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IN 3 TAGEN BIST DU TOT (Österreich 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. IN 3 TAGEN BIST DU TOT
Laufzeit in Minuten. 97

Regie. ANDREAS PROCHASKA
Drehbuch. THOMAS BAUM . ANDREAS PROCHASKA
Musik. MATTHIAS WEBER
Kamera. DAVID SLAMA
Schnitt. KARIN HARTUSCH
Darsteller. SABRINA REITER . JULIA ROSA STÖCKL . MICHAEL STEINOCHER . NADJA VOGEL u.a.

Review Datum. 2006-09-19
Kinostart Deutschland. 2007-02-22

Unachtsam in der Euphorie nach bestandener Matura (in Deutschland: Reifeprüfung) überfährt ein Jugendlicher gemeinsam mit vier Freunden ein Rehkitz. Kurze Zeit später erhält jeder aus der Clique eine SMS titelgebenden Inhalts. Beim Feiern am Abend verschwindet dann der erste und wird, während die besorgten Freundinnen bei der Polizei keinen Glauben finden, im See ertränkt. Für IN 3 TAGEN BIST DU TOT ging man ein ziemliches Risiko ein und besetzte die Hauptrollen vorwiegend mit unverbrauchten Gesichtern, die man mittels Radioaufrufen zum landesweiten Casting trieb. Das klingt nach Talentshow und tatsächlich will Regisseur Prochaska beim Zusehen einer solchen Sendung die Idee gehabt haben. Letztendlich hatten fast alle doch mindestens etwas Schauspielerfahrung, Nadja Vogel verbuchte gar die weibliche Hauptrolle in Wolfram Paulus' leicht morbidem Jugenddrama AUGENLEUCHTEN. Doch gerade Sabrina Reiter, die im Zentrum des Films steht, kam als Zahnarztassistentin zu diesem Projekt. Besonders im Horrorgenre mit seinen Legionen an Amateurprojekten läuft man bei so einem Vorgehen Gefahr, in die falsche Lade eingeordnet zu werden. Trotzdem erreichte man eine Qualität, die keinerlei Verwechslungsgefahr mit Hobbysplattern zulässt (angesichts Förderungen von Filminstitut und Filmfonds Wien über ORF und -da in Ebensee am Traunsee angesiedelt- Land Oberösterreich wäre das auch höchst blamabel) und das junge Ensemble, Reiter eingeschlossen, macht gute Figur. Gewiss splattert es bei so einem Background auch weit weniger häufig, zumindest eine Person aus der Maturantenclique verendet aber auf eine Weise, die auch durch ihre Übertreibung eine Assoziation mit HIGH TENSION wecken kann. Einen überraschenden Tritt versetzt einem dies dennoch nicht, dafür meinte man es mit der "Vorbereitung" zu gut und so kann sich der Zuseher drauf einstellen. Davon abgesehen wird eher atmosphärisch mit den Ängsten des Publikums gespielt als Blut gekübelt. Wer sich insgeheim vorm Ertrinken fürchtet wird sicher nicht schlecht bedient.

Die Geschichte verlässt zwar nie die vertrauten Pfade ihres Filmtyps, erfüllt aber so halbwegs ihren Zweck. Positiv, dass die Hintergründe kontinuierlich erfahrbar werden, nicht erst zum Schluss mittels womöglich bescheuertem Plottwist. Auf Logik abklopfbar ist die Story dennoch nicht, oft sogar geradewegs bescheuert. Da bleibt die Polizei, nachdem ersichtlich ist, dass die SMS-Versendung kein Scherz ist, viel zu lange passiv, was den Personenschutz betrifft und stellt noch nachher lediglich einen Posten vor das Haus, an dem vorbei die (bescheuerten, scheinbar todessehnsüchtigen) Maturanten problemlos weiter ins Messer laufen können. Da versteckt sich der Massenmörder ganz genretypisch aber ohne erkennbare Motivation hinter einer Maske, offenbar nur weil vermieden werden soll, dass die Zuseher zu früh die Identität erfahren.

Besonders stolz zeigt sich der Regisseur über die authentische Sprache der Dialoge. Für jemanden, der zuvor vorwiegend bei "österreichischen" Produktionen á la KOMMISSAR REX Regie führte, war der Einsatz von Dialogen in Mundart auch sicher was Neues, ob er aber authentisch war? Zum einen ist es gerade durch Fernsehserien wie die im bisherigen Prochaskaschen Oeuvre durchaus gar nicht mehr so üblich, dass heutige Teens in Österreich komplett auf Vokabel wie "geil" verzichten, zum anderen ist die in IN 3 TAGEN BIST DU TOT verwendete Sprache, eine durchwegs gemäßigte, ein wohl im ganzen deutschsprachigen Raum verständlicher Dialekt. Das ist durchaus gut und zweckhaft so. Auch in Wien kommt der Film am 22. September in die Kinos und würde dort echtes Oberösterreichisch gepflegt wäre er auch hier nur schwerlich verständlich. Zwar ist es kaum anzunehmen, dass heutige Jugendliche im Salzkammergut (genau, die, die alles geil finden) die Sprache ihrer Mütter und Väter pflegen, der Film erwirkt dennoch eher den Eindruck von österreichischem Lokalkolorit als von Ebenseer Authentizität. Das gilt auch für die ländlichen Maturanten, die Rilke rezitieren und analysieren müssen. Gewiss nicht auszuschließen, dass es so was auch geben kann (und dass Kinder aus ländlichen Familienbetrieben wie Fischerei, Hotel oder Tankstelle eine AHS-Matura absolvieren), dennoch riecht's eher nach Wiener Verhältnissen.

Dem Slasher-Fan kann's egal sein. Ihm wird sicher weder der originellste noch der blutigste Genrevertreter geboten, aber ein solider Vertreter dieser Filmgattung aus dem Mittelfeld. Kein Werk, dass man sehen muss, aber eines, dass sich sehen lassen kann.

UPDATE: Auch wenn die Notwendigkeit zu bezweifeln ist, kommt der Film in Deutschland nun doch in einer teilweise nachsynchronisierten Fassung ins Kino.











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