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DER JA-SAGER (USA 2008)

von Marc Zeller

Original Titel. YES MAN
Laufzeit in Minuten. 104

Regie. PEYTON REED
Drehbuch. NICHOLAS STOLLER . JARRAD PAUL . ANDREW MOGEL
Musik. LYLE WORKMAN . MARK OLIVER EVERETT
Kamera. ROBERT YEOMAN
Schnitt. CRAIG ALPERT
Darsteller. JIM CARREY . ZOOEY DESCHANEL . BRADLEY COOPER . TERENCE STAMP u.a.

Review Datum. 2009-02-12
Kinostart Deutschland. 2009-02-19

Was für ein Timing: Gerade noch setzt der frischgebackene US-Präsident Obama im Wahlkampf dem kollektiven "Och, nö" ein dröhnendes "Yes, we can!" entgegen, und schon kurz darauf kommt ein Film zum zustimmenden Wörtchen in die Kinos. Kurz gesagt geht das so: Während Ewan McGregor als Mark Renton in TRAINSPOTTING zum "Ja" sagen "Nein" sagte, geht Jim Carrey in DER JA-SAGER den entgegengesetzten Weg: Er sagt Ja zu ... na ja, zu allem.

Etwas detaillierter ausgeführt sieht die Handlung des Films so aus: Carl Allen (Carrey) ist nach seiner Scheidung vor drei Jahren ein richtig lustloses Früchtchen geworden. Er geht nicht auf Parties und hängt lieber zu Hause vor dem Fernseher rum, anstatt mit seinen Freunden auf Tour zu gehen. Er behält seinen frustrierenden Job in einem Kreditinstitut, obwohl er mit mehr Engagement längst eine große Nummer im Geschäft sein könnte. Und natürlich verabredet er sich nicht mit Frauen, sondern ruft stattdessen dauernd seine Verflossene an, die bereits mit einem anderen Mann liiert ist. Ein Schulfreund überredet Carl schließlich dazu, an einem Workshop von Motivationsguru Terrence Bradley (Terence Stamp) teilzunehmen. Dort geht der notorische Nein-Sager zunächst widerwillig eine Verpflichtung ein, die sein ganzes Leben umkrempeln wird: Er verspricht, bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet, künftig mit Ja zu antworten. In der Folge lernt Carl nicht nur eine neue Liebe (Zooey Deschanel) kennen, sondern gerät auch in allerlei abstruse Situationen, die das Leben eben parat hat, wenn man wirklich allem zustimmt...

Angesichts der gebotenen Storyline könnten skeptische Naturen bereits im Vorfeld den tiefsten Naivitätsabgrund auf sich zukommen sehen. Glücklicherweise dürfen auch diejenigen, die derartige Befürchtungen hegen, sich entspannen: Das hätte ins Auge gehen können, ist es aber nicht. Peyton Reed (GIRLS UNITED, TRENNUNG MIT HINDERNISSEN) ist mit seiner neuesten Regiearbeit eine erstaunlich humorvolle Abhandlung über die Gratwanderung zwischen blankem Zynismus und schrecklich einfältiger Say yes!-Mentalität gelungen – und damit ein im besten Sinne unterhaltsamer Film. Den Spaß bezieht die Komödie mehr aus schräger Situationskomik und wiederkehrenden Running Gags denn aus plattem Slapstick oder Niveaulosigkeiten. Man muß einen Film, der sich nicht ausnahmslos in Pinkel- und Furzwitzchen ergeht, nicht gleich anspruchsvoll nennen; zumindest als gehoben darf man den Humor, der sich weitgehend über der Gürtellinie bewegt und meist sogar im Schulterbereich tummelt, aber guten Gewissens bezeichnen. Einziger Wermutstropfen in dieser Hinsicht ist eine geschmacksverirrte Szene, die vage angedeutet etwas mit dem Sexualleben von alten Frauen ohne Gebiss zu tun hat. Diesen geistlosen Tiefschlag hätte DER JA-SAGER gar nicht nötig gehabt, was die Existenz der Episode umso sinnloser macht.

Über die Schauspieler lässt sich viel Positives berichten. Jim Carrey spielt mit vollem Einsatz und ist nur gelegentlich hin- und hergerissen zwischen den albernen Gummigesicht-Eskapaden von Filmen wie ACE VENTURA und den ernsthaften – und besseren – Darstellungen seiner jüngeren Werke. Die zauberhafte Zooey Deschanel hatte man nach M. Night Shyamalans Gammelkäse THE HAPPENING schon wieder in der Versenkung verschwinden sehen, doch mit diesem verschrobenen und sympathischen Auftritt könnte sie sich selbst wieder herausziehen. Überhaupt lebt der Film von der Chemie zwischen beiden Hauptdarstellern, so wie auch die Handlung von den beiden Protagonisten, die beide nach einem Halt im Leben suchen und vielleicht finden, getragen wird. Sie sagen Ja zu sich, und was sie zwischen Herzschmerz und irre komischen Momenten erleben, wirkt nur selten kitschig oder verklärt.

Zumindest zu einem sagt Reeds Komödie letztlich doch sehr deutlich Nein: Zu extremen Positionen. Damit rückt DER JA-SAGER angenehm von der ursprünglich propagierten, einseitigen Philosophie ab und zeigt, dass weder ständiges Bejahen noch dauerndes Verneinen der richtige Weg sein kann. Vielleicht braucht es für diese Erkenntnis weder Jim Carrey noch diesen Film, sondern einfach nur gesunden Menschenverstand. Vielleicht ist diese Aussage in einer Zeit, in der immer mehr Menschen immer gefährlicheren Sekten und Möchtegern-Weltveränderern verfallen, auch dringend notwendig. Auf jeden Fall aber – und das sollte in diesem Genre vorerst genügen – ist der Film für einen amüsanten Kinoabend unter Freunden oder in trauter Zweisamkeit wie geschaffen. Und falls danach die Frage aufkommen sollte, ob man sich bald mal wieder trifft, ist die Antwort auch schon klar: Man kann nie wissen, was man sonst verpasst.











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