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FROM PARIS WITH LOVE (Frankreich 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. FROM PARIS WITH LOVE
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. PIERRE MOREL
Drehbuch. ADI HASAK . LUC BESSON
Musik. DAVID BUCKLEY
Kamera. MICHEL ABRAMOWICZ
Schnitt. FRÉDÉRIC THORAVAL
Darsteller. JOHN TRAVOLTA . JONATHAN RHYS MEYERS . KASIA SMUTNIAK u.a.

Review Datum. 2010-03-15
Kinostart Deutschland. 2010-03-25

Der französische Regisseur Luc Besson führt seit Jahren nicht mehr Regie. Sieht man von seiner Kinderfilm-Animations-Trilogie ab, die jedoch wie eine Blume aus einem Komposthaufen herausragt. Dafür schreibt und produziert Monsieur Besson umso mehr. Und zwar Action-Drehbücher für Filme wie GHETTOGANGZ 2 - ULTIMATUM oder die TRANSPORTER-Trilogie. Aber auch zu 96 HOURS, dem letztjährigen Selbstjustiz-Actioner mit Liam Neeson, in welchem dieser nicht nur einen albanischen Mädchenhändlerring, sondern gleich halb Paris auseinander nahm. Inszeniert hatte jenes vor Klischees triefende Vehikel der ehemalige Kameramann Pierre Morel. Bei dem zehnfachen Einspiel seiner Kosten kann Morels Film durchaus als Hit tituliert werden, spielte 96 HOURS im Alleingang beinahe so viel ein, wie alle drei TRANSPORTER gemeinsam. Eine derart fruchtbare Verbindung gilt es natürlich fortzuführen. Mit verdoppeltem Budget und nicht nur einem, sondern gleich zwei namhaften Hollywood-Stars ausgestattet, schickt sich Morel an, der neue Louis Leterrier zu werden. Was nicht unbedingt als Kompliment verstanden werden muss.

Dem Schema bleibt Morel vorerst treu. Erneut ist es ein Amerikaner, der nach Paris kommt, um dort einige Minderheiten - in diesem Fall Chinesen und Araber - aufzumischen. Hier ist es CIA-Agent Charlie Wax (John Travolta), ein tougher Kerl mit Glatze und Henriquatre-Bart, der eine Terrorzelle in Paris auslöschen soll. Als Partner wird ihm der Junior-Agent James Reese (Jonathan Rhys Meyers) an die Seite gestellt, der im Alltag als Assistent des amerikanischen Botschafters dient. Und dieser sieht schneller Action, als er sich je geträumt hätte. Kaum in der Stadt der Liebe angekommen, entledigt sich Wax statistisch gesehen stündlich eines Gegenspielers, während Reese selbst sich mit einer Vase voller Kokain durch die dunklen Seitengassen von Paris kämpfen muss. Dabei ist die Terrorzelle noch sein geringstes Problem, beginnt sein gegenwärtiger Auftrag nicht nur seine Gesundheit, sondern viel schlimmer noch, die Beziehung zu seiner Verlobten Caroline (Kasia Smutniak) zu gefährden.

Grundsätzlich sollte man sich nichts vormachen, FROM PARIS WITH LOVE ist in vielen Momenten genauso stupide in der klischeehaften und unterschwellig rassistischen Zeichnung seiner Gegenspieler wie der Vorgänger. Hier müssen neben rund zwei Dutzend Chinesen auch noch in etwa dieselbe Zahl an Arabern als Bedroher des westlichen Friedens herhalten. Selbst vor Kindern macht eine derartige Typisierung nicht halt, auch wenn vieles hier von Drehbuchautor Adi Hasak - zum ersten Mal aktiv seit VERSCHWÖRUNG IM SCHATTEN von 1997 - wahrscheinlich mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Der Film verliert sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger erfreulicherweise nicht in der Hatz auf seine Antagonisten, sondern wendet sich einem gefälligeren Genre zu. FROM PARIS WITH LOVE ist kein Selbstjustiz-Actioner, sondern ein Buddy-Film in bester Manier eines LETHAL WEAPON, nur nicht ganz so geglückt.

Als Stimme der Räson findet sich Rhys Meyers - der mit seinem Vandyck-Bart seinen Kollegen Travolta sogar in den Schatten stellt - in dem Danny-Glover-Part wieder. Travolta wiederum geht in seiner Rolle des trigger-happy-Agenten voll und ganz auf. Wie schon in BROKEN ARROW und Konsorten zu sehen, ist ein fies aufspielender Travolta immer noch der beste Travolta. Und wenn ein fieser Travolta den "Helden" darstellt, kann der betreffende Film - in diesem Fall natürlich FROM PARIS WITH LOVE - nicht wirklich schlecht sein. Es handelt sich hier zweifelsohne um Travoltas Film, in dem nicht nur alle anderen Darsteller, sondern meist auch Rhys Meyers lediglich zu Sidekicks und Sparringpartnern degradiert werden. Gekrönt wird die ungemein spaßige Travolta-Show dann noch mit einem Insider-Gag bezüglich seines erfolgreichen Neunziger-Jahre-Comeback-Films PULP FICTION.

Dennoch trägt Rhys Meyers allein schon durch seine Präsenz viel dazu bei, dass Morels neuer Film nicht in dieselbe Sparte abrutscht, wie sein rabiater Vorgänger. Die Handlung wirkt zudem natürlicher, weil im Gegensatz zu Bryan Mills in FROM PARIS WITH LOVE ein Charlie Wax nicht alles alleine machen muss, sondern zum Einen auf Unterstützung der Geheimdienste inklusive Satellitenbilder und Waffenarsenal bauen kann und zum Anderen noch Reese als - zugegeben meist eher lästigen - Sidekick neben sich weiß. Des Weiteren bringt Wax sehr viel mehr Humor mit ins Geschehen, muss er doch nicht wie der Griesgram Mills um das Wohl seiner Tochter bangen, sondern ist als Ein-Mann-Armee ganz in seinem Lizenz-zum-Töten-Element. Insofern ist Morels neuester Film zwar nicht minder gewaltvoll wie sein letzter Streifen, dafür nimmt er sich eine ganze Ecke weniger ernst und präsentiert sich als kumpelhafter Agenten-Actioner in weitaus kurzweiligerem und entsprechend unterhaltsamem Gewand. Mit Morels nächstem Projekt, einer Neuauflage von Frank Herberts DUNE, dürfte er sich da schon schwerer tun.











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