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DER KAUFHAUS COP (USA 2009)

von Martin Eberle

Original Titel. PAUL BLART: MALL COP
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. STEVE CARR
Drehbuch. KEVIN JAMES . NICK BAKAY
Musik. WADDY WACHTEL
Kamera. RUSS T. ALSOBROOK
Schnitt. JEFF FREEMAN
Darsteller. KEVIN JAMES . KEIR O' DONNELL . JAYMA MAYS . RAINI RODRIGUEZ u.a.

Review Datum. 2009-03-12
Kinostart Deutschland. 2009-03-26

DER KAUFHAUS COP ist als Komödie gedacht. Das Ganze sieht auch erst mal so aus: ein dicker Wachschutzmann (Kevin James), der durch eine Mall in New Jersey rollt, mit einem Segway, ein Zweiradscooter für Gehfaule. Ausserdem ist dieser Wachschutzmann wahnsinnig dick. So dick, dass er seinen Lebenstraum, ein echter Polizist zu werden, immer wieder, gerne kurz vor der Ziellinie, versemmelt. Durch Zuckermangel beim Aufnahmetest zusammengebrochen. So flüchtet sich Paul Barf, Verzeihung, Paul Blart in eine imaginierte Wichtigkeit als Blockwart seiner Mall und in fetthaltige Speisen am heimischen Esstisch.

Sein Leben ist voller Demütigungen, die aus dem Missverhältnis seines Anspruchs aus dem Job und der traurigen Realität resultiert. Kinder, Rentner, eigentlich jeder Besucher oder Mitarbeiter der Mall demütigt diesen Mann, falls er es mal nicht selber tut. Blarts großer Moment soll aber noch kommen. Eine Gang sportlicher Ganoven (BMX-Fahrer, Skater, Schmalspur-Parcouristen, ein, ähem, lustiger Akzent zur Unsportlichkeit des Fatman) planen einen Kaufhausraub und nehmen eine handvoll Geiseln, um mit dem letzten Vertreter von Recht und Ordnung konfrontiert zu werden.

Als Komödie funktioniert das alles nicht. Ständige Erniedrigungen und Beleidigungen sind eigentlich nur bedingt lustig, vor allem, wenn nur auf das Körpervolumen abgehoben wird, und was hier als Slapstick geboten wird, dürfte sogar Dieter Hallervorden oder Mike Krüger die Schamesröte ins Gesicht treiben. Umfallen, weil fett, irgendwo gegen fahren, weil fett, sich ungeschickt durch die Gegend rollen, weil fett, alles ohne Dramaturgie oder Witz, nein, DER KAUFHAUS COP ist alles andere als komisch. Er ist allerdings das Dokument einer zutiefst verunsicherten Variante der US-amerikanischen Männlichkeit, die sich mittels lautem Pfeifen im Wald einzureden versucht, es wäre immer noch ok, so zu sein, wie man als Mann nun mal so ist. Also regressiv, egoistisch, dumm und trotzdem liebenswert.

Die Realität sieht anders aus. Frauen dürfen mittlerweile wählen, bekleiden manchmal sogar politische Posten und erwarten zudem oft von ihren Lebenspartnern mehr, als nur die Couchkissen zu befurzen und neues Dosenbier zu ordern. So muss man den KAUFHAUS COP als Balsam auf die waidwunde Seele all der fetten und/oder ignoranten und/oder selbstsüchtigen Männer verstehen, die die Vertreibung aus dem Neandertal immer noch nicht verwunden haben. DER KAUFHAUS COP bildet diese Ideologie wie unter einer Lupe ab. Blart lässt sich von seiner Mutter bedienen, sie trägt, wider besseren Wissens all die Fettspender auf, die sich Sohnemann wünscht und die ihm die Schutzschicht vor der echten Welt liefern. Und er ist ein Unsympath. Er stalkt eine Frau, ungeschickt, in seiner Mitleid heischenden Art jämmerlich und gleichzeitig bedrohlich, die zu schön und zu klug für ihn ist, und ergattert sie am Ende als Mann der Stunde dann doch. Ein American Hero, der seine kleine, enge, verpiefte Welt ins Happy End retten kann.

Nicht minder widerwärtig ist der lakonische Rassismus, der sich durch den Film zieht. Der hilfreiche Inder wird zu einer Witzfigur gemacht. Eine exotische Knallcharge mit fiesem Akzent, die gerade mal als Assistent aus der Ferne in radebrechendem englisch Stichworte liefern darf. Noch niederträchtiger ist nur noch die Darstellung der Mutter von Blarts Tochter. Sie ist nur noch auf einem Foto anwesend, noch fetter als er selbst, und hat sich, eine Immigrantin, nach Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung aus dem Staub gemacht. Selten wurde so im Vorbeigehen in den amerikanischen melting pot gepisst.

Kevin James hat sich als KING OF QUEENS auch als großes, egoistisches Kind dargestellt. Aber er hatte einen Widerpart, seine Frau, die nicht minder selbstsüchtig und manipulativ agierte. Zudem haben sich beide selbst zur Disposition gestellt und oft genug den Scherbenhaufen, den sie angerichtet haben, eigenhändig wieder aufgekehrt. Seitdem sich James allerdings mit dem anderen großen Kind der amerikanische Unterhaltungsindustrie zusammen getan hat, mit Adam Sandler und seiner Produktionsfirma Happy Madison, ist der Charme der Selbstdecouvrage dem stumpfen Ressentiment gewichen. DER KAUFHAUS COP ist keine augenzwinkernde Komödie, das hier ist ein reaktionärer Restaurationsversuch, der noch dazu jedweges handwerkliches Können vermissen lässt. Der König ist tot. Mausetot. Es lebe alles andere, bloß nicht dieser Dreck.











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