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DRIVE ANGRY (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. DRIVE ANGRY
Laufzeit in Minuten. 104

Regie. PATRICK LUSSIER
Drehbuch. PATRICK LUSSIER . TODD FARMER
Musik. diverse
Kamera. BRIAN PEARSON
Schnitt. DEVIN C. LUSSIER
Darsteller. NICOLAS CAGE . AMBER HEARD . WILLIAM FICHTNER . BILLY BURKE u.a.

Review Datum. 2011-02-22
Kinostart Deutschland. 2011-02-24

Lassen wir doch zu allererst einmal den Star des Films, Nicolas Cage, zu Wort kommen: "DRIVE ANGRY ist definitiv ein Film für die Spätvorstellung, und genau für dieses Publikum mache ich sehr gerne Filme." In letzter Zeit macht Cage vor allem sehr gerne Filme für gar kein Publikum, und auf jeden sensationellen Auftritt wie zuletzt bei Werner Herzog kommen drei Autopilotflüge in inspirationslosen Möchtegern-Blockbustern. An die meisten seiner Filme wird man sich allenfalls wegen seiner Frisuren erinnern. In diese Haarparade reiht sich auch Patrick Lussiers 3D-Heuler DRIVE ANGRY ein, in dem Cage als untoter Rächer John Milton einen blondierten Otto Waalkes-Vokuhila zur Schau trägt. Ziel seiner Vendetta ist Joshua King (Billy Burke), hauptberuflich Satansanbeter mit Nebenprojekten wie etwa dem Mord an Miltons Tochter und der Entführung ihres Babys zwecks Opferung. Auf der Spur von Milton wiederum ist eine Art Abgesandter des Gehörnten, der sich "der Buchhalter" nennt und von William Fichtner als Christopher Walken-Surrogat gegeben wird. Auf der Jagd gabelt Milton die sexy Kellnerin Piper auf, die natürlich um sich hauen kann wie ein Mann, obwohl sie aussieht wie Amber Heard, die sich ein weiteres Mal zum universell einsetzbaren Blickfang für den ausgehungerten männlichen Kinozuschauer reduzieren lässt. Der Rest? Schießereien, Autojagden, Explosionen; alles nur marginal weniger müde als die zahllosen ranzigen One-Liners, ein bißchen quasireligiöser Blumenkohl oben drauf und ein David Morse, den man so schlecht noch nie gesehen hat.

Regisseur Patrick Lussier, der sich mit dem total eindimensionalen Horror-Remake MY BLOODY VALENTINE einzig und allein der gelungenen 3D-Effekte wegen ein paar Reihen nach vorne spielen durfte, liefert hier ein weiteres Beispiel für einen momentan gerade grassierenden, überaus öden Kinotrend ab. DRIVE ANGRY ist ein Scheißfilm, der total stolz darauf ist, so scheiße zu sein, und dies auch ständig mit Augenzwinkern mitteilen muß. Die angebliche Verneigung vor der Welt des B-Films mißrät zur überflüssigen Parodie, die nicht mal mehr die Vorbilder, sondern längst sich selbst parodiert. DRIVE ANGRY mischt dabei den vulgären Pennälerhumor der CRANK-Filme (so liefert sich Cage etwa eine Schießerei, während er eine Tresenkraft vögelt; sie ruft dabei allen Ernstes weiter "Fick mich") mit extremer Zeitlupenästhetik, die Lussier vielleicht mal bei Peckinpah oder Woo gesehen, aber nicht verstanden hat. Lussiers Action ist unorganisiert und überbeschäftigt, hat weder Druck noch Timing und ist genauso egal wie die extreme Gewalt. In dieser Art von oberflächlichem Klamauk ist es völlig wurst, ob jemand Hand, Fuss oder Kopf abgeschossen werden oder ob junge Frauen ständig mit Vollspann verprügelt werden; spielt doch keine Rolle, alles nur Spaß hihihi wir sind scheisse aber weil wir's wissen isses doch cool.

Aber cool ist hier gar nichts, schon gar nicht die mit dem ewig gleichen Gitarrenriff reingehämmerten Auftritte von Cage; auch nicht der generell unterirdische Redneck-Rock auf der Tonspur, zwischen den sich merkwürdigerweise Peaches rüpeln durfte; nicht die poserhafte, aber völlig akzentfreie Drömmelregie Lussiers und auch nicht der schlichte Schnitt seines Sohnes Devin, der sich hier wohl mal ausprobieren durfte; leider auch nicht William Fichtner, der sich redlich müht, aber jeden seiner Momente von der Regie verschenkt sehen muss. Cool sind allenfalls die tatsächlich sensationell plastischen 3D-Effekte, die Lussier für einige originelle, gar nicht mal so "typische" Szenenauflösungen nutzt, etwa für Überblendungen, Spiegelungen und räumliche Verortung. Davon abgesehen ist das hier ein Film, der postmodern-altklugen Schnöseln, untervögelten Nerds und indifferenten Vollprolls gefallen wird; also eben jenen, die immer für "Hirn aus, Spaß haben" plädieren, aber leider nicht begriffen haben, daß bei ihnen das Hirn generell nie an ist. Für volle Kinokassen wird das nicht reichen. DRIVE ANGRY ist was für Leute, die nicht Filme schauen, sondern DVDs sammeln.











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