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JUSTICE LEAGUE (USA 2017)

von Andreas Günther

Original Titel. JUSTICE LEAGUE
Laufzeit in Minuten. 120

Regie. ZACK SNYDER
Drehbuch. CHRIS TERRIO . JOSS WHEDON
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. FABIAN WAGNER
Schnitt. DAVID BRENNER
Darsteller. BEN AFFLECK . GAL GADOT . HENRY CAVILL . AMY ADAMS u.a.

Review Datum. 2017-11-19
Kinostart Deutschland. 2017-11-16

Die JUSTICE LEAGUE bildet eine Gilde von Superhohlkörpern. Nicht das Streben nach Gerechtigkeit treibt die Heroen von DC Comics und Warner an, sondern die sehr künstlich eingehauchte Flamme des Hasses. Diese mag sich manchmal gegen das Böse richten. Meist jedoch lodert sie amorph, um der Zerstörung als Selbstzweck willen. Das ist ein schlimmer Rückschritt in die Orientierungslosigkeit von BATMAN VS. SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE.

Regisseurin Patty Jenkins, Autor Allan Heinberg und Hauptdarstellerin Gal Gadot sorgten mit WONDER WOMAN für eine erfrischende Brise in Zack Snyders Superheldenzyklus. Nichtd weniger als die Zivilisationsgeschichte insgesamt stand darin aus historischem Anlass der Rückkehr in die Zeit des Ersten Welktkriegs in Frage. Die Mühsal - um nicht zu sagen: Sysiphus-Arbeit - des Kampfes für das Gute um jedes einzelne Menschenleben hat respekteinflößende Würde und Ernst zurückgewonnen, ohne sich dem mit Bitterkeit versetzten humorvollen Blick auf die Beschränktheiten der vermeintlichen Krone der Schöpfung zu verweigern. JUSTICE LEAGUE entströmt demgegenüber die abgestandenen Ideen aus Zack Snyders ungelüftetem Oberstübchen. Die ließen schon BATMAN VS. SUPERMAN krampfhaft martialisch bis zur Lächerlichkeit und zum emotionalen Flachwurzler missraten. Ganz vorn rangiert dabei die unerklärliche Obsession einer tiefen Feindschaft zwischen Batman und Superman, die kalt lässt, weil ihr Plausibilität fehlt. Welchen Beitrag ein pfiffiger Kopf wie Joss Whedon zum Drehbuch geleistet haben könnte, ist nicht wahrnehmbar.

An einem der wenigen Aktivposten von BATMAN VS. SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE hätte JUSTICE LEAGUEanknüpfen können: Am überkandidelten, der Errichtung einer Satansherrschaft verpflichteten, Technologiemogul Lex Luther (Jesse Eisenberg). Doch es musste ein neuer alter Bösewicht her, Steppenwolf, der tausende Jahre alte, kriegerische Unhold mit den nach unten gedrehten, hornartigen Applikationen am Helm. "Captain America"-Erfinder Jack Kirby erschuf Steppenwolf 1972 und verwendete ihn für mythologische Rückblicke. Zu größerer Prominenz gelangte er in den DC-Comcis seit den 2010er Jahren als Kontrahent von Superman, Batman und Woder Woman bzw. der "Justice League". Da steigt JUSTICE LEAGUE ein.

Steppenwolf (gesprochen von Ciarán Hinds) will die Welt ins ewige Dunkel stoßen. Dafür trachtet er nach den drei "Mutterkisten", "mother boxes" im Original, die eine unbesiegbare Kraft ausüben, wenn jemand sie miteinander kombiniert. Die erste entreißt Steppenwolf den Amazonen, die zweite den Einwohnern von Atlantis, die dritte spürt er unter einem nordrussischen Atomkraftwerk auf. Ins verbrecherische Handwerk pfuschen wollen ihm Batman (Ben Affleck) alias Bruce Wayne und Wonder Woman alias Diana Prince (Gal Gadot). Sie erweitern ihr Team um Aquaman Arthur Curry (Jason Momoa) und die Jungspunde The Flash Barry Allen (Ezra Miller) sowie Cyborg Victor Stone (Ray Fisher). Der verstorbene Superman Clark Kent (Henry Cavill) ist für die Wiederbelebung vorgesehen.

