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CANNIBALS (USA/Australien 2007)

von Sebastian Selig

Original Titel. WELCOME TO THE JUNGLE
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. JONATHAN HENSLEIGH
Drehbuch. JONATHAN HENSLEIGH
Musik. nicht bekannt
Kamera. nicht bekannt
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. SANDI GARDINER . CALLARD HARRIS . NICKOLAS RICHEY . VERONICA SYWAK u.a.

Review Datum. 2007-10-01
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Es scheint eines der in Stein gegossenen Gesetze der Filmindustrie zu sein, dass es dem Horror-Film immer nur gegönnt ist in Welle aufzuschlagen. Wie kaum ein anderes Genre ist er einfach dazu prädestiniert, immer dann, wenn es einem Film gelungen ist durch Grenzüberschreitung einen Nerv zu treffen und trotz niedrigem Budget auch breite Mainstream-Massen anzuziehen, kurz darauf eine Bande von Nachzüglern auf den Plan tritt, deren Hauptmotivation zur Kamera zu greifen von der simplen Formel "Geringer Mitteleinsatz, hoher Profit" gesteuert wird. In der Folge entsteht dann so völlig uninspirativer Müll wie WELCOME TO THE JUNGLE, der mittelfristig erst mal wieder dafür sorgt, dass wieder eine Weile Ruhe im Karton ist.
Man braucht nicht viel Fantasie, um sich das Pitch-Meeting zu diesem Film vorzustellen: was kommerziell ja gerade gut zu funktionieren scheint, ist mit der Angst vor der Fremde zu spielen, ganz gleich ob die im heimischen Backwood oder eben im fernen Ost-Europa liegt. Passt einfach super in eine von außenpolitischen Horror-Meldungen und globalen Urlaubsplänen geprägte Gesellschaft. Das verknüpft mit Authentizität vortäuschender (und vor allem sehr billiger) DV-Wackelkamera, verstärkt noch durch einen pseudo-based-on-a-true-story-Aufhänger, mit dem sich vielleicht (mit viel Hoffnung) das Internet-Ding in Fahrt bringen lässt. Was dann immer noch zieht ist die Remake-Schiene. Noch besser, eine "Hommage" – so spart man Lizenzkosten und die Nerds werden schon auch so merken, was hier nachgespielt wird und sich dann sogar umso toller vorkommen es erkannt zu haben.
In der konkreten Umsetzung, sieht so was dann so aus: wir schicken die selben unsympathischen HOSTEL-Kotztypen dieses mal in den Dschungel von Neu Guinea. Lassen sie dort nach einem verschwundenen Rockefeller-Erben suchen (gab es echt, also kind of: based on a true story), lassen sie sich dabei selbst mit ihren schrottigen Urlaubs-DV-Kameras filmen ist, was zum einen und vor allem billig ist, sich bei BLAIR WITCH PROJEKT ja schon mal bewehrt hat und in diesem Fall zudem noch auf die Vorlage verweist, handelt es sich doch bei WELCOME TO THE JUNGLE um nichts anderes, als ein ziemlich unverholendes CANNIBAL HOLOCAUST-Remake).
Nur leider sind Jonathan Hensleigh (schon für das eher unmutige PUNISHER-Remake verantwortlich), wie auch sein Gattin und Produzentin Galen Anne Hurt (ALIEN, TERMINATOR, sprich: eigentlich talentiertes Umfeld gewohnt) offensichtlich kreuzbrave Menschen, die einigermaßen verschreckt gewesen sein dürften, als sie sich dann CANNIBAL HOLOCAUST tatsächlich einmal angesehen haben. Entsprechend gibt es in diesem Aufbruch in fremde Welten, natürlich keine echten toten Tiere zu sehen, der kolonialistisch, rassistische Blick auf die Dschungelbewohner wird größtmöglich runtergespielt und natürlich findet Gewalt dann eher auch nur im Off statt. Würde man hier eine Szene rausnehmen, das Ganze würde, was die Gewalt angeht, problemlos mit einem PG-13 durchkommen. Für den Zuschauer heißt das konkret einem unglaublichen Rumgeeier beiwohnen zu müssen, bei dem in nicht enden wollender Weise alles nur in auf Zeit spielenden Dialogen durchgesprochen wird, anstelle das tatsächlich etwas passiert.
Das ist aber bei allem noch nicht einmal das Schlimmste. Was an WELCOME TO THE JUNGEL wirklich nervt ist, wie absolut gar nicht hier der pseudo-dokumentarische Ansatz funktioniert. Das hat beinahe schon Lehrfilm-Qualität in Bezug darauf, wie hier jeder nur denkbare Fehler gemacht wird um dem Zuschauer immer wieder zu versichern, keine Angst, ist nur ein Film. Dadurch das hier wirklich jeder Kamera-Wackler, jeder noch so gewollt beiläufig aufgenommene Dialog, aber auch so was von ausgedacht wirkt, wird dieser Trip in den Dschungel (der zudem nie wie ein solcher aussieht) zur wahren Tortur. Was gibt es schlimmeres, als schlechten Schauspielern dabei zusehen zu müssen, wie sie sich abmühen, eben erst auswendig gelernte Sätze, möglichst "natürlich" klingen zu lassen?
Spannende "Überraschungen" bekommt man dabei immer nach dem gleichen Prinzip serviert: einer filmt gerade wie zwei sich streiten oder gemeinsam die Karte studieren, plötzlich ist da was scheinbar beiläufig aufgenommenes im Hintergrund. Kurzer verwackelter Schwenk auf irgendwas bedrohliches, gespieltes erschrecken, Panik, verwackeltes Weggerenne. Dem sollte man sich anschließen.











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