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G.I. JOE: DIE ABRECHNUNG (USA 2013)

von David Leuenberger

Original Titel. G.I. JOE: RETALIATION
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. JON M. CHU
Drehbuch. RHETT REESE . PAUL WERNICK
Musik. HENRY JACKMAN
Kamera. STEPHEN F. WINDON
Schnitt. ROGER BARTON . JIM MAY
Darsteller. DWAYNE JOHNSON . JONATHAN PRYCE . BYUNG-HUN LEE . ELODIE YUNG u.a.

Review Datum. 2013-03-26
Kinostart Deutschland. 2013-03-28

Der lustigste Moment von G.I. JOE: DIE ABRECHNUNG kommt zweifelsohne im Abspann. "Written by Rhett Reese & Paul Wernick" liest der Zuschauer und muss unwillkürlich in schallendes Lachen ausbrechen: die Vorstellung nämlich, dass ganze zwei Personen dafür engagiert (und noch schlimmer: bezahlt) wurden, um dieses sogenannte "Drehbuch" zu schreiben, ist köstlich absurd. Wenige Momente später folgt "Edited by Roger Barton & Jim May". Auch dieser Moment ist irrsinnig witzig, da sich der Film eher so angefühlt hat, als hätte ihn eine komplette Armee an Cuttern geschnitten - im Akkord bezahlt und in Schichtarbeit. Aber Vorsicht: das Lachen dürfte so manchem rasch im Halse stecken bleiben bei der Erkenntnis, gerade über 100 Minuten Lebenszeit mit einem solchen Murks vergeudet zu haben. Und zwar ausgerechnet für einen Film, dessen zugegeben sehr eng gestrickte Genre-Grenzen durchaus Platz für ein gewisses Potential ließen.

Die "Story" ist schnell erzählt: ein Oberbösewicht entführt den US-Präsidenten, zieht eine Hitech-Gummimaske mit dessen Antlitz an und will die Weltherrschaft an sich reissen. Dafür muss er natürlich zuerst die Elite-Einheit der "Joes" beseitigen, was fast klappt. Die übrig gebliebenen "Joes" machen sich dran, die Pläne des Finsterlings zu durchkreuzen und derweilen werden einige eingefrorene Ninjas in einer unterirdischen Lagerhalle in Ostdeutschland aufgetaut. Zwischendurch werden viele Patronen verballert und Sachen in die Luft gesprengt. So weit so belanglos.

Vorangetrieben wird diese sogenannte "Handlung" von einer Myriade an Figuren, deren dramaturgische Bedeutung oft im Dunkeln bleibt, vielleicht mit Ausnahme des Obersoldaten "Roadblock". Dwayne Johnson macht seinem Wrestler-Pseudonym "The Rock" wie auch seinem Figurennamen alle Ehre: er spielt tatsächlich mit der vollen Wucht - allerdings auch mit dem Charisma und der Ausdruckskraft - eines Felsen. Unterstützt wird er vom weiblichen "Joe" Lady Jay (Adrianne Palicki), die sich hauptamtlich um Eyecandy- und Küchenpsychologie-Elemente kümmert, sowie von Flint (D. J. Cotrona), der mit einer geradezu atemberaubenden Penetranz unfassbar dämliche Fragen stellt - und zwar eine nach der anderen, die ganze Zeit! Währenddessen macht Ninja Storm Shadow (Lee Byung-hun) in einem weißen Pyjama gehüllt deutlich, dass er ausschließlich mit ganz harten Schwertern arbeitet, freilich ohne dabei wirklich erklären zu können, was er eigentlich in diesem Film zu suchen hat. Die Figur des "bösen" Ninja Snake Eyes (Ray Park) erinnert derweilen auf sehr irritierende Art und Weise an Hinkebein aus PULP FICTION. À propos lookalikes: düstere Bösewichte, die "hip" sein wollen, tragen seit neuestem wohl wieder Atemmaske?