Die Wunder der Mutterkisten genauer zu egründen, wäre zweifellos ein fesselndes filmisches Abenteuer voller Magie geworden. Der DC-Comics-Mythologie zufolge können diese Artefakte Graviationsverhältnisse verändern, Energie transportieren, Leben und Gefahr erkennen, Kraftfelder ertzeugen, Wunden heilen, telepathische Kommunikation herstellen, und so weiter, und so weiter. Doch in JUSTICE LEAGUE erfüllen sie eigentlich nur die Funktion eines McGuffin im Sinne Hitchcocks, dienen zu kaum mehr als der Entfesslung einer globalen Rettungsaktion. Genau genommen zu weniger.

Sie liefern in einer überdehnten, zähen Exposition den Vorwand für Nabelschau und Streitigkeiten der auserkorenen Helden. Aquaman darf sein Machismo gegenüber Diana Prince peinlich sein. The Flash und Cyborg sind nur schwer davon abzubringen, ihren Gram zu Groll versteinern zu lassen - der eine, weil das Schicksal ihn in seinen Augen zu einem monströsen Halbwesen gemacht hat, der andere, weil sein Vater unschuldig im Knast sitzt. Wohl aus Eifersucht macht Batman, den Affleck kantig und stoffelig in der Szenerie herumstehen lässt, eine pietätlose Bemerkung über Dianas gefallenen Geliebten Steve Trevor und fängt dafür von ihr eine ein. Superman indes entpuppt sich als Bedrohung für sie alle.

Die eigentliche Aufgabe, Steppenwolf zu bezwingen, gerät zur Nebensache. Wie eine lästige Beschwernis nuschelt Steppenwolf denn auch seinen finsteren Plan aus dem Mundwinkel herunter. Hektische Schlachtgemälde und Scharmützelskizzen der Attacken seiner gefiderten Heerscharen zucken über die Leinwand. Abgeschlachtetwerden, Trauern und Neuehoffnungschöpfen seiner Opfer vollziehen sich im Eiltempo. Notwendig ist Steppenwolf dennoch, nämlich als Zielscheibe für die hasserfüllten Aggressionen, die die Superhelden sonst gegen sich selbst oder gegeneinander richten würden. Steppenwolfs Vernichtung rechtfertigt jeden Furor und jede Grausamkeit. Wie glühende Dolche dringen Supermans Blicke in den Gegner ein. Bei allen Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, gleicht die Auslöschung des Finsterlings doch einem Fest, dem johlend, frotzelnd und scherzend gefrönt wird.

Wieviel Gewaltverherrlichung darin stecken kann, dazu fehlt es JUSTICE LEAGUE an immanenter Reflexion, die dringend notwendig wäre. Frei nach René Girard entpuppt sich das Böse als herabgewürdigt zu jenem Sündenbock, der geopfert wird, um die Gemeinschaft zu konstituieren und ihr Reinheit vorzugaukeln. Nichts ist mehr übrig von der irritierenden Verschwisterung des Lichts und des Dunkels, dem unentwirrbaren Knäuel menschlicher Schuld und dem Zweifel von Gewalt als Durchsetzungsmittel der eigenen Mission, der titanischen Konfrontation und der unendlichen Entfaltung der Konfliktebenen, zu denen WONDER WOMAN vorgedrungen ist. JUSTICE LEAGUE nimmt sich dagegen wie eine pubertäre Regression aus.

So gibt die Wonder Woman auch den Maßstab ab, an dem die Verfehlung feststellbar wird. Wie sie einen Bankraub durchkreuzt und die Geiseln vor den Kugeln der Verbrecher bewahrt, gehört noch zum Ergreifendsten von JUSTICE LEAGUE. Dass sie den entscheidenden Streich gegen Steppenwolf führen darf, ist eine Art Kompensation für ihre Eingemeindung in das Bubenstück. In seltsamer Analogie zum Steppenwolf spielt Gadot aus dem Mundwinkel. Dort krampft sich das Lächeln ein, mit dem sie das unreife Gehabe ihrer männlichen Entourage quittiert und gleichzeitig akzeptiert. Ganz ohne deutliche Worte geht es allerdings nicht. An die vierte Wand des Spektakels, an das Publikum adressiert, seufzt sie: "Kinder. Ich arbeite mit Kindern." Wie wenig Vertrauen Zack Snyder und sein Team zu ihrer kindlichen Kreativität haben, zeigt der Umstand, dass nach dem Abspann doch noch Lex Luther eingreifen muss.











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