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HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES - TEIL 2 (Großbritannien/USA 2011)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS - PART 2
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. DAVID YATES
Drehbuch. STEVE KLOVES
Musik. ALEXANDRE DESPLAT
Kamera. EDUARDO SERRA
Schnitt. MARK DAY
Darsteller. DANIEL RADCLIFFE . RUPERT GRINT . EMMA WATSON . RALPH FIENNES u.a.

Review Datum. 2011-07-12
Kinostart Deutschland. 2011-07-14

Nachdem Lord Voldemort (Ralph Fiennes) den mächtigen Elder-Stab in seinen Besitz gebracht hat, ist er auf dem Höhepunkt seiner Macht. Harry (Daniel Radcliffe), Ron (Rupert Grint) und Hermione (Emma Watson) versuchen weiterhin, die Horcruxe (Gegenstände, die Teile von Voldemorts Seele enthalten) zu finden und zu zerstören, was sie zuerst in die Zaubererbank Gringotts, danach zurück nach Hogwarts führt, wo sie sich gemeinsam mit ihren dort verbliebenen Verbündeten auf das letzte Gefecht gegen Voldemort vorberei-ten.

Das ist er also, der letzte HARRY POTTER, nach zehn Jahren und sieben Vorgängern. Als Film- und Potter-Fan, der tatsächlich mit der Buch- und Film-Reihe und ihren jungen Hauptdarstellern aufgewachsen ist, kann ich da kaum anders, als ein wenig nostalgisch zurückzudenken an die ersten Teile der Reihe, in denen unbeholfene, aus-drucksschwache Kinderdarsteller durch eine gleichzeitig überfrachtete und seltsam unbelebte Fantasy-Welt stapften. Und dieser Blick zurück ist auch gar nicht so falsch, denn so wird deutlich, wie wenig selbstverständlich einige der gewohnten Stärken von HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES - TEIL 2 sind. Hochkarätige Neben-darsteller hatte die Reihe zwar schon immer, doch David Yates' behutsame, stets den Über-blick behaltende Regie, Alexander Desplats atmosphärischer Soundtrack und vor allem die schauspielerisch gereiften Hauptdarsteller (auch, wenn Radcliffes Performance noch immer nicht über "okay" hinausreicht) - all das kennen wir von HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES TEIL - 1, doch dass soviel Talent in einem Blockbuster zusammenkommt ist eben nicht selbstver-ständlich und erneut erfreulich.

Die HARRY POTTER-Reihe musste sich also erst finden, bevor sie im Vorgänger ihren Höhepunkt finden sollte. Denn genau das wird HARRY POTTER 7.1 bleiben, denn im Direktvergleich fällt HARRY POTTER 7.2 leider ein wenig ab. Er braucht eine Weile, bevor er eine ähnliche Sogwirkung, eine ähnlich dichte Atmosphäre wie sein Vorgänger entwickeln kann. Gerade in der ersten halben Stunde wirkt der Film etwas gehetzt, einzelne Sequenzen haben weniger Zeit, sich zu entfalten - man vergleiche beispielsweise einmal die trotz Dra-chen und unterirdischer Achterbahn erstaunlich banale Gringotts-Sequenz mit den ähnlich gelagerten, beklemmenden und fesselnden Szenen im Zaubereiministerium aus dem Vor-gänger. Zu Anfang wirkt die Bedrohung durch Voldemort und seine Schergen weniger real, weniger unmittelbar, was auch daran liegt, dass die Muggel-Welt dieses Mal keine Rolle mehr spielt.

Auch tut es dem Film nicht unbedingt gut, dass er den Löwenanteil der Action (die durch den unsäglichen 3D-Effekt auch noch optisch einiges an Wucht verliert) der beiden Finalfilme enthält und dass der Fokus wieder deutlicher auf Harry liegt, Ron und Hermione dagegen in den Hintergrund treten. Es war, neben der bedrohlichen Atmosphäre, das Zusammenspiel dieser drei enorm starken Charaktere (und die für Radcliffe entlastenden Leistungen von Emma Watson und Rupert Grint), die den Vorgänger so stark machten.

Doch nach und nach gewinnt HARRY POTTER 7.2 an Fahrt. Über Gänsehaut-Momente, wenn wir liebgewonnene Charaktere wie Neville Longbottom (Matthew Lewis) oder Professor McGonagall (Maggie Smith) zum ersten Mal im Film zu sehen bekom-men, Schockszenen, wenn einige von ihnen teils unvermittelt sterben, und immer wieder eingestreute, kurze emotionale Momente der drei Hauptdarsteller führt uns der Film zu einem finalen dritten Akt, in dem Harry vor dem Ende der Reihe noch einmal tief fallen muss.

Das ist gut so, denn nur aufgrund seiner emotionalen Härte (die so wohl kein anderes Mainstream-Franchise seinen Zuschauern zumutet - Hut ab dafür) kommt HARRY POTTER 7.2 mit dem ein oder anderen kitschigen Moment durch - ja, kann genau damit berühren. Es ist ein Verdienst von J.K. Rowlings Vorlage, aber auch von Steve Kloves' Drehbuch, dass man als Zuschauer bereit ist, Harry Potter bedingungslos zu folgen, sei es in noch so pathetischen, noch so klischeebeladenen Momenten. Wenn Harry, in der Gewissheit, dass er sterben muss, noch einmal seine Eltern sieht, sie ihm versichern, dass sie "hier drin", im Herzen, immer bei ihm sind, will man ausnahmsweise mal nicht genervt aufstöhnen, sondern ihnen vor allem glauben.

Das Finale selbst entspricht dann auch, trotz aller Action-Lastigkeit, völlig dem Geiste der Vorlage: Nicht seine Macht lässt Harry Voldemort bezwingen, sondern sein Mut, seine Selbstlosigkeit und seine Freunde. Nach dem alles entscheidenden Duell herrscht keine Eu-phorie, keine triumphierende Freude, sondern zaghafte Erleichterung, Wunden lecken nach dem verlustreichen Kampf - HARRY POTTER 7.2 mag Hollywood-Kino sein, doch sein Ende ist geprägt von britischem Understatement.

Bei all dem sei auch gesagt: HARRY POTTER 7.2 ist durch und durch Fan-Service. Wer nicht in der Story "drin ist", im Idealfall die Bücher kennt, wird hier wenig Freude haben. Wie sein Vorgänger wirkt auch der letzte Film der Reihe etwas wirr, fordert vom Zuschauer hin und wieder, selbst erzählerische Lücken zu füllen. Aber seien wir ehrlich: Für wen, wenn nicht Fans mit ausreichend Vorkenntnis, ist der achte Teil einer Reihe, der noch dazu die letzte Hälfte eines Zweiteilers darstellt (und ohne "was bisher geschah"-Montagen auskommt) bitte interessant? Und genau diese Fans dürften dann auch beim Epilog, der im Buch wie unnötiger Ballast wirkte, hier aber deutlich besser funktioniert, die ein oder andere Träne verdrücken: Der Epilog baut die Brücke zur nächsten Generation von Zauberlehrlingen und spätestens, wenn noch einmal leise das bekannte Hauptthema erklingt, kommt ein Bisschen Wehmut auf - aber auch Zufriedenheit, denn das Ende ist, trotz aller Schwächen, die der Film hat, ein würdiger Abschied von einer lebendigen Fantasywelt, von beeindruckenden Charakteren und von einem besonderen Filmfranchise, dessen Abschluss mühelos all die Fantasy-Epigonen, aber auch viele der Comic- und Actionhelden der vergangenen zehn Jahre deklassiert.











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