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BOBBY (USA 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. BOBBY
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. EMILIO ESTEVEZ
Drehbuch. EMILIO ESTEVEZ
Musik. MARK ISHAM
Kamera. MICHAEL BARRETT
Schnitt. RICHARD CHEW
Darsteller. WILLIAM H. MACY . CHRISTIAN SLATER . DEMI MOORE . SHARON STONE u.a.

Review Datum. 2006-12-20
Kinostart Deutschland. 2007-03-08

BOBBY ist ein Ensemble-Drama, dass die kleineren oder größeren Probleme einer Vielzahl (rein fiktiver) Personen zeichnet, die im Ambassador-Hotel in LA arbeiten, "leben" oder eingecheckt sind. Man schreibt den 4. Juni 1968. Robert ("Bobby") Kennedy wird hier seinen Sieg bei der kalifornischen Vorwahl für die Präsidentschaftswahl feiern und knapp nach Mitternacht beim Verlassen des Hotels durch die Küche einem tödlichen Attentat zum Opfer fallen.
Folgerichtig konzentriert sich der Film zu einem Gutteil auf das Küchenpersonal. Laurence Fishburne gibt den Chefkoch, der jedoch beim fatalen Höhepunkt des Abends fehlen wird, Christian Slater den soeben vom Manager Ebbers (William H. Macy) geschassten Personalleiter. Vertrat er doch die Meinung, dass der Großteil des Küchenpersonal als illegal Beschäftigte ohnedies nicht wählen können und dementsprechend keine Dienstfreistellung dafür benötigen. Er wird sich für die Kündigung revanchieren und Ebbers' Frau (Sharon Stone) dessen Verhältnis zur Telefonistin (Heather Graham) stecken.

Derlei Episodchen hat der Film viele anzubieten und recht wenige davon haben wirklich etwas mit dem Attentat zu tun. Stattdessen versucht Estevez möglichst viele Zeichen der Zeit unterzubringen, etwa wenn Lindsay Lohan Elijah Wood heiraten will. Nicht aus Liebe, sondern um ihn vor der Einziehung nach Vietnam zu beschützen. Oder wenn eine tschechoslowakische Reporterin als "kommunistische Propagandistin" nicht zu ihren sehnlichst erwünschten Interview mit Kennedy vorgelassen werden soll, da in USA niemand so wirklich über die Folgen des Prager Frühlings bescheid weiß.
Manche der Geschichten sind wirklich witzig, wenn auch auf recht billige Weise: Der Disput zwischen dem Politiker (Martin Sheen) und dessen jüngerer Frau (Helen Hunt) bezüglich neuer Schuhe oder der Drogentrip zweier junger Wahlkampfhelfer. Leider recht kurz gehalten bleibt hier die Rolle ihres Dealers, eines Hippies wie er im Buche steht, von Ashton Kutcher köstlich interpretiert. Den Großteil ihres Trips leben die beiden außerhalb von dessen Hotelzimmer aus.
Man hat es also geschafft dem Ensemble ein breites Spektrum an Stars verschiedenster Generationen beizusteuern. Auch Stones einstige Rivalin um die fetten Hauptrollen, Demi Moore, reiht sich als dem Alkohol verfallene Barsängerin wie diese in einer uneitlen "Altersrolle" ein und ist dabei erträglich wie schon lange nicht mehr. Estevez selbst spielt ihren Mann, der als Mitglied der Band nur die zweite Geige in der Beziehung spielt und seine Frau deshalb nicht vom Suff abhalten kann. Anthony Hopkins, der auch als ausführender Produzent fungiert, und Harry Belafonte repräsentieren die älteste Generation. Als pensionierte Angestellte des Hotels haben sie tagsüber ihren alten Arbeitsplatz quasi als Alterswohnsitz erkoren.

Als herkömmliches "Biopic" kann man BOBBY nicht sehen. Weit weniger exzessiv als in THE QUEEN wird zwar auf historisches Fernsehmaterial zurückgegriffen, wodurch vor allem Robert Kennedys politischen Ansagen in Erinnerung gerufen werden, im Kern ist der Film aber dem Katastrophengenre verhaftet, das in seiner Glanzzeit ja auch immer mit einer beachtlich stargespickten Besetzung aufwarten konnte. In einer Hinsicht missachtet man aber sträflich die Konvention dieser Filme: Die Figuren werden, wie sich's gehört eingeