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ROCK OF AGES (USA 2012)

von Benjamin Hahn

Original Titel. ROCK OF AGES
Laufzeit in Minuten. 123

Regie. ADAM SHANKMAN
Drehbuch. JUSTIN THEROUX . CHRIS D'ARIENZO . ALLAN LOEB
Musik. diverse
Kamera. BOJAN BAZELLI
Schnitt. EMMA E. HICKCOX
Darsteller. JULIANNE HOUGH . DIEGO BONETA . ALEC BALDWIN . TOM CRUISE u.a.

Review Datum. 2012-06-13
Kinostart Deutschland. 2012-06-14

Es ist das Jahr 1987: Die junge Sherri (Julianne Hough) zieht aus ihrer Kleinstadt weg nach Los Angeles, um dort ihren Traum von einer Karriere als Sängerin zu erfüllen. Dort trifft sie auf Drew (Diego Boneta), einen erfolglosen Sänger, der als Kellner im Musikclub The Bourbon Room arbeitet, dessen Chef, Dennis Dupree (Alec Baldwin), den ziemlich in den Miesen stehenden Laden mittels eines Auftritts des Rocksängers Stacee Jaxx (Tom Cruise) retten will.

Föhnfrisuren, Nietengürtel, enge Lederhosen, Hard Rock und Glam Metal: Herzlich willkommen zum verdammt nochmal unterhaltsamsten Film des Jahres. Ja, ernsthaft: Vielleicht ist ROCK OF AGES in inhaltlicher Hinsicht eine grauenhaft unterentwickelte Gurke, vielleicht ist es schon geradezu beleidigend für den Begriff "Film", zählte man dieses Leinwandmusical zu seinesgleichen und vielleicht wird sich hier jeder peinlich berührt abwenden, der auch sonst Def Leppard oder Journey nicht abfeiern kann (selbst nicht mittels der vielfach beschworenen ironischen Distanz), alle anderen aber dürfen sich einstellen auf großartige und mitreißende zwei Stunden, in denen einem Regisseur Adam Shankman zeigt, wie man mit einer unendlich großen Portion Ironie den 80ern und all ihren uns heute so peinlich erscheinenden Auswüchsen ein liebevolles Denkmal setzen kann.

Zugegeben: Die Ehre gebührt nicht allein Shankman, basiert der Film schließlich auf einem erst 2005 uraufgeführten Musical, genauer gesagt gleichnamigen Jukebox-Musical von Chris D'Arienzo. Jukebox-Musicals sprießen seit dem Erfolg von ABBAs Mamma Mia (dem Musical, nicht dem Film) wie die Pilze aus dem Boden, gehören sie doch mit zu dem wahrscheinlich simpelsten, was man so an Musicals schreiben kann: ihr hauptsächliches Merkmal ist es, dass sie bekannte Pop-Songs zu einer kohärenten Geschichte formen. Es bedarf bei solchen Musicals also weniger kompositorischer oder schriftstellerischer Arbeit, als vielmehr dem gleichen Gespür für eine emotionale Abfolge von Musik, das auch das Erfolgsrezept hinter erfolgreichen Mixtapes bzw. Compilations ist.

Gerade das macht aber auch den Reiz dieser Musicals aus: Sie konfrontieren ihr Publikum nicht mit neuer Musik, sondern lassen längst vergessene Ohrwürmer wiederauferstehen und zelebrieren mit ihrer Abfolge moderner Klassiker eine regelrechte Ode an die Nostalgie. Es geht bei diesen Musicals deshalb auch gar nicht darum, dass sie eine besonders kreative Geschichte zu erzählen haben oder musikalisches Neuland betreten, sondern sie haben nur einen einzigen Anspruch: Unterhaltung.

Und genau das liefert ROCK OF AGES in fast jeder Sekunde ab: Dass hier alles Klischee ist, sämtliche Charaktere auf Stereotypen basieren und man die Handlung auf einem Bierdeckel unterbekommt, ist dabei allen Beteiligten klar. Statt eine Substanz zu behaupten, die gar nicht vorhanden ist, geht der Film den Königsweg der Fremdschamvermeidung und empfängt den Trash, die Selbstironie und die alberne Überdrehtheit mit offenen Armen: I'm vollkommen stulle and i know it, scheint er in jeder Sekunde zu rufen und genau deshalb kann, darf und muss man ROCK OF AGES lieben: Weil sich hier jeder Schauspieler des eindrucksvollen Casts komplett zum Horst macht, weil sich hier niemand, nicht einmal der Film, selbst ernst nimmt und weil man alle Kraft nur darauf verwendet, den Zuschauer zwei Stunden lang in eine bunte Welt der guten Laune zu entführen. Dass das wirklich funktioniert, davon sollte sich nach Möglichkeit jeder selbst überzeugen. Am Besten in Begleitung von ein paar guten Freunden, mit denen man in die Spätvorstellung geht, damit man jeden Song des Gute-Laune-Films des Jahres lautstark mitsingen kann. In diesem Sinne: It's going to rock you like a hurricane!











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