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GALLANTS (Hong Kong 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. DA LUI TOI
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. DEREK KWOK . CLEMENT CHENG
Drehbuch. DEREK KWOK . CLEMENT CHENG . FRANKIE TAM
Musik. TEDDY ROBIN . TOMMY WAI
Kamera. SING-PUI O
Schnitt. MATTHEW HUI
Darsteller. SIU-LUNG LEUNG . KOON TAI CHAN . TEDDY ROBIN. SHAW YIN YIN u.a.

Review Datum. 2010-10-08
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Ob SPACE COWBOYS oder THE EXPENDABLES, in Schüben kommen aus dem Westen immer mal wieder Filme, die zeigen oder wenigstens behaupten, dass alte Recken noch nicht zum alten Eisen gehören. Mit GALLANTS kommt nun ein Beitrag aus dem Osten. In der Kampfsportkomödie haben junge Hüpfer bestenfalls Alibifunktion.

So ein junger Hüpfer ist Cheung (You-Nam Wong), ein ungeliebter Angestellter eines Maklerbüros, frisch versetzt in eine recht verschlafene Kleinstadt, wo er gleich bei Ankunft den Unmut einiger zorniger Schläger auf sich zieht. Rausgehauen wird er von Tiger (Siu-Lung Leung), einem älteren Herren mit einem gebrochenen und schlecht verheilten Bein, das ihn bei einer Keilerei genauso wenig zu stören scheint wie sein etwas aus der Form geratener Körperbau. Tiger gehört mit seinem Kumpel Dragon (Koon Tai Chen), einen älteren Herren mit gebrochenem und schlechtverheilten Arm, zu den Betreibern eines Teehauses, das einmal die Kampfschule ihres Meisters Law (Teddy Robin) war. Der liegt seit 30 Jahren im Koma, aber Tiger und Dragon haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Und tatsächlich wacht der Alte auf, als er am dringendsten gebraucht wird. Eine hochmoderne Kampfschule in der Nachbarschaft setzt alles daran sich das Teehaus unter den Nagel zu reißen. Dummerweise ist sich Master Law nicht bewusst, dass er drei Jahrzehnte verpennt hat. Er fragt sich, wer die beiden gebrechlichen Alten sind, die ständig um ihn herumlungern, und er sieht offenbar doppelt, denn er hält Cheung für seine beiden alten Schüler.

GALLANTS ist so knuddelig, schrullig und sympathisch, dass man sich wie eine Spaßbremse vorkommt, will man auf die Schwächen hinweisen. Deshalb hier nur kurz fürs Protokoll: Selbst für einen Film, der Filme mit notorisch dünner Handlung parodiert, ist die Handlung noch ziemlich dünn. Die vorgebliche Hauptfigur Cheung hat dieser dünnen Handlung wenig beizusteuern und macht allenfalls eine Wandlung vom nervigen Trottel zum nicht ganz so nervigen Trottel durch. Die junge Kwai (JJ Jia) ist zwar ein trefflicher Blickfang, für mehr aber auch nicht vorgesehen. Das Ende des Ganzen kommt ein wenig abrupt.

Aber wer wird schon Erbsen zählen. GALLANTS ist eine Hommage ohne Einlasskontrolle. Mag sein, dass nur der alle Darsteller und Anspielungen erkennt, der sich lückenlose Kennerschaft des Hongkong-Kinos zum einzigen Lebensziel gesetzt hat. Aber auch wer nur hier und da mal in einen Kung-Fu-Film hineinschaut, wird Spaß an diesem Film haben. Die drei Alten und die Bonus-Alte Dr. Fun (Shaw Yin Yin) sind eine Schau. Siu-Lung Leung, Koon Tai Chen und Shaw Yin Yin hatten ihre erfolgreichste und schlankste Zeit in der Shaw-Brothers-Ära, das Wiedersehen freut den cineastischen Sentimentalisten. Wer derweil hier nur zwei ältere Herren und eine Dame im besten Alter sieht, die sichtbar und übertragbar viel Spaß an ihren Rollen haben, amüsiert sich genauso gut. Amüsant auch, dass gerade Teddy Robin als quirliger Master Law der Drahtigste in der Runde ist, obwohl gerade er keine Vergangenheit im Kampfsport hat, sondern eine im Rock'n'Roll.

Handwerklich zollt GALLANTS seinen Vorbildern augenzwinkernden Respekt, ohne gleich in allzu übertriebende Retro-Optik zu verfallen. Die Farben sind bewusst blass gehalten, als hätte der Film schon etwas länger in der Sonne gelegen. Neue Figuren werden stets mit Standbild und eingeblendeten Kampfnamen vorgestellt.
Inhaltlich werden die Konventionen des Genres hier und da genüsslich auseinandergepflückt. Wie erfrischend, dass Master Law nichts von dem ganzen pazifistisch-philosophischen Kampfkunst-Geschwurbel hören mag, das eh keiner glaubt. Die Richtlinien für die Aufnahme in seine Schule sind klar: Wer bloß Fitness oder die Einheit von Geist und Körper oder sowas sucht, soll gefälligst Rad fahren oder wandern. Kung-Fu lernt man, um zu kämpfen. Gekämpft wird, wie üblich, aus den geringsten Anlässen. Die Kämpfe sind knackig und erdgebunden, cartooneske Spezialeffekte à la KUNG FU HUSTLE kommen nicht vor und werden nicht vermisst. Und ein wenig philosophisch wird es zum Schluss dann doch noch, wenn ein Kämpfer selbst dann ein Sieger sein kann, wenn er nicht gesiegt hat. Der Film ist auf jeden Fall ein Sieger. Zumindest einer der Herzen.











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