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DON'T BREATHE (USA 2016)

von André Becker

Original Titel. DON'T BREATHE
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. FEDE ALVAREZ
Drehbuch. FEDE ALVAREZ . RODO SAYAGUES
Musik. ROQUE BANOS
Kamera. PEDRO LUQUE
Schnitt. ERIC L. BEASON . LOUISE FORD . GARDNER GOULD
Darsteller. JANE LEVY . STEPHEN LANG . DYLAN MINNETTE . DANIEL ZOVATTO u.a.

Review Datum. 2016-09-07
Kinostart Deutschland. 2016-09-08

Bereits mit dem (durchaus umstrittenen) EVIL DEAD-Remake bewies Fede Alvarez ein sicheres Händchen für die Inszenierung von Horror und Nervenkitzel. Sein nächster abendfüllender Schocker, der von Sam Raimi mitproduzierte DON'T BREATHE untermauert diesen Eindruck noch einmal nachhaltig. Ein überaus rasanter, von der ersten Minute an packender Terrorstreifen, der sein Publikum mit elektrisierender Hochspannung unter Strom setzt und kräftig mitzittern lässt.

Als Hauptfigur glänzt die Jungschauspielerin Jane Levy, die in die Rolle der Einbrecherin Rocky schlüpft. Zusammen mit ihren Kumpels Alex (Dylan Minnette) und Money (Daniel Zovatto) steigt die Kleinkriminelle in fremde Häuer ein, um die Bewohner um ihr Hab und Gut zu bringen. Richtig absahnen konnte das Trio zwar bislang noch nicht, ein großer Coup ist aber in greifbarer Nähe. Das Haus eines blinden alten Mannes (diabolisch: Stephen Lang) scheint dafür genau der passende Ort zu sein, vermuten die drei in der Behausung doch einen Batzen Geld. Als sie sich eines Abends Zutritt in das baufällige Haus verschaffen, ahnen sie noch nicht, das sie dort mehrere böse Überraschungen erwarten, die ihre kühnsten Albträume wie Kindergeburtstage aussehen lassen.

DON'T BREATHE kommt rasch und unerbittlich zur Sache. Auf unnötige Nebenhandlungen oder sonstiges Füllmaterial wird deshalb komplett verzichtet. Auch bei der Einführung der Hauptfiguren beschränkt sich das Drehbuch auf das Wesentliche. Klar abgesteckt sind die Intentionen der Truppe. Rocky, die mit der erbeuteten Kohle ihre kleine Schwester aus dem White-Trash-Umfeld befreien will, der unsympathische Randalierer Money, der nur auf das große Geld aus ist, sowie der softe Alex, der heimliche Gefühle für die scheue Rocky hegt. Alvarez führt diese Stereotypen ein, schafft es dabei aber glücklicherweise die ganz großen Klischees auszusparen. Das tut dem Film sichtbar gut, wird dadurch doch vermieden, dass die Figuren zu weit von der Lebensrealität seines Publikums abweichen und sie als Persönlichkeiten greifbar bleiben.

Nachdem das Trio das Haus betreten hat beginnt für sie ein nicht enden wollender Abstieg in die Hölle. Alvarez nutzt dafür gezielt ausgewählte Motive des Horrorfilms, die er mit verschiedenen inszenatorischen Mitteln filmisch abbildet. Sei es das von einem unwirklichen Licht umgebene Haus mit seinen knarzenden Dielen, den unergründlichen Ecken, Winkeln und geheimen Räumen, oder ganz allgemein die Rolle des fast übermenschlich starken, psychopathischen Antagonisten, der vor allem für die junge Rocky ganz eigene, sinistere Pläne hat. Ähnlich wie der Gruselfilm LIGHTS OUT spielt der Regisseur diesbezüglich häufig mit dem Kontrast von (schummriger) Helligkeit und absoluter Dunkelheit. Eine ganz besondere Rolle wird jedoch der akustischen Ebene zugewiesen. In mehreren hochspannenden Sequenzen geht es gerade um das Ausharren, das Nicht-entdeckt-werden inmitten der Anwesenheit des Gegners. Jedes Geräusch wird hier auf furiose Weise zur Steigerung der Spannung verwendet, mal betont bedächtig, mal in Form von fiesen Jump-Scares, die allerdings nie Überhand nehmen und stets wirkungsvoll eingesetzt werden.

DON'T BREATHE ist somit vor allem ein hochgradig spannender Film. Das es Alvarez tatsächlich gelingt das eh schon hohe Spannungslevel im Schlussakt mit immer neuen Gefahrensituationen noch einmal zu steigern ist beachtlich. In der Gesamtbetrachtung muss zudem hervorgehoben werden, wie perfekt die einzelnen Bausteine der Inszenierung ineinander greifen. Die phantastische Kameraarbeit trägt zusammen mit der hervorragenden musikalischen Untermalung entscheidend dazu bei, dass der Horrorthriller auf dem rein formalen Niveau eine geradezu beängstigend (was schon wieder zum Film passen würde) gute Performance abliefert.

Das der Verlauf der Geschehnisse stets unberechenbar bleibt ist ein weiterer, glasklarer Pluspunkt. Das Skript hat in diesem Kontext einige wahrhaft makabre Überraschungen und Zuspitzungen eingebaut, die es wirklich in sich haben. Wie so oft gilt hier die Empfehlung, die schon fleißig im Web kursierenden Trailer komplett zu ignorieren, da diese mitunter mehr verraten, als andeuten und einige Twists bereits erahnt werden können.

Im, mittlerweile arg ideenlos dahindümpelnden, Horror/Thriller-Genre ist DON'T BREATHE insofern ein klares Highlight, das in Punkto nervenzerhackender Spannung und Suspense in diesem Jahr höchstwahrscheinlich nicht mehr zu toppen sein wird. Für das Regietalent Fede Alvarez sollten nach diesem spektakulären Knaller in der Traumfabrik jedenfalls alle Türen für weitere Projekte offenstehen.











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