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INSIDE MAN (USA 2006)

von Friday Foster

Original Titel. INSIDE MAN
Laufzeit in Minuten. 120

Regie. SPIKE LEE
Drehbuch. RUSSEL GEWIRTZ . ADAM ERBACHER
Musik. TERENCE BLANCHARD
Kamera. MATTHEW LIBATIQUE
Schnitt. BARRY ALEXANDER BROWN
Darsteller. DENZEL WASHINGTON . JODIE FOSTER . CLIVE OWEN . WILLEM DAFOE u.a.

Review Datum. 2006-03-03
Kinostart Deutschland. 2006-03-23

Ob Terence Blanchard jetzt John Williams Konkurrenz machen will oder ob ihn nur die 50 Streicher, die er zur Verfügung hatte, so angemacht haben, ist schwer zu sagen, aber der Score von Spike Lees Lieblinskomponisten ist symptomatisch für den ganzen Film. INSIDE MAN hätte so gut sein können, aber irgendwas ist schief gegangen.

Man nehme ein hervorragendes Ensemble, eine wirklich gute Geschichte, zwei meiner Lieblingselemente, nämlich einen richtig großen Banküberfall und einen Negotiator, und den Regisseur, der zuletzt mit 25TH HOUR gezeigt hat, dass er längst nicht mehr nur der Spezialist für afro-amerikanische Befindlichkeiten ist, und freue sich auf richtig intelligente Unterhaltung.

Und es fängt gut an. Der Vorspann rockt mit einer musikalischen Verneigung vor Bollywood, New York ist wie immer phantastisch fotografiert, Clive Owen gibt gleich das typische directly-into-the camera-statement, er kommt näher, der Hintergrund fährt nach hinten: wir sind in einem Spike Lee Joint.

Wie meistens stimmen die New Yorker bei Lee. Eine Schlange von Menschen in der ehrwürdigen Chase Manhattan Bank in Downtown - jedes Klischee paßt und wird gleichzeitig gebrochen: Der gute schwarze Vater mit Sohn, der gern Gangster wär, der Sikh mit Turban als Angestellter der Bank, das Working Girl mit tiefem Ausschnitt und einer zu lauten Stimme, der Jude, der auf der Diamond Lane arbeitet.

Doch dann wird die wir-tolerieren-uns-gegenseitig-ganz-ok-weil-wir sind-ja-New-Yorker- Haltung empfindlich gestört. Ruck Zuck besetzt ein vierköpfiger Malertrupp die Bank, wirft Rauchbomben und verriegelt das Gebäude. Clive Owen, wie immer sexy as hell, übernimmt als Mastermind Dalton Russell die Bank im Handstreich und alle Unbeteiligten als Geiseln.

Man lehnt sich zurück und freut sich, dass Spike auch das Heist Genre im Griff hat.

Aber dann: was ist mit Denzel passiert? Fett, arrogant und irgendwie nicht so richtig bei der Sache. Als Detective Frazier, der vielleicht korrupt ist, vielleicht aber auch nicht, fällt ihm die Situation in der Bank in den Schoß. Sein Partner und er erkunden die Lage, treffen den guten Cop (Willem Dafoe), der schon mal das Tactical Team zur Stürmung positioniert hat. Aber Denzel hat keine Lust zu verhandeln, und mir ist es auch egal.

Also wieder in die Bank. Nach anfänglichem Psychoterror der Geiseln (alle müssen strippen, die gleichen Maleranzüge wie die Bankräuber anziehen, Masken tragen und in diversen Ecken kauern), verlässt der Druck der Action-Kamera erst mal den Film. Die konventionelle Kameraführung, die dann folgt, lässt einen auf die Uhr sehen, oben erwähnte Streicher geben jedes Mal Gas, wenn Owen gedankenverloren vorm Tresor sitzt. Man fragt sich warum.

Zwischen Verhandeln, Pizza für die Geiseln, Scheitern, Weiterverhandeln, gibt es die eine oder andere lustige Einlage, die richtigen Action-Reißern schon immer geschadet hat. Dann: Auftritt Jodie Foster. Geile Zickenpumps, aber sonst hat sich die Frau verirrt. Hier gibt es keine Kinder zu retten. Muß die Idee von Produzent Brian Grazer, der sicher glücklich mit dem Erfolg von FLIGHTPLAN war, gewesen sein.

Jodie Foster ist Madeleine White, die ultimative Bitch. Kein Gewissen, aber einen direkten Draht zu Richtern und Politikern der Stadt. Die Frau, die alles kann und alle Leichen im Keller kennt. Die tolle Eigentumswohnungen an der Fifth Avenue an Neffen von Bin Laden verkauft und so. Nun muss sie ran für den senilen Präsidenten der Bank, der ein schmutziges Geheimnis in einem Schließfach seiner belagerten Downtown-Filiale hat. Für viel Geld soll sie es rausholen.

Wird aber nicht so spannend, wie es klingt. Sie lässt ihre Verbindungen spielen, landet bei den Bullen und darf sogar in die Bank. Owen weiß aber mehr als sie (Achtung: böse Nazi-Vergangenheit des philantropen Präsidenten), hat bereits die Unterlagen und ist generally not impressed.

Inzwischen ist Denzel aus seinem Tiefschlaf erwacht und hat gemerkt, dass er doch ein guter Cop ist und bei diesem Bankraub irgendwie nichts aus dem Quark kommt. Kurze Prügelei mit Owen in der Bank, als Bestrafung für sein Verhalten Erschießung einer Geisel live über Video und Denzel ist eigentlich raus der Nummer.

Jetzt kommt die wirklich gute Auflösung der Story zum Tragen: man stürmt, alle Geiseln kommen raus, aber alle tragen ja die gleichen Anzüge und Masken und in der Bank ist keiner mehr. Der Rest wird hier nicht erzählt, da das clevere Ende ein bisschen versöhnt und man sich auch ein bisschen über die nicht-lineare Erzählweise freut, aber wirklich spannend ist der Film nur mit einem ordentlichen Kater in der Sonntagsnachmittagsvorstellung. Ist ja auch billiger dann.











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