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CAPTIVITY (USA/Russland 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. CAPTIVITY
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. ROLAND JOFFÉ
Drehbuch. LARRY COHEN . JOSEPH TURA
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. DANIEL PEARL
Schnitt. RICHARD NORD
Darsteller. ELISHA CUTHBERT . DANIEL GILLIES . PRUITT TAYLOR VINCE . MICHAEL HARNEY u.a.

Review Datum. 2007-08-28
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Folterporno. Was von manchen deutschen Möchtegern-Schlauis schön dumpfbackig pseudointellektuell als "feuilletonistischer Begriff" abgetan wird, bestimmt nun mal das derzeitige Horrorkino und wird seit Neuestem in der hiesigen Filmkritik auch noch lässig als authentischer Genrebeitrag gepriesen (siehe deutsche Rezensionen genreferner Publikationen zu Eli Roths tumbem Klopper HOSTEL 2). Logische Reaktion ist das müde Abwinken der Hardcore-Fans, allein die viehisch brutale SAW-Reihe scheint noch leichtes Zucken in der Blutwurst auszulösen. In den USA, wo die rote Brühe angerührt wird, zuckte man nun gesammelt zusammen, als eine zugegebenermaßen geschmacklose Werbekampagne den Film CAPTIVITY bewarb und nach Protesten zurückgezogen wurde.

Der Tiefpunkt des an tiefen Punkten reichen Torture Porn-Subgenres wurde ausgerufen, die angelsächsische Kritik sprach vom untersten Level der Abartigkeit. Man fragt sich, wieso. CAPTIVITY hat nichts mit den Auswüchsen und Epigonen der SAWS und HOSTELS dieser Welt zu tun. Weder ist er sonderlich brutal noch ausgesprochen krank, noch biedert er sich in irgendeiner Form den Gorebauern an. Ja, es gibt zwei kurze Folter- bzw. Splatterszenen, aber die sind so eindeutig als völlig deplatzierte Nachdrehs zu erkennen, daß man sie unmöglich in eine Bewertung des Films einfließen lassen kann. Durch diese Versuche, ein SAW-ähnliches Marketing zu rechtfertigen, wirkt CAPTIVITY allenfalls noch dämlicher.

Der Film sieht - wie seine von TV-Nerds dieser Welt ins Bettchen gesehnte Hauptdarstellerin - gut aus, was man aber von Regisseur Roland Joffé auch erwarten konnte. Ja genau - der Roland Joffé. Zweimal für den Oscar als bester Regisseur nominiert, mit THE KILLING FIELDS und THE MISSION sicherlich eine Fußnote in der Filmgeschichte wert. Wenn man mal ehrlich ist, waren aber auch diese beiden Filme nicht herausragend, und alle folgenden Flops waren der konsequente Weg zu dem nun verfilmten Drehbuch von Larry Cohen, dem Meister der unausgereiften guten Idee.

Elisha Cuthbert wird - zum gefühlt siebenundzwanzigsten Mal in ihrer Karriere - entführt und gequält. Als verwöhntes Topmodel, das in ihrer Zelle verängstigt zum Teddy greift und ihn an sich drückt, darf sie kein Jota unserer Sympathie wecken. Während die Cops (trocken und gut: Michael Harney und Laz Alonso) nach ihr suchen, muß sie kleine Folterspielchen über sich ergehen lassen, findet aber in einem mitgefangenen Leidensgenossen einen mitgehangenen Helfer. Gary (Daniel Gillies) sieht auch ganz knorke aus und darf bald den Teddy ersetzen und all das machen, was das Bärchen nicht kann. Ein Plot Twist, der mit der Unvorhersehbarkeit eines Busfahrplans heranrollt, rettet das schleppende Gefeixe nicht vor dem Absturz.

Die Todsünde von CAPTIVITY ist kein Gewaltexzess, sondern schlichtweg völlige Spannungslosigekeit. Für die schicke Cuthbert, die sich in immer schnelleren Abständen umziehen muß, um sie auch ja für jeden Geschmack einmal auszustatten, empfindet man keine Empathie. Daher ist einem auch egal, wer ihr warum an die Wäsche will. Joffés Film ist alles andere als skandalös oder kaputt, im Gegenteil: CAPTIVITY ist ein stinknormaler Konfektionsthriller, der keinem so recht weh tut und den auch keiner sehen muß. Joffés nächster Film heißt FINDING T.A.T.U.. Keine weiteren Fragen.











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