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EVAN ALLMÄCHTIG (USA 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. EVAN ALMIGHTY
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. TOM SHADYAC
Drehbuch. STEVE OEDEKERK
Musik. JOHN DEBNEY
Kamera. IAN BAKER
Schnitt. SCOTT HILL
Darsteller. STEVE CARRELL . JOHN GOODMAN . MORGAN FREEMAN . LAUREN GRAHAM u.a.

Review Datum. 2007-07-26
Kinostart Deutschland. 2007-08-09

Jim Carrey ist Gott. So einfach ist das. High Concept-Comedy. BRUCE ALLMÄCHTIG hieß das im Jahre 2003, und Carreys Eskapaden in diesem Film reichten für fünf Gags im Trailer - daß die Alberei letztendlich in schnulzigsten Bekenntnissen zur Gläubigkeit münden würde, wurde da geschickt verschwiegen. Aber warum lange labern, 485 Millionen Dollar Einspiel sprechen eine deutlichere Sprache als der brennende Busch.

Wenn die Kassen lauter klingeln als Kirchenglocken, ist keine noch so simple Idee ausgemolken. Da wenigstens Jim Carrey aber erkannt hat, daß sich hier keine Franchise basteln läßt, muß die "Fortsetzung" auf ihn verzichten. In der Besetzung von BRUCE ALLMÄCHTIG fand sich in einer Nebenrolle Steve Carrell, in den USA dank der dortigen Version von THE OFFICE und dem Überraschungserfolg THE 40 YEAR OLD VIRGIN ein mittelschwerer Star, hierzulande aber hauptsächlich dank des Programmkino-Abräumers LITTLE MISS SUNSHINE ein Begriff. Carrell schlüpft in EVAN ALLMÄCHTIG wieder in seine Rolle als Nachrichtensprecher Evan Baxter, von der er sich allerdings noch vor dem Vorspann verabschiedet, um dem Ruf ins Abgeordnetenhaus zu folgen. Da er sich mit dem Slogan "Change the World" profilieren will, weckt er das Interesse vom lieben Gott (macht's wohl nicht mehr darunter: Morgan Freeman), der ihm einen Auftrag erteilt: Baue eine Arche.

Hier offenbart sich schon der Etikettenschwindel dieses Sequels. Evan Baxter wird keineswegs allmächtig, sondern muß sich sukzessive in Noah verwandeln und gerät somit dank biblischer Frisur und ranziger Klamotten zunehmend in Bedrängnis. Die Tierwelt tritt nur noch im Duo auf und folgt dem Arche-Typ auf Schritt und Tritt. Der böse Senator (John Goodman) wird sauer, die liebende Frau (Lauren Graham von den GILMORE GIRLS) haut mit Kindern ab. Allerdings kehrt sie reumütig zurück, als ihr der liebe Gott in einem Imbiß die Leviten liest.

Was hier ohne Ironie vermittelt wird, ist eine "christliche" Botschaft, die einem die grüne Galle ins Gesicht treibt. Schon nach wenigen Filmminuten muß die hier völlig verheizte Graham ihren Filmehemann dafür rügen, daß er nicht betet. Der Zusammenhalt der Familie wird ebenso gepredigt wie die Sünde der Eitelkeit (da braucht wohl jemand eine Rechtfertigung für Häßlichkeit - kein Wunder, so wie Amerika gerade verfettet; Gott liebt eben auch die dicken Kinder). In diese ekelerregende Fundamentalistensoße wird dann auch noch eine ökologische Botschaft gepreßt, die halbherziger nicht sein könnte. Daß ein erzreaktionärer amerikanischer Film auf dem Bild einer Taube mit Ölzweig im Schnabel endet, ist der reine Hohn und verlangt nach dem ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Leinwand.

Der "Humor" des an Gags erstaunlich armen Films beschränkt sich auf einen immer wieder vom Holzboot fallenden Carrell und jede Menge Pipi-Kacka-Witze aus der Feder von Steve Oedekerk, der wohl niemals die anale Phase verlassen wird. Carrell selbst darf ein paar Mal glänzen, wenn ihn der omnipräsente Gott an den Rand des Wahnsinns treibt, aber dann findet eine bemerkenswerte Wandlung statt: Als er schließlich den Auftrag Gottes annimmt, ist dies weniger eine Hingabe zum Glauben als vielmehr die totale Resignation. Wie das Opfer einer Sektengehirnwäsche schlurft er bedeutungsschwanger über die Planken. Wenn dann schließlich die "Flut" kommt, rast die dicke Dorfbevölkerung voller Panik auf die Arche; nicht etwa, weil Evan sie hätte von irgendeiner Idee überzeugen können.

Wenn die Fahrt beginnt, ahnt man ansatzweise, wo das sagenhafte, obszöne Budget von 175 Millionen Dollar in diesem Film versteckt wurde: Wie auch bei den unerträglichen digitalen Viechern sind es die Effekte aus dem Rechner, die eine recht übersichtliche Bootsfahrt durch Washington erzählen müssen. Die pupsige kleine Geschichte bäumt sich zum albernen Big Finish auf, nachdem sie sich 90 Minuten um sich selbst gedreht hat. Wohl selbst der Frömmste würde nach Ansicht des Films die Kollekte plündern, um sein Eintrittsgeld zurückzubekommen.

Ach ja, noch zwei Beispiele für den "Humor" dieses Films: Evans Frau heißt Joan - also praktisch wie "Joan of Ark", zwinkerzwinker -, und im Kino läuft ein Film namens "The 40 Year Old Virgin Mary". Die teuerste Filmkomödie aller Zeiten ist ganz sicher keinen Cent ihres Budgets wert, und auch keinen Cent Ihres Geldes an der Kinokasse.











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