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DREAMGIRLS (USA 2006)

von Edda Baumann-von Broen

Original Titel. DREAMGIRLS
Laufzeit in Minuten. 131

Regie. BILL CONDON
Drehbuch. BILL CONDON . TOM EYEN
Musik. HENRY KRIEGER
Kamera. TOBIAS A. SCHLIESSLER
Schnitt. VIRGINIA KATZ
Darsteller. JAMIE FOXX . BEYONCÉ KNOWLES . EDDIE MURPHY . DANNY GLOVER u.a.

Review Datum. 2007-01-13
Kinostart Deutschland. 2007-02-01

Bei der Presseführung Gegrummel in den Reihen neben mir: da wird ja die ganze Zeit gesungen. Na so was, DREAMGIRLS ist ja schließlich auch die Verfilmung eines sehr erfolgreichen Musicals am Broadway. In dem auch David Geffen bereits in den späten 70ern seine Fingerchen hatte. Ich kann mich gut dran erinnern, als ich 1987 nach New York zog, gab es gerade ein großes Revival des Stücks am Broadway.

Sehr uncool, dachte ich damals. Ich bin bin kein Fan von Motown, da mein Herz Stax gehört und fand immer, dass die Geschichte der weißgewaschenen Musik von Motown als noch weißer gewaschenes Broadway-Musical recht wenig Appeal hatte.

Da war aber auch nicht Eddie Murphy dabei. Eddie Murphy ist genauso crazy wie Mickey Rourke und manchmal richtig gut. Zu der Zeit, als sich midtown gerade mal wieder an den Dreamgirls erfreute, erzählte man sich downtown süffisant das Gerücht, daß die Bullen den guten Eddie immer wieder bei den Prostituierten mit Schwänzen im Meat Market District erwischten.

Warum ich das alles erzähle? Weil schwarz und weiß eben nie nur das in Amerika ist und auch ein Film, der auf einem Musical basiert, das von dem Aufstieg und Fall der Supremes inspiriert ist, immer die Rassenfrage mitschleppt.

Beyoncé ist eine Super-Besetzung, da sie ja auch im wahren Leben den totalen Cross-Over geschafft hat, während Eddie nie wirklich ins Haus gelassen wurde. Jamie Foxx als Vertreter der neuen Generation schwarzer Schauspieler ist auf dem Sprung in die farbenblinde Welt der Top-Liga. Wieviel er mit minimalem Aufwand und trotz Liedergeträller erreicht, ist erstaunlich. Ein böser, böser Berry Gordy, Verzeihung, Curtis Taylor jr., den er da spielt.

Aber Eddie Murphy ist die Seele des Films. Der Sänger, der den Soul nicht aus den Lenden bekommt und dafür von Jamie Foxx geschaßt wird. Eine tragische Figur, eine Mischung aus James Brown, Marvin Gaye und Jackie Wilson, die den Weg freimachen muss für den Pop-Sound der "Dreams", mit dem man die weißen Charts erobern will. Murphy dreht frei und zeigt diesen Sänger, der seinen Halt und seinen Platz in der Welt verliert, als er versucht, den Weißen zu gefallen.

Danny Glover gibt routiniert mit Herz den alten Manager von Eddie Murphy, die Musik ist leider überwiegend Broadway-Grütze. Dass Beyoncé natürlich besser singen kann als Diana Ross, darf sie hier nicht beweisen. Schließlich wird sie und nicht die stimmgewaltige Effie White Sängerin der "Dreams", weil sie nicht so schwarz klingt. Auch Effie wird von Jamie Foxx sowohl aus der Band als auch aus dem gemeinsamen Bett eliminiert.

Wenn die Sängerin Jennifer Hudson aka Effie - unschwer erkennt man hier die tragische Geschichte von Florence Ballard - als Antwort auf diese Schweinerei zum Top-"du musst-mich-doch weiterlieben"-Song And I am Telling You I'm Not Going ansetzt, dann ist das religiöse Eiferei. Man möchte man aufspringen und "Sing It, Sister" rufen. Jawohl, das ist die Kirche des Soul. Auch wenn man froh ist, dass man nicht in der Haut des Angebeteten steckt. Dass Jennifer Hudson gerade noch Finalistin bei "American Idol," also "Deutschland sucht den Superstar" auf amerikanisch war, dreht die Geschichte um den Ausverkauf von Musik ein bißchen um die eigene Achse, aber: Schwamm drüber.

Alles in allem ist DREAMGIRLS um Klassen besser als CHICAGO und irgendwie stört die period piece-Optik deutlich weniger als bei RAY. Am Ende, wenn die Credits laufen, weiß man wieder, wo der Hammer hängt: Eddie Murphy hat nämlich nicht nur zwei persönlichen Assistenten benötigt, sondern als Einziger auch einen Executive Assistant. Wer hat, der hat.











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