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I SPIT ON YOUR GRAVE 2 (USA 2013)

von Hasko Baumann

Original Titel. I SPIT ON YOUR GRAVE 2
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. STEVEN R. MONROE
Drehbuch. NEIL ELMAN . THOMAS FENTON
Musik. COREY A. JACKSON
Kamera. DAMIAN BROMLEY
Schnitt. KRISTINA HAMILTON-GROBLER
Darsteller. JEMMA DALLENDER . YAVOR BAHAROV . JOE ABSOLOM . ALEKSANDAR ALEKSIEV u.a.

Review Datum. 2013-09-26
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Die Vorstellung, aus dem Rape-and-Revenge-Schocker ICH SPUCK AUF DEIN GRAB könnte eine endlose Franchise werden, mutet schon etwas zynisch an. Die vermeintlichen feministischen Obertöne, die Meir Zarchi für sein 1978er Original behauptete, konnte das 2010er Remake schon nicht mehr für sich beanspruchen. Der Film war ein erstaunlich kompetent gemachter Exploiter, der dem schwer erträglichen, gleichwohl obligatorischen Vergewaltigungsmartyrium ein absurdes Racheszenario folgen ließ, in dem die gebeutelte Hauptdarstellerin mit ausgeklügelten Todesfallen sich um die legitime Nachfolge der SAW-Killer bewarb. Ein bestenfalls zweischneidiges Schwert, wenn auch fraglos effektiv.

Das Sequel baut erneut auf die erprobte Mischung aus ausgedehnter Quälerei, die dem Zuschauer den Haß auf die abartigen Frauenschänder so lange mit Nachdruck in die Venen pumpt, bis er sich in der letzten halben Stunde beim Rachefeldzug des Opfers voll entladen kann. Ein fragwürdiges Konzept, das unter der fähigen Regie des Wiederholungstäters Steven R. Monroe allerdings seine Wirkung nicht verfehlt. Das liegt zum einen an der recht geduldigen Einführung der Hauptperson Katie, ein angehendes Model, dessen Sedcard New Yorker Agenturen zu provinziell ist. Daher - hier büßt die Figur leider stark an Glaubwürdigkeit ein - folgt sie einem zwielichtigen Angebot für kostenfreie professionelle Fotos. Daß Katie nicht gleich wieder kehrt macht, als sie das behelfsmäßige Studio der drei zwielichtigen Typen betritt, erklärt sich nicht; erst die Aufforderung, sich auszuziehen, sorgt bei ihr für Befremden. Es kommt, wie es kommen muß, die Jungs sind böse Osteuropäer und verschleppen Katie nach der ersten Vergewaltigung nach Bulgarien, wo unbeschreibliche Pein auf sie wartet.

Monroe spielt zwar im ersten Teil des Films reichlich ausgestellt mit der Angst der jungen Frau und lässt keinen Zweifel daran, daß die Bedrohung sexueller Natur ist. Mit einigen wenigen wacklig-tristen Bildern New Yorks evoziert er aber auch eine urbane Hölle und Katie darin als Verlorene; später, wenn sie in den Katakomben Sofias ihre Wunden beweint, gelingt ihm auf beinahe poetische Weise die Bebilderung einer Wiedergeburt nach der Hölle. Diese formalen Vorzüge können jedoch nicht verschleiern, daß sich der Film verpflichtet fühlt, bisherige Folterszenen zu überbieten, und mutet seiner Hauptfigur mehrfache Vergewaltigung, Schändung mit einem Elektroschocker und dauerhafte Demütigung zu; die junge Frau wird angepinkelt, ins Gesicht geschlagen und im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Blut gefickt.

Diese Aufzählung mag gestörte Gemüter vor Geilheit sabbernd nach der uncut Fassung googlen lassen, wirft in Wahrheit aber nur die Frage auf, warum das so sein muß. Auch hier lautet wohl die Antwort: Um uns einzuheizen, aufzupeitschen bis zum Blutdurst, zum Rachewahn; ja in der Tat, diesen Abschaum, der jedem noch so billigen Ostblockklischee voll entspricht, diesen Menschenmüll, der dieser Frau das angetan hat, den will man tot sehen. Der Film tritt dann doch die Reise nach Absurdistan an und begibt sich in HOSTEL-Fahrwasser, fährt noch ein perverses Muttertier auf und gipfelt in einer märchenhaften Racheorgie (immerhin mit eindeutig sexueller Gewalt, gleiches mit gleichem, so deutlich hat man sicherlich noch keinen Hodensack platzen sehen).

Die Beklemmung, die man bis dahin fühlte, ist weitestgehend dahin, obwohl der Film es tatsächlich mitunter schafft, weh zu tun; wenn man sich nämlich selbst fragt, warum man sich das eigentlich ansieht, und schließlich auch, wie gaga eigentlich diese Befriedigung ist, die man beim Payoff empfindet. Manchmal hat der Film einen dann doch bei den Eiern, wie es eben gute Exploitation kann, aber das liegt vor allem an seiner Hauptdarstellerin: Jemma Dallender stellt sich furchtlos dieser Tour de Force und bietet eine enorme Bandbreite aller Emotionen, bis man sie als Racheengel mit One-Linern abstraft. Ein Jammer, daß eine solche Leistung nirgends gefeiert werden wird und kann, nur weil sie im falschen Umfeld stattfindet.

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erscheint Anfang 2014 auf DVD und Blu-ray bei Sunfilm.











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