treten sie auf, die Ironie wird durch ihre Liedtexte transportiert. John Wayne ist der bessere Cowboy, aber wir leben noch, was auch so seine Vorteile hat. Nachdem sie von der Regie für ein eher Saloon- statt Salon-fähiges Lied gescholten werden, drehen sie bei ihrer Abschiedsnummer mit gesungenen dreckigen Witzen nochmals so richtig auf. Auffällig dabei, dass Harrelson eher Reilly den Vortritt beim Singen lässt. Möglicherweise war er weit weniger überzeugt vom eigenen Gesangstalent als Mrs. Streep.
An den Hauptteil in Echtzeit wird noch ein kleiner Epilog in einem Diner angefügt, der zeitlich abgegrenzt leider nicht so ganz überzeugen mag. Es scheint, dass Keillor, wo immer er sich im Drehbuch von dem ihm vertrauten Metier der Radiosendung absetzt, Probleme hat, seine Linie zu finden. Zudem schafft es Lohan, die vorher in ihrer Rolle wenn auch nicht überwältigte, so doch überzeugte, hier als Karrieretussi schauspielerisch so übers Ziel zu schießen, dass es weh tut.

Im Kern ist es wieder ein Ensembledrama mit stark komödiantischem Einschlag geworden. Mehr eine Aneinanderkettung einzelner Situationen als eine durchgehend kohärente Handlung, worin Altmans Stärken liegen. Und in der Garantie einer opulenten Besetzung, die sein Name ähnlich wie bei Woody Allen quasi automatisch mit sich bringt. Wobei diesmal, abgesehen von Lily Tomlin vermehrt "neue" Stars zum Zug kamen, die noch nicht mit ihm gearbeitet haben. Zum wirklichen Klassiker á la THE PLAYER hat es wieder mal nicht gereicht, ein vergnüglicher Filmabend ist es aber definitiv geworden, wofür bei Altman im Allgemeinen auch nicht immer eine Garantie zu geben ist.











AFTER DARK Film TALK | Facebook | Twitter :: Datenschutzerklärung | Impressum :: version 1.11 »»» © 2004-2018 a.s.