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HEILE WELT (Österreich 2007)

von Björn Eichstädt

Original Titel. HEILE WELT
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. JAKOB M. ERWA
Drehbuch. JAKOB M. ERWA
Musik. HELI MARKFELDER
Kamera. JAKOB M. ERWA
Schnitt. WOLFGANG WEIGL
Darsteller. MICHAEL SAUSENG . SIMON MÖSTL . BIRGIT DOLL . ERNI MANGOLD u.a.

Review Datum. 2008-01-25
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Die heutige Jugend macht manchem Angst. Nicht nur, dass sie sich SAW IV wieder in Scharen ansehen wird und dabei vermutlich diabolisch grinst. Auch ansonsten ist das heute ja nichts mehr mit den Werten: Das Internet zeigt dem Nachwuchs allzu deutlich, wie die Welt so drauf ist, und die technischen Spielereien, die sie besser beherrschen als alle vor ihnen, machen jeden schrägen Gedanken zu einer direkt umsetzbaren Tat. Und so zeigt der erst 26-jährige Langfilmdebütant Jakob M. Erwa in HEILE WELT zunächst einmal eine Truppe kleiner Gangster, die Erwachsene im Zug beleidigt, ihre Mütter mit langen Messern bedroht und mit Pistolen auf Polizisten zielt. Mitten in Graz. Mitten in der zentraleuropäischen Realität, die so langsam aus den Fugen zu geraten scheint.

Was in der ersten Hälfte des Films daherkommt, wie die dokumentarisch angehauchte und digitalwackelnde Austria-Variante von VILLAGE OF THE DAMNED oder WHO CAN KILL A CHILD?, das entwickelt sich im weiteren Verlauf dann aber doch zu einer ganz anderen Geschichte. Denn Jolly, Bolz und Elli - das Herz der Clique - sind natürlich nicht einfach schlechte Kinder, deren Generation vom bösen Internet oder gar von Außerirdischen verhext wurde. Vielmehr zeichnet HEILE WELT die triste Realität der Eltern à la RASHOMON düster neben das Leben der Kinder, versetzt Stücke des Erzählstrangs in- und nebeneinander und zeigt, dass Grauen nur dort wachsen kann, wo es gesäht wurde. Denn dass Komasaufen seine Ursache im elterlichen Leben findet, dass vor allem das materiell ausgerichtete, emotional verarmte Dahinvegitieren heutiger Familien seine Wirkung zeigt, das hat Erwa hier wunderbar eingefangen. Und auch, dass es selbst ganz unten Alternativen gibt, wie die Parallelliebesgeschichte zwischen einer osteuropäischen Prostituierten und einem Blinden zu zeigen vermag.

"Ganz nah dran", habe er sein wollen, so Jakob Erwa im Anschluss an das Screening von HEILE WELT beim ersten "Europa Filmfest" in München. Und tatsächlich sind dem Nachwuchsregisseur Einblicke gelungen, die wahrheitsgetreu über die Leinwand ziehen, die zeigen, dass hinter der Fassade der heilen Welt, die die verrohten Jugendlichen und das abstrakte Böse in der Technologie zum Buhmann machen möchte, die eigentliche Ursache für all das lauert, was heute schief läuft. Hier knüpft Erwa an seine Landsleute Michael Haneke und Ulrich Seidl an und geht trotzdem ganz eigene Wege. Ganz zu recht wurde HEILE WELT im Jahr 2007 zum besten österreichischen Film beim Filmfestival Diagonale in Graz gekürt. Man kann nur hoffen, dass der Film auch hierzulande eine Chance erhält. Verdient hat er sie allemal.











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