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JACK REACHER (USA 2012)

von Benjamin Hahn

Original Titel. JACK REACHER
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. CHRISTOPHER MCQUARRIE
Drehbuch. CHRISTOPHER MCQUARRIE
Musik. JOE KRAEMER
Kamera. CALEB DESCHANEL
Schnitt. KEVIN STITT . STEPHEN M. RICKERT JR.
Darsteller. TOM CRUISE . ROSAMUND PIKES . RICHARD JENKINS . WERNER HERZOG u.a.

Review Datum. 2012-12-23
Kinostart Deutschland. 2013-01-03

Manchmal ist es klug mit dem Fazit zu beginnen, weil man über einen Film nichts besseres zu sagen weiß als eben dieses Fazit und man mit allem Gebrabbel drumherum nur versucht, dieses Fazit irgendwie zu rechtfertigen. In diesem Sinne kommen wir nun zu dem Satz, der eigentlich erst am Ende dieses Textes stehen sollte: JACK REACHER ist ein merkwürdiger Film.

Der Krimi mit Tom Cruise in der Hauptrolle startet als nüchtern fotografierter Thriller über einen Killer, der wahllos fünf Menschen erschießt. Während seiner Vernehmung lässt sich der Killer nur zu drei kurzen Worten herab: "Get Jack Reacher". Und während der ermittelnde Polizist und der Staatsanwalt noch darüber rätseln, wer dieser mysteriöse Jack Reacher sein soll, steht dieser bereits in Tür. Nein, nicht sprichwörtlich, sondern buchstäblich.

Dieser Auftritt hat - wie sich später bewahrheiten soll - tatsächlich einen gewollt humorigen Unterton. Denn irgendjemand muss Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie gesagt haben, dass man Geschichten von einsamen Wölfen, die haufenweise böse Menschen umbringen, nicht mehr mit seriösem Pathos, sondern mit einem Augenzwinkern erzählt. Und damit auch jeder noch so Testosteron besoffene Affe kapiert, dass das hier absolut nicht todernst gemeint ist, kommt McQuarrie mit einem Humorknüppel daher, der Fips Asmussen wie den Meister des subtilen Herrenwitzes erscheinen lässt.

Gut, zugegeben: Das ist etwas übertrieben, aber die schlagartigen Tonart-Wechsel, mit denen der Film zwischen düsterer Verschwörung und 80er-Jahre-Action-Komödie hin- und herspringt, lassen sich einfach nicht anders beschreiben. Eine Mitschuld an diesem Ernst/Ironie-Dilemma trägt Werner Herzog. Ja, richtig: DER Werner Herzog. Der deutsche Regisseur spielt in JACK REACHER einen psychopathischen Gangster, der mit stoischer Ruhe vom grotesken Verlust seiner Finger erzählt. Er macht das keineswegs schlecht, aber sein einschüchternder Gangster dürfte nur auf Zuschauer Eindruck machen, die nichts mit dem Namen Werner Herzog anfangen können. Weiß man jedoch um seine Person, seine Art und sein filmisches Schaffen, dann überlagert seine reale Persona sofort seine Rolle. Es ist eben schwer ihm den Psycho-Gangster noch abzunehmen, wenn man in seinem Spiel nur noch eine einzige Verbeugung vor Klaus Kinski erkennt. Deutlich besser hat es da Tom Cruise, der nach seiner selbstironischen Rolle in ROCK OF AGES endlich wieder den harten Kerl und Actionstar markieren darf. Daran hat er sichtlich Spaß, auch wenn sein Charakter ihm dieses Mal nur wenige Spielraum für sein schauspielerisches Talent lässt.

Auch dramaturgisch ist JACK REACHER kein in sich kohärenter Film: Viel zu oft dümpelt der Film im seichten Wasser der Pseudo-Psychologisierung vor sich hin, um sich viel zu selten mal aus seiner allzu ruhigen Erzählweise zu lösen. Immerhin: Wenn was passiert, dann ist es durchaus schön inszeniert. Ein gutes Beispiel dafür ist eine sehr bodenständige Verfolgungsjagd durch das nächtliche Pittsburgh, die zwar noch nicht vollends realistisch ist, aber immerhin wenig mit den sonst üblichen, dank Explosionen kilometerweit durch die Luft fliegenden Autos gemein hat. Diesen sehr wohltuenden Momenten stehen dann aber immer wieder dumme Klischees gegenüber, bei denen McQuarrie leider auch nicht auffällt, dass er sie leicht hätte ironisch brechen können.

So muss man als Zuschauer dann auch vollkommen tatenlos dabei zusehen, wie der Film allen Ernstes einen typischen Macho-Helden porträtiert, dem alle Frauen zu Füßen liegen und der uns im Faustkampf seine Männlichkeit beweist, dabei aber mit einer aufgesetzten Coolness agiert, ständig ein vermeintlich ironisches Lächeln auf den Lippen hat und zudem auch noch ein Superhirn vom Schlage eines Sherlock Holmes zu haben scheint. Das geht vielleicht in der Romanvorlage von Lee Child noch auf, im Film aber funktioniert dieser aus der Zeit gefallene Macho-Held überhaupt nicht mehr, weil der Film mit so einem Kerl nichts anzufangen weiß.

JACK REACHER ist ein merkwürdiger Film, weil er sich ständig unsicher ist, welche Abbiegung er denn jetzt nehmen soll. Tougher Actioner mit Liebesgeplänkel, Einsamer-Wolf-Heldenepos oder doch lieber Komödie mit Thriller-Hintergrund? So mäandert sich JACK REACHER von Genre zu Genre, ist nirgendwo wirklich zuhause und hat damit immerhin eines gemein mit seinem Helden. Einen guten Film macht das nicht aus. Wem aber ein Mindestmaß an Unterhaltung ausreicht und wer sich 130 Minuten lang immerhin noch solide unterhalten lassen will, der darf gerne einen Blick riskieren.











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