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HITMAN: AGENT 47 (Deutschland/USA 2015)

von Martin Eberle

Original Titel. HITMAN: AGENT 47
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. ALEKSANDER BACH
Drehbuch. SKIP WOODS . MICHAEL FINCH
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. ÓTTAR GUÐNASON
Schnitt. NICOLAS DE TOTH
Darsteller. RUPERT FRIEND . ZACHARY QUINTO . HANNAH WARE . THOMAS KRETSCHMANN . EMILIO RIVERA u.a.

Review Datum. 2015-08-25
Kinostart Deutschland. 2015-08-27

Wenn in Hollywood die Fantasie etwas träge vor sich hinlümmelt aber trotzdem dringend Filmstoffe gebraucht werden, dann kommt auch gerne mal ein Computer- oder Konsolenspiel als Vorlage in Frage. Schon im Intro von HITMAN: AGENT 47 wird die Herkunft aus der Spielewelt deutlich: Wie in mindestens jedem zweiten Spiel beginnt das Spektakel mit einer ellenlangen Exposition, der Erklärung der Hintergründe, ein Überblick über die Motivationen des Personals. Also kein gutes Omen für die Filmadaption eines der interessantesten Computerspiele-Helden: Agent 47, ein durch genetische Manipulation erschaffener Elite-Killer, der mit fast schon übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet ist.

In der Spielreihe meuchelt sich Agent 47 seit dem Jahr 2000 durch die Missionen. Ob als schießwütiger Rambo-Verschnitt (allerdings im perfekt sitzenden schwarzen Anzug) oder als pfiffiger stealther, der seine Umgebung mit einbezieht und auch mal seine Anschläge als z.B. Unfall tarnt, dem Spieler steht es weitgehend frei, wie er seine Missionen erfüllt. Das ist übrigens gar nicht mal so zynisch wie es klingt, denn das Spiel belohnt die Strategien, die die Leben Unbeteiligter oder sogar der Helfershelfer der Bösewichte verschonen.

Nicht so im Film. Agent 47 konfrontiert seine Gegner oft sehr direkt und gerne mit ordentlichem Wumms. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, die Action-Elemente machen ziemlich viel Spass. Ausserdem ist Agent 47 mit Rupert Friend ausgezeichnet besetzt: Entschlossen und rigoros verfolgt Friends Hitman ziemlich schlau und ohne all zu viel Emotionalität im Gesicht seine Ziele. Das ist meistens ziemlich cool, hat aber auch eine gewisse Putzigkeit, ähnelt Rupert Friend doch ein wenig dem ZACK!-Comedy-Darsteller Volker Michalowski. Eine hübsche unfreiwillige ironische Brechung, die ganz gut tut, denn HITMAN: AGENT 47 nimmt sich so wahnsinnig wichtig und ernst. Das ist bei den Action-Sequenzen schon eine angemessene Herangehensweise, bei den Segmenten, die sich dem sogenannten Plot widmen ist es allerdings eher komisch. Komisch in einem sehr traurigen Sinne, denn die zusammengerumpelten Versatzstücke aus dem Satzbaukasten des schlechten Drehbuchautors, in eintönigen Mono- und Dialogen vorgetragen, sind in ihrer grenzenlosen Ödheit so unendlich langweilig, dass ein sanftes Wegdämmern die einzig gnädige Reaktion für Zuschauer und Film ist. Seltsam, zumal einer der zwei (!) Autoren schon bei der ersten HITMAN-Verfilmung dabei war und sich damals offensichtlich etwas mehr Mühe gegeben hat. Schade, dass so viel Potenzial verschenkt wird. Der Cast ist ausgezeichnet aber komplett unterfordert, die Kameraarbeit großartig aber verschenkt, und die - zugegebenermaßen sehr CGI-lastige - Action ist schlicht mitreißend.

Dass dann die cut-scenes und das gameplay der Spielevorlage kinematographischer wirken als das, was dann letztlich auf der Leinwand landet, liegt tatsächlich an dieser Drehbuchvorlage, die es fertig bringt, die Intelligenz eines zwei Wochen alten Dinkelbrotes zu beleidigen. Fast könnte man meinen, die schlechten alten Zeiten der deutschen Filmfonds, die als Steuermodell interessant waren, aber die unsäglichsten Filme in die Welt brachten, seien zurückgekehrt. Und tatsächlich finden sich am Ende des Abspanns zwei hübsche Logi: die des Deutschen Filmförderfonds Berlin und des medienboard Berlin-Brandenburg. "Stupid German Money" is back.











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