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DRIVE (USA 2011)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. DRIVE
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. NICOLAS WINDING REFN
Drehbuch. HOSSEIN AMINI
Musik. CLIFF MARTINEZ
Kamera. NEWTON THOMAS SIGEL
Schnitt. MATTHEW NEWMAN
Darsteller. RYAN GOSLING . CAREY MULLIGAN . BRYAN CRANSTON . ALBERT BROOKS u.a.

Review Datum. 2012-01-23
Kinostart Deutschland. 2012-01-26

Regisseur Nicolas Winding Refn hat sich mit Filmen wie seiner PUSHER-Trilogie und VALHALLA RISING eine kleine, aber eingeschworene Fangemeinde erarbeitet und konnte auch bei der Kritik immer wieder punkten. Auch DRIVE wird seit seinem US-Start im Herbst nicht nur von der amerikanischen Kritik durch die Bank gefeiert und als nicht nur spannendes, sondern auch intelligentes, anspruchsvolles Action-Kino gelobt, was ein Bisschen verwundert: DRIVE ist inhaltlich letztlich nicht viel mehr als der übliche Action-Einheitsbrei durch den Hipsterfilter betrachtet - dabei aber durchaus sehenswert.

Der namenlose Held (Ryan Gosling) arbeitet tagsüber als Stuntfahrer für Actionfilme, nachts fährt er gegen Geld anonym den Fluchtwagen für Diebstähle und Raubüberfälle. Außer seinem Freund Shannon (Bryan Cranston), in dessen Werkstatt er aushilft, pflegt er keine sozialen Kontakte - bis er seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennenlernt, die, da ihr Ehemann Standard (Oscar Isaac) im Gefängnis sitzt, allein für ihren Sohn Benicio sorgt. Als Standard aus dem Gefängnis entlassen wird droht der Gangster Cook (James Biberi), dem er noch Schutzgeld schuldet, ihm und seiner Familie und zwingt ihn, ein Pfandhaus zu überfallen. Um Irene und Benicio zu schützen bietet sich der Protagonist als Fahrer für den Überfall an, der jedoch nicht wie geplant verläuft.

DRIVE punktet nicht mit neuen Ideen. Der Plot ist simpel und konventionell, die Charaktere eindimensional, die Rollen klar verteilt: Die Männer fahren schnelle Autos und drehen krumme Dinger, während Carey Mulligan als menschlicher MacGuffin in erster Linie mal kokett, mal hilfesuchend, aber immer hinreißend niedlich in die Kamera blicken muss.

Was DRIVE aber eben doch von Action-Massenware abhebt ist Refns Inszenierung. Statt über interessante Charaktere, Plot oder Ideen funktioniert DRIVE über Atmosphäre und Stimmungen. Über weite Strecken im Mittelteil dominiert den Film eine fast schon kitschige Romantik. Wenn sich Goslings und Mulligans Figuren zu träumerisch-schönen Bildern und 80s-Retro-Soundtrack einander annähern ruft das - bedenkt man, dass man als Zuschauer nie wirklich eine Beziehung zu den platten Figuren aufbaut - beeindruckend zielsicher Emotionen hervor. Daneben stellt Refn im dritten Akt kurze, plötzliche Ausbrüche expliziter Gewalt, die im Kino selten so spürbar ist wie hier.
Vor allem jedoch beweist Refn sein Können in den Verfolgungsszenen, die, anders als der Trailer es suggeriert, spärlich gesät sind. Statt der üblichen hektischen Inszenierung mit Wackelkamera und schnellen Schnitten gibt sich Refn auch in diesen Actionmomenten beherrscht und lässt den Zuschauer vor allem die Anspannung seines Protagonisten spüren.

Bei aller Präzision in der Inszenierung ist DRIVE aber eben doch style over substance. So unterhaltsam, so fesselnd der Film unmittelbar wirkt, so intensiv das Erlebnis, am Ende ist er eben doch ein recht schnörkelloser Actionfilm ohne inhaltlichen Mehrwert. Verpassen sollte man den Film deshalb auf keinen Fall, doch der allgemeine Hype erscheint ein wenig überzogen.











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