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ICH BIN NUMMER VIER (USA 2011)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. I AM NUMBER FOUR
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. D.J. CARUSO
Drehbuch. ALFRED GOUGH . MILES MILLAR . MARTI NOXON
Musik. TREVOR RABIN
Kamera. GUILLERMO NAVARRO
Schnitt. VINCE FILIPPONE . JIM PAGE
Darsteller. ALEX PETTYFER . TIMOTHY OLYPHANT . DIANNA AGRON . CALLAN MCAULIFFE u.a.

Review Datum. 2011-03-10
Kinostart Deutschland. 2011-03-17

Anfang der Nuller-Jahre hat DC Comics eine Reihe mit dem Titel "Just Imagine Stan Lee" veröffentlicht, in der Marvel-Ikone Stan Lee seine eigenen Interpretationen berühmter DC-Helden umsetzte. Gäbe es dazu ein Follow-Up unter dem Titel "Just Imagine Stephenie Meyer", die SUPERMAN-Variante der TWILIGHT-Autorin sähe vielleicht aus wie ICH BIN NUMMER VIER.

Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Pittacus Lore (ein Pseudonym für die Autoren James Frey und Jobie Hughes) erzählt von John Smith (Alex Pettyfer), scheinbar ein gewöhnlicher Teenager, in Wahrheit ein Außerirdischer, dessen Heimatplanet zerstört wurde und der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist. Als eines von neun Kindern und begleitet von seinem Beschützer Henri (Timothy Olyphant) konnte er auf die Erde gerettet werden. Verfolgt von den sogenannten Mogadori, ebenfalls Außerirdische (anders als John jedoch erkennbar nicht menschlich), die die neun Kinder in einer bestimmten Reihenfolge (John ist Nummer 4 und als nächster an der Reihe) töten, wechseln John und Henri ständig ihren Aufenthaltsort, bis John an seiner neuen Schule in der Kleinstadt Paradise, Ohio den Sci-Fi-Nerd Sam (Callan McLauliffe) kennenlernt und sich in die Hobbyfotografin Sarah (Dianna Agron, GLEE) verliebt und nicht weiter fliehen will.

Was durchaus einen interessanten Plot im Comic-Stil hergeben könnte, ist in ICH BIN NUMMER VIER Grundlage für eine weitere "Teen Supernatural Romance", eine Liebesgeschichte mit Sci-Fi bzw. Fantasy-Elementen für Teenager. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, doch es ist extrem lieb- und inspirationslos umgesetzt. ICH BIN NUMMER VIER hat eine ganze Reihe von Fehlern: Da sind zum Einen die Schauspielleistungen, vor allem die völlige Fehlbesetzung von Alex Pettyfer, der, obwohl tatsächlich erst 20, nicht nur viel zu alt aussieht, um ein Teenager zu sein, sondern auch vollkommen frei von Charisma ist. Auch Callan McLauliffe als Sam bleibt blass und macht eigentlich wenig außer leidend dreinzuschauen. Ein Bisschen lebhafter kommt Dianna Agron daher, doch das Drehbuch gibt ihr wenig, mit dem sie arbeiten kann. Zum Anderen ist da der Look des Films, der besonders in den Nachtszenen so dunkel ist, dass eigentlich nichts zu erkennen ist, sowie Regisseur D.J. Caruso, der jede Actionszene zu einem hektischen, unübersichtlichen Durcheinander verkommen lässt. Doch all das wäre zu verschmerzen und ließe ICH BIN NUMMER VIER eher in die Kategorie "belanglos" als wirklich ärgerlich fallen - wäre da nicht das offensichtliche Desinteresse der Autoren (darunter absurderweise Marti Noxon, die einige hervorragende Folgen BUFFY THE VAMPIRE SLAYER auf dem Konto hat und angesichts der Dialoge in ICH BIN NUMMER VIER demnach eigentlich in Tränen ausbrechen müsste) an ihrem Stoff.

Es scheint, als wäre das Drehbuch von ICH BIN NUMMER VIER nie über den ersten Pitch hinausgekommen, denn Details, die die Grundidee mit Leben füllen oder gar ein bisschen Backstory sucht man hier völlig vergeblich. Das gilt für die wirklich wichtigen Handlungsdetails (Warum wollen die Mogadori die neun Kinder töten? Und warum müssen sie das in dieser Reihenfolge tun?) genauso wie für Informationen, die die Charaktere und deren Beziehungen greifbarer machen könnte (Sarah gilt als Außenseiterin - weil sie Fotos von popelnden Lehrern im Internet veröffentlicht?). Das mag in der Romanvorlage anders sein und man könnte es sicher als bewusste Auslassungen auslegen, die Stoff für ein mögliches Sequel bieten - doch ein Film muss für sich stehen können und daran scheitert ICH BIN NUMMER VIER kläglich.

ICH BIN NUMMER VIER ist generische Stangenware, die ohne jede eigene Idee die Eckpunkte seines Genres abarbeitet und dabei ganz nebenbei noch einen klassischen Sci-Fi-Plot verwässert. Der Film bedient sein anvisiertes Publikum nicht nur, sondern verkauft es auch für dumm, indem er eine im Grunde unfertige Geschichte abspult in der Hoffnung, die aus anderen Filmen, insbesondere der TWILIGHT-Reihe, übernommenen Motive reichen aus, die Zuschauer zufrieden zu stellen - was am Ende zu einem nicht im Ansatz eigenständigen und ganz und gar nicht befriedigenden Ergebnis führt.











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