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12:08 ÖSTLICH VON BUKAREST (Rumänien 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. A FOST SAU N-A FOST
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. CORNELIU PORUMBOIU
Drehbuch. CORNELIU PORUMBOIU
Musik. ROTARIA
Kamera. MARIUS PANDURU
Schnitt. ROXANA SZEL
Darsteller. MIRCEA ANDREESCU . TEO CORBAN . ION SAPDARU u.a.

Review Datum. 2006-11-18
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Am 22. Dezember 1989 beginnt der Diktator Ceau?escu mit dem Hubschrauber um 12:08 seine kurze Flucht aus Bukarest. Auch in einer Kleinstadt östlich der Hauptstadt gehen an diesem Tag Leute auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren.
Am 16. Jahrestag der Revolution lädt der Moderator eines Regionalsenders zwei Helden von damals ein, um im Studio über das historische Ereignis zu erzählen und telefonische Fragen zu beantworten. Doch schon bald wird dabei die Art der Revolution in dieser Stadt in Frage gestellt. War sie eine oder war sie keine? (So der übersetzte Originaltitel.) Entscheidend scheint dafür, ob sich die Menschen vor oder nach 12:08 am Rathausplatz versammelt haben, ob Ceau?escu also noch formal in Amt war oder nicht als die Demonstration begann.

Porumboius Langfilmdebüt, das dieses Jahr in Cannes die für Erstlingswerke reservierte Goldene Kamera bekam, lässt sich zunächst Zeit, die drei Hauptpersonen und ihr Umfeld zu portraitieren. Geschickt werden hier Verbindungen gelegt, die später im eigentlichen Hauptteil, der TV-Sendung, Wirkung zeigen. So ist der chinesische Wäschereibesitzer über den der eine Held von damals, ein ewig verschuldeter Geschichtslehrer, im Suff schimpft und den er nüchtern immer wieder anpumpt auch die Quelle der Silvesterkracher, die, in den Händen von Kindern, zum Ärgernis des zweiten Studiogastes wie des Gesprächleiters geworden sind, was sich im Telefonat witzig entlädt. Auch auf den Umstand, dass die rumänischen Kids heute weit lieber über die französische Revolution Aufsätze schreiben wollen, wird wiederholt zurückgegriffen.

Die eigentliche Sendung wird dabei recht eintönig inszeniert. Der Reporter scheint auch auf konservative Sachlichkeit in seinen Sendungen zu bestehen. Den Kameramann und die lokale Trachtentruppe die für die Weihnachtssendung eine Musiknummer aufzeichnen weist er barsch in die Schranken. Ihn wegen des Einsatzes der Handkamera, sie, weil sie lateinamerikanische statt traditionell rumänische Töne angestimmt hat. Trotzdem wird kein Wert darauf gelegt, dies als "authentische" Reproduktion der Sendung im Film darzustellen. Die Sendung wird scheinbar von einem Mann mit einer billigen Videokamera gefilmt. Trotzdem wurde durchgehend auf Film gedreht, es gibt Schnitte zwischen Einstellungen, die alle drei Gesprächsteilnehmer erfassen und Nahaufnahmen und der Moderator übernimmt sogar kurz mal mittels verbaler Anweisung die "Bildregie".
Dieser "Mangel an Realismus" spielt aber keine Rolle. "Wahrhaftig" wirkt diese kleine, sympathische Komödie auf einer anderen Ebene. Vor allem mit ihren wirklich liebe- und humorvoll gestalteten Dialogen, aber auch in kleinen wie großen Gesten, die etwa zeigen, wenn sich ein Gesprächsteilnehmer langweilt. Man mag zurecht vorwerfen, dass der Film, einmal mit der Diskussionsrunde begonnen, die Möglichkeiten des Kinos sträflich vernachlässigt; unterhaltsam, und noch dazu auf intelligente Weise, ist das dennoch.











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