Falls dies alles dumm klingt, sei in Erinnerung gerufen: der Film ist das Sequel eines Films, der auf einer Spielzeugfigur basiert, die als männliches Pendant zu Barbie konzipiert wurde! Dieser Grundgedanke ist ebenso lächerlich wie der Film selbst. Durchweg schlecht ist das nicht, denn G.I. JOE: DIE ABRECHNUNG kippt mit seiner vollkommenen Hirnlosigkeit regelmäßig ins unfreiwillig Komische: wenn wieder einmal ein absurder Hirnfurz in Dialogform auf den Zuschauer losgelassen wird, irgendetwas völlig grundlos explodiert, Schuss- und Hiebwaffen stolz als Phallus- und Gehirnersatz zur Schau gestellt werden oder der "simpel" gestrickte Flint wieder einmal im unpassendsten Moment eine seiner grenzdebilen Fragen stellt, dann schmerzen die Bauchmuskeln und kullern die Tränen vor Lachen. So schlecht also, dass es wieder lustig ist? Nein!

Dass G.I. JOE: DIE ABRECHNUNG eben nicht als depperter Trash-Film gefeiert werden kann, liegt daran, dass er am fürchterlichsten in dem Bereich scheitert, der eigentlich seine Hauptdomäne sein sollte: nämlich bei der Action! Regisseur Jon M. Chu drehte bislang nur Musik- und Tanzfilme und wirkt daher auf den ersten Blick wie eine Fehlbesetzung, ist aber theoretisch absolut prädestiniert für den Stoff: gute Actionszenen sind im Grunde ja auch stets musikalisch choreografiert. Doch das Resultat ist hier (einmal mehr und schon wieder und erneut und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal) ein Wackelkamera-Schnellschnitt-Einheitsbrei, der jegliche noch so extravagante Materialschlacht letztlich vollkommen wertlos macht, weil man nichts erkennen kann. Das tut ganz besonders in einer Szene weh, die - gut inszeniert - eine poetisch-stilisierte Action-Perle hätte werden können: Ninjas balancieren sich mit Kletterseilen entlang einer Schlucht, hangeln sich in einer wilden Verfolgungsjagd von einer Gebirgswand zur anderen und schlachten sich dabei gegenseitig ab. Wackel-Wackel-Schnitt-Wackel-Reißschwenk-Schnitt ist jedoch alles, was man als Zuschauer davon mitbekommt und so kann man sich noch nicht einmal über die Originalität der Idee richtig freuen.

Womit es sich der Film aber erst recht verspielt, ist seine 3D-Konvertierung, die übrigens auch für die monatelange Kinostart-Verzögerung verantwortlich ist. Über die Technik an sich kann man sich streiten, aber hier ist sie wirklich nur Schmierentheater: lächerliche Figürchen hüpfen vor einem meist unscharfen Hintergrund durch die Gegend, während im Bildvordergrund irgendetwas Unscharfes reinragt. Die unfassbar dämliche Nutzung des 3D hat an manchen Stellen zweifelsohne für weitere Lacher aus dem Bereich "unfreiwillig komisch" gesorgt, aber größtenteils war sie schlicht und ergreifend ein Ärgernis. Warum wird die Technik genutzt, wenn die Macher so offensichtlich nicht das geringste Interesse an filmischer Räumlichkeit haben? Damit es den Zuschauer - wenngleich dankenswerterweise ohne Überlängenzuschlag - noch mehr kostet?

Gegen Ende zückt G.I. JOE: DIE ABRECHNUNG plötzlich eine Geheimwaffe. Nein, damit ist nicht das Gewehr gemeint, das um die Ecke schießt, denn das nämlich wird schon am Anfang grundlos genutzt und dann nie wieder! Gemeint ist Bruce Willis, der im Prinzip jeden Film durch seinen schieren Coolness-Faktor aufwerten kann. Zumindest im Prinzip! Denn seine Leinwandpräsenz wird hier einfach sinnlos verbraten, und schon nach wenigen Minuten lässt der Film Willis wie eines seiner vielen Gadgets links liegen, um mit weiteren Schnellschnitt-Wackel-Orgien den Zuschauer endgültig zu Tode zu nerven. Bruce Willis kann den Film nicht retten, weil man ihn nicht lässt. Wahrscheinlich hätte nicht einmal Chuck Norris diesen Murks retten können.











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