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DEAD MAN DOWN (USA 2012)

von André Becker

Original Titel. DEAD MAN DOWN
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. NIELS ARDEN OPLEV
Drehbuch. J.H WYMAN
Musik. JACOB GROTH
Kamera. PAUL CAMERON
Schnitt. FREDERIC THORAVAL
Darsteller. COLIN FARRELL. NOOMI RAPACE. DOMINIC COOPER. ISABELLE HUPPERT u.a.

Review Datum. 2013-04-08
Kinostart Deutschland. 2013-04-04

DEAD MAN DOWN ist das Hollywooddebüt des Dänen Niels Arden Oplev, der mit der ersten Verfilmung des Stieg Larsson Beststellers Verblendung Fans der literarischen Vorlage und Kritiker gleichermaßen begeistern konnte. Oplev bleibt auch in seinem neuesten Werk im unterkühlten Thrillergenre und versammelt mit Colin Farrell, Noomi Rapace und Altstar Isabelle Huppert ein eindrucksvolles Staraufgebot. Der erstaunlich zurückhaltend inszenierte Großstadtthriller setzt ganz auf seine Figuren und die Entwicklung der Geschichte. Schade nur, dass es Oplev kaum schafft seine Story halbwegs interessant zu gestalten und zudem die Ausarbeitung der Hauptfiguren nicht wirklich überzeugen kann.

Seit mehreren Monaten ist Victor (Colin Farrell) Mitglied der Untergrundorganisation von Alphonse (Terrence Howard). Die Geschäfte laufen gut, Sorgen bereiten Alphonse jedoch die mysteriösen Nachrichten, die ihn seit einiger Zeit erreichen und die mehrere Todesfälle seiner Gangmitglieder nach sich ziehen. Victors Kumpel Darcy (Dominic Cooper) macht sich auf die Suche nach den Hintermännern und glaubt bereits eine erste Spur zu haben. Währenddessen tritt die mysteriöse Beatrice (Noomi Rapace) unvermittelt in Victors Leben. Die nach einem Autounfall im Gesicht mit mehreren Narben gezeichnete Französin wohnt zusammen mit ihrer schwerhörigen Mutter (Isabelle Huppert) im Haus gegenüber und kämpft immer noch mit den psychischen Folgen des Unfalls. Als sich die beiden zu einem Abendessen treffen offenbart Beatrice dem verblüfften Victor, dass sie ihn bei einem Mord beobachtet hat. Sie verspricht ihn nicht zu verraten unter der Bedingung, dass er den Unfallverursacher tötet. Victor bleibt nichts anderes übrig als einzuwilligen und beginnt den Mann zu beschatten. Kurze Zeit später erfährt Beatrice, dass Victor eigene Rachepläne verfolgt und mit einem perfiden Plan (die mysteriösen Zettel gehen natürlich auf sein Konto) versucht Alphonse auszuschalten. Beide kommen sich näher, obwohl Beatrice auch weiterhin Victor drängt ihren Deal einzuhalten. In der Zwischenzeit tragen Darcys Anstrengungen Früchte und er findet heraus, wer die Morde begangen hat. Darcy entführt Beatrice und zwingt Victor sich zu stellen. Dieser ist jedoch nicht bereit einfach kampflos aufzugeben.

Das größte Problem von DEAD MAN DOWN ist sicherlich, dass die Figuren viel zu schablonenhaft gezeichnet sind und ihre Handlungen absolut vorhersehbar ausfallen. Das nimmt dem Film sämtliche Spannung und die im Kern gar nicht mal so uninteressanten Figurenkonstellationen verlieren dadurch schnell ihren Reiz. Die Rolle des Victor umschifft am Anfang recht geschickt eine klare Einordnung, wird aber im Filmverlauf in die geordneten Bahnen des good guy-Charakters gelenkt. Eine ähnlich langweilige Entwicklung macht die Figur der Beatrice durch. Zunächst als klare Opferrolle angelegt wird die explizite Einordnung als gebrochene Person durch die Genese als hasserfüllter Racheengel aufgebrochen. Aber auch hier schwenkt Oplev um, so dass Beatrice am Ende ähnlich wie Victor als Sympathieträgerin fungiert - wenn auch weniger eindeutig als sonst üblicherweise im Mainstreamkino ausformuliert.

Darüber hinaus ist DEAD MAN DOWN eine Spur zu lang geraten. Einzelne Dialoge wirken mitunter angestrengt bedeutungsschwanger und ziellos in ihrer Kontextualisierung. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Insbesondere da streckenweise das Potential des Films durchschimmert, etwa in den ersten fünf Minuten, wenn Victors Kumpel Darcy mit wenigen Wort die Beziehung zu seinem Kind umschreibt. Auch die Nebenfiguren erhalten zum Teil zu viel Raum, ohne das klar ist, welchen Zweck sie eigentlich erfüllen sollen. Die Rolle der Mutter von Beatrice ist nicht nur wenig durchdacht angelegt, sondern auch vollkommen unwichtig für die Story. Im Gegensatz dazu hätte man sich für Darcy mehr Screentime gewünscht. Insbesondere da der Aspekt der Freundschaft gegen Ende des Films eine immer größere Relevanz erhält, jedoch nicht glaubwürdig im Vorfeld abgebildet wird.

Weiterhin muss man dem Film vorwerfen im letzten Drittel mit dem Wechsel in die Mechanismen und Regeln des Actionfilms Erwartungen heraufzubeschwören, die de facto nicht erfüllt werden. Der große Showdown ist für das actionaffine Publikum dann einfach nicht spektakulär genug und außerdem wenig mitreißend inszeniert. Im Vergleich mit der ruhigen Erzählweise der vorherigen Filmminuten wirkt das bleihaltige Finale zudem aufgesetzt und wie ein Zugeständnis an das Blockbusterkino. Weitaus besser beherrscht Oplev die Sequenzen in denen langsam aber effektiv Spannung aufgebaut wird. Zu nennen sind hier die Szenen in denen unklar ist, ob Victor schlussendlich auffliegt und enttarnt wird. Zusammen mit dem ausgefeilten Schnitt und dem zurückhaltenden Score wird in diesem Momenten deutlich, dass der Regisseur und sein Team ihr Handwerk verstehen. Letztendlich gibt es derartige Lichtblicke aber viel zu selten.

Was bleibt sind die soliden schauspielerischen Leistungen der Darstellerriege und einige schöne Kameraeinstellungen des nächtlichen New Yorks. Im Endeffekt ist DEAD MAN DOWN keine totale Gurke, aber in mit seiner allumfassenden Mittelmäßigkeit und den verschenkten Möglichkeiten definitiv auch kein Highlight.











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