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KARATE-ROBO ZABORGAR (Japan 2011)

von Alexander Karenovics

Original Titel. DENJIN ZABOGA: GEKIJO-BAN
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. NOBORU IGUCHI
Drehbuch. NOBORU IGUCHI
Musik. YASUHIKO FUKUDA
Kamera. YASUTAKA NAGANO
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. YASUHISA FURUHARA . ITSUJI ITAO . MAMI YAMASAKI . ASAMI . CAY IZUMI . AKIRA EMOTO u.a.

Review Datum. 2011-05-09
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Für die einen ist es Trash, für andere Iguchis bislang beste Arbeit. Nun war Noboru Iguchi bis dato nicht gerade ein Synonym für den besonders wertvollen Film und auch KARATE-ROBO ZABORGAR ist weit von dem entfernt, was DER HERR DER RINGE für Peter Jackson war; zwar markiert der Film quasi eine Abkehr vom bluttriefenden Nerd-Fanservice hin zum Mainstream-tauglichen Superhelden-Genre der Marke ULTRAMAN und KAMEN RIDER, seine kindischen Trademarks (Furz-Raketen und phallische Architektur) sind jedoch weiterhin präsent, allerdings nicht mehr als primärer Handlungsmotor. Das ist schön, so erst konnte er nämlich für die Altersgenossen in seinem Heimatland eine sympathische wie rasante Reminiszenz an die Serie schaffen, welche in den 70er Jahren über Japans TV-Schirme flimmerte und die Blaupause für die später auch international erfolgreiche TRANSFORMERS-Hysterie lieferte.

Yutaka Daimon ist ein wohltätiger, sittsamer Superheld; so ein gutes Herz schlägt in seiner Brust, daß er hin und wieder sogar die Nr.1- Häscherin seiner Nemesis Dr. Akunomiya, Miss Borg, aus tödlicher Gefahr rettet. Korrupte Politiker bekommen seinen Justice Strike zu spüren, und Frauen schlagen, selbst wenn diese ihn aus nächster Nähe mit letalen Waffen beharken, ist sowieso ein No-Go. Ihm zur Seite steht Zaborgar, sein zum Roboter umgewandelter Bruder und bester Freund. Zaborgar kann fliegen, Muay Thai Kung-Fu, sich in ein Motorrad verwandeln, einen Überwachungs-Hubschrauber aus seinem Kopf starten und Projektile aus der Brust abfeuern. Und wenn er traurig ist, weint er auch schonmal. Außerdem kann er Karate, aber das kann hier eigentlich jeder; sind ja schließlich die 70er, da gehört das zum kleinen 1-mal-1.

Mit etwas über einer Million Dollar mußte Iguchi auskommen; das ist ein Vielfaches des Budgets seiner vorherigen Werke und der Tagesverdienst von Michael Bays Laufburschen, der ihn mit frischem Kaffee und Donuts versorgt; um die 70er originalgetreu nachzustellen reicht das leider nicht, so spiegelt sich der Zeitgeist auch primär in den sexy Haarmatten den Jungs und stylishen Sonnenbrillen; der neu eingespielte Soundtrack leistet sein Übriges. Gekämpft wird in Kiesgruben, Lagerhallen und Hinterhöfen. Erst wenn man sich Ausschnitte der TV-Serie anschaut, welche den Abspann schmücken, wird man gewahr, wie sehr dem Geist des Originals das Remake dann doch verpflichtet war. Selbstverständlich gibt es noch viel zu viel CGI, die Maske, die Outfits, die teuflische Maschinerie des bösen Dr. Akunomiya (ein Bulldoggen-Lastwagen mit Armen) überzeugen jedoch mit handgeschnitztem Charme, für einige Explosionen (nicht alle) haben sich sogar Pyrotechniker die Hände schmutzig gemacht. Das ist ein großer Schritt nach vorne, für Iguchi dürfte das sogar Premiere sein. Computer-Effekte haben ein paar zusätzliche glättende Arbeitsschritte in der Postproduktion erfahren, und Blitze und energetische Aufladungen gab es in dieser Form früher auch schon.

Die Story funktioniert auf ihre ganz eigene, bescheuerte Art prächtig: Iguchi nimmt das Setting ernst, seine Helden rezitieren Dialoge von entwaffnend naivem Pathos. In der zweiten Hälfte entfernt er sich dann von der Vorlage, springt 25 Jahre in die Zukunft und läßt seine gealterten Kontrahenten erneut aufeinander prallen, was Raum für allerlei spekulativen Schabernack schafft: was wäre, wenn die Helden unserer Kindheit in Rente gehen? Die Gelenke knacken, der Rücken schmerzt, aber das Böse schläft nicht, Zeit also, ein letztes Mal aufs Schlachtfeld zu ziehen und alte Rechnungen zu begleichen. Zeit verschwenden tut Iguchi nicht: KARATE-ROBO ZABORGAR legt ein irrwitziges Tempo vor und verliert auch in der zweiten Hälfte selten an Schub; Konflikte werden nicht ausdiskutiert sondern ausgefochten, eine putzige Liebesgeschichte bringt zusätzlich willkommene Komplikationen. Hier und da sprüht das Blut ein bißchen, der Regisseur läßt sich in der Eingangs-Sequenz gar selbst das Gesicht demolieren, sonderlich graphisch geht es dabei aber nicht zur Sache - ein Glück: ein weiteres Gore-Spektakel der Marke MACHINE GIRL hätte der Film nicht überlebt, stände zudem im krassen Widerspruch mit der verspielten, unschuldigen Machart der TV-Vorlage. Dank gebührt hier ausnahmsweise den Produzenten: im anschließenden Q&A sprach Iguchi über Ideen, welche es nicht in den fertigen Film geschafft haben: eine Sex-Szene zwischen Daimon und Miss Borg, Zaborgar schraubt einem weiblichen Roboter an den Nippeln herum, etc. Wer Noboru Iguchi in erster Linie für seinen prä-pubertären Ideenreichtum schätzte, geht jedoch nicht vollends leer aus: wenn Zaborgar gegen Diarrhea-Bot kämpft, und im Finale ein gigantisches Kaiju-Schulmädchen (statt, wie im Original, "nur" einer weiteren langweiligen Menschmaschine) Hochhäuser demoliert, ist alles wie gehabt, läuft jedoch überraschend rund, da dank kunterbunter Charaktere und mannigfaltiger Interessengruppen ein Story-Gerüst etabliert wurde, welches nicht beim ersten Ansturm aufreizend gekleideter Bikini-Mädels, denen Saurierköpfe aus den Hinterteilen wachsen, zerbröselt.

Gestern noch führte Kollege Nishimura das Szepter für die unterhaltsamsten Trash-Epen der Sushi Typhoon-Fabrik, KARATE-ROBO ZABORGAR huldigt jedoch derart liebevoll, stimmig und detailfreudig nostalgischen Erinnerungen, daß diesmal der Punkt für den flottesten Home-Run des jungen, wilden japanischen Kinos an Noboru Iguchi geht. Gelernt hat er viel, erwachsen geworden ist er dabei aber kein bißchen - vielleicht auch besser so: solange sein Ideen-Pool nicht versiegt und ihm die mittlerweile vertrauten Gesichter (sowohl vor als auch hinter der Kamera) weiterhin treu zur Seite stehen, ist es immer noch unbeirrtes Engagement (und dann erst Geld), welche einem Projekt die verdiente Anerkennung zukommen lassen. Noboru Iguchi muß keinen guten Film drehen - er muß einfach nur das Gefühl vermitteln, mit den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen alles gegeben zu haben.











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