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MY BLOODY VALENTINE (USA 2009)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. MY BLOODY VALENTINE
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. PATRICK LUSSIER
Drehbuch. TODD FARMER . ZANE SMITH
Musik. MICHAEL WANDMACHER
Kamera. BRIAN PEARSON
Schnitt. CYNTHIA LUDWIG . PATRICK LUSSIER
Darsteller. JENSEN ACKLES . JAIME KING . KERR SMITH . TOM ATKINS u.a.

Review Datum. 2009-05-20
Kinostart Deutschland. 2009-05-20

Dass es seit Jahren Horrorremakes en masse regnet, ist nichts Neues. Mal gut, mal weniger gut, buhlen sie stets um Anerkennung und ihre Daseinsberechtigung, die nur in wenigen Fällen gerechtfertigt ist. Dass es irgendwann ermüdend würde, war somit also nur eine Frage der Zeit. Und was tut man, wenn man von etwas die Nase voll hat? Richtig, man verändert es, bringt Neuerungen hervor, die das verloren gegangene Interesse wieder aufflammen lassen. MY BLOODY VALENTINE macht sich hierfür das zu nutze, was derzeit in aller Munde ist: 3D-Kino. Was früher mehr Kirmeskino als 3D war, ist heute - in Zeiten der digitalen Projektion - schlichtweg beeindruckend.

Vor allem ist es äußerst erfreulich, dass die Stereoskopie nicht mehr nur im Animationsfilm zum Einsatz kommt, sondern ihren Weg auch in ein Genre wie jenes des Horrorfilmes gefunden hat, der davon nicht nur profitiert, sondern das ganze Genre auch wieder-wiederbeleben könnte. "Wieder-wiederbeleben" meint hier weniger eine Revolution des Genres als vielmehr die Eröffnung von unzähligen neuen Möglichkeiten sowohl auf narrativer, als auch auf Effektebene. So zeigt sich im Remake des kanadischen Klassikers beispielsweise eine Szene, in der eine (nackte) Frau (Betsy Rue) vor dem Killer unters Bett flüchtet und dort weilt, in der Hoffnung dem Minenarbeiter Harry Warden (Richard John Walters) zu entgehen. Doch dieser entdeckte sie schließlich, reist Matratze und Bettwäsche weg, so dass lediglich das Gestelle und der Lattenrost bleiben, die die nackte Frau schützen. Hier zeigt sich in beeindruckender Weise die räumliche Tiefe, die solch eine Art von Kino auf die Leinwand zaubert. Das Bett steht vor uns, zwischen dem Minenarbeiter und Irene - selten zuvor hat Horror den Rezipienten so stark involviert, hat das "Mitten-drin-statt-nur-dabei-Gefühl" für Horror gesorgt.

Doch so begeisternd das Ganze auch klingen mag, so wenig nutzt der Film diese beeindruckende Technik doch. Sich allein auf Effekte zu verlassen ist hier natürlich - trotz aller technischen Spielereien - nicht einmal die halbe Miete. Denn subtrahiert man den technischen Aspekt (der Film wird auch in 2D im Kino zu sehen sein), dann bleibt unterm Strich nicht viel mehr als eines ebenjener Horrorremakes, die immer wieder dieselben Fehler machen. So bleibt der Cast von MY BLOODY VALENTINE größtenteils enorm blass, kaum einer der Darsteller kommt über den Schablonencharakter hinaus, der er auf dem Papier ist.

Und auch atmosphärisch bleibt Lussiers Film deutlich unter seinen Möglichkeiten, erst recht – man kann es nicht oft genug erwähnen – mit den technischen Möglichkeiten, die ihm (seines Zeichens Editor bei vielen Craven-Filmen und daher dem Genre nicht gerade fremd) zur Verfügung stehen. Natürlich ist beispielsweise auch der Vorspann, der in Zeitungsüberschriften gehalten ist, ein Highlight, aber das war es dann auch schon wieder, denn danach kommt der Film über reine Effekthascherei kaum mehr hinaus - es wird gemordet und das sehr blutig (wobei man gewisse Erwartungen, die der Trailer oder erste Besprechungen heraufbeschwörten, wieder fallen lassen sollte, denn das Ganze ist weiß Gott keine neue Schlachtplatte, dafür wurde in den letzten Jahren schon deutlich expliziter gemetzelt), ja, aber das und die Stereoskopie bleiben dann auch schon die einzigen nennenswerten Highlights des Filmes.

Kurzum: würde sich MY BLOODY VALENTINE nicht die 3D-Technik zu Nutze machen, wäre er ebenso schnell vergessen wie das gestrige Mittagessen. Da das Auge aber mitisst, bleibt wenigstens das Äußere hängen, und das noch sehr lange. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Jahren in Sachen 3D noch auf uns zukommen wird - James Camerons AVATAR wird dabei sicherlich eine nicht gerade unbedeutende Rolle spielen. MY BLOODY VALENTINE hat den Weg für den Horrorfilm geebnet, jetzt muss das Genre die neue alte Technik nur noch sinnvoll nutzen.











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