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FAST & FURIOUS FIVE (USA 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. FAST FIVE
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. JUSTIN LIN
Drehbuch. CHRIS MORGAN
Musik. BRIAN TYLER
Kamera. STEPHEN F. WINDON
Schnitt. CHRISTIAN WAGNER
Darsteller. VIN DIESEL . PAUL WALKER . DWAYNE JOHNSON . JORDANA BREWSTER u.a.

Review Datum. 2011-04-21
Kinostart Deutschland. 2011-04-28

Ist ein Film so populär, dass er den Grundstein für eine ganze Filmreihe legt, dann kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass spätestens ab der zweiten Fortsetzung das Franchise den Bach runtergeht. Bei FRIDAY THE 13TH war das genauso der Fall wie bei HALLOWEEN oder HIGHLANDER. Manchmal aber gelingt es solchen Filmreihen aber auch über die Jahre konstant ein gewisses Niveau zu halten, gelegentlich sogar zu verbessern.

Ein Beispiel für letzteres ist die mit THE FAST AND THE FURIOUS vor genau zehn Jahren begonnene Reihe um verbrecherische Autoenthusiasten, auf deren ersten Film eine eher schwache Fortsetzung folgte, die dann aber unter der Regie von Justin Lin mit THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT neuen Aufwind erhielt. Zwar hatte Lins Tokyo-Version des Autorennspektakels nur noch entfernt etwas mit den beiden Vorgängern zu tun, aber die nötige Verbindung konnte der Regisseur dann gleich selbst mit dem vierten Teil der Reihe, FAST & FURIOUS, herstellen. Anders als seine Vorgänger jedoch endete der Film, der erstmals wieder die Hauptdarsteller des Originalfilms um sich vereinte, nicht versöhnlich, sondern eher dramatisch und schlug trotz seines offenen Endes einen eher pessimistischen Tonfall hinsichtlich des scheinbaren weiteren Werdegangs seiner Protagonisten an.

Kein Wunder also, dass sich bald Regisseur Lin und die Darsteller bereit erklärten bei einer weiteren Fortsetzung mitzuwirken, die genau dort ansetzt wo Teil 4 endet: Dom (Vin Diesel), seine Schwester Mia (Jordana Brewster) und ihr Freund Brian (Paul Walker) sind auf der Flucht und landen in Rio, wohin sich Doms Freund aus Kindertagen, Vince (Matt Schulze), nach den Ereignissen des Originalfilms abgesetzt hatte. Pleite und ganz unten angekommen, beschließen die vier einen vorläufig letzten Job durchzuführen und heuern dafür bei dem Gangsterboss Reyes an. Bei einem gemeinsamen Coup mit Reyes Männern jedoch hintergehen die Amerikaner den Brasilianer und werden bald nicht nur vom FBI (in Form des Agenten Luke Hobbs, gespielt von Dwayne Johnson) gejagt, sondern auch von der brasilianischen Unterwelt.

Was sich bereits in Teil Vier andeutete, lässt sich bereits durch diese kurze Zusammenfassung bestätigen: Mit Autorennen und der Tuner-Szene hat das alles nicht mehr viel zu tun. Zwar bietet auch FAST FIVE schnelle Autos und wilde Verfolgungsjagden, die illegalen Straßenrennen Autorennen allerdings sind heuer entweder freundschaftlicher Natur oder spielen sich off-screen ab. Insofern ist FAST FIVE eigentlich eine Mogelpackung, denn strenggenommen müsste man ihn als off-spin der eigentlichen Reihe sehen, da er die Straßenrennen-Thematik gegen einen klassischen heist-Plot tauscht. Diese massive Verlagerung des inhaltlichen Schwerpunkts weg von den Rennen hin zum Coup ist eine Weiterentwicklung, die sicherlich langjährigen Fans eher bitter aufstoßen wird, die aber insgesamt recht erfreulich ist, da sie Redundanzen vorbeugt und Regisseur Lin und seinem Team neue Ansätze für packende Actionszenen ermöglicht. Und von denen gibt es viele, angefangen bei halsbrecherischen Sprüngen über die Häuserdächer der Favelas bis hin zu einem so wohl noch nie dagewesenen destruction derby mit einem riesigen Safe durch die Straßen Rios.

Das alles ist, völlig logisch, komplett unrealistisch und erinnert in seiner Stunt-, Explosions- und Zerstörungsonanie zuweilen an ALARM FÜR COBRA 11 ist aber um vieles besser als die deutsche Serie, denn nicht nur sind die production values einfach um ein vielfaches höher, sodass sich die Kamera an wunderschönen Aufnahmen Rios und detailverliebten Sets delektieren kann, sondern der mit 130 Minuten Laufzeit längste Teil der Reihe nimmt sich auch immer mal wieder etwas Zeit für eine – angesichts des Genres – einigermaßen solide Charakterentwicklung. Klar, wer in einem solchen Film tiefgründige Charaktere erwartet, der sitzt ohnehin im falschen Saal, aber angesichts seines großen Ensembles und vergleichbarer Actionfilme ist FAST FIVE doch einer dieser Filme, die nicht nur die immer gleichen Klischeecharaktere zeigen oder – dort wo sie es tun – diesen Umstand sehr gut kaschieren können.

Hier kommt es dem Film natürlich zugute, dass er nur wenige Protagonisten neu einführen muss, denn der Großteil des Casts ist dem Zuschauer bereits aus den vorangegangenen Teilen bekannt. Die Neulinge sind indes gewöhnungsbedürftig, allen voran Dwayne Johnsons völlig humorloser FBI-Agent, der zunächst reichlich steif wirkt, im Laufe des Films allerdings auftaut und schließlich zu einem akzeptierten, weil manierlichen Gegenspieler avanciert. Ihm zur Seite stehen Elsa Pataky als dann doch leider zu sehr einem bestimmten Klischee folgende, brasilianische Polizistin und Joaquim de Almeida als durchschnittlicher Gangsterboss von der Stange. Gerade bei den Antagonisten zeigen sich dann eben auch besonders deutlich die Schwächen im Drehbuch von Chris Morgan, dem es zwar gelingt die Dynamik innerhalb der Gruppe um Dom einzufangen und all die verschiedenen Charaktere und Storylines zu einem Ganzen zu verweben, der aber wiederum auf der Gegenseite nur die Genre-üblichen Fallstricke und Hilfestellungen spannt und sich nicht allzu große Mühe gibt, das Genre des heist-Films inhaltlich voranzutreiben. Dafür aber gelingt es Morgan die Handlung des Films einerseits mit zahlreichen Wendungen zu spicken, sie andererseits aber auch nicht zu überfrachten. Zwar vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendwas passiert und die Ruhepausen für Charaktere und Zuschauer vergehen mit einem Wimpernschlag, dennoch aber fühlt sich das alles sehr entspannt an. Oder – um es in der passenden Metapher zu sagen – FAST FIVE setzt zwar auf richtig viel Tempo, bleibt aber dabei so smooth, dass man gerne einsteigt.

Trotz einiger Schwächen ist FAST FIVE ein gelungener Actionfilm mit atemberaubenden Stunts und sympathischen Darstellern, die sichtlich Freude an ihrem Job haben. Und auch wenn er sich thematisch vom eigentlichen Sujet der Filmreihe emanzipiert hat, so ist er am Ende doch eine überaus gute Fortführung selbiger und ein guter Eintrag ins Stammbuch der Gangsterfilme. Fazit: Ein unterhaltsamer, kurzweiliger Film und somit einer, bei dem es einem nicht peinlich sein muss, wenn er einem gefällt.











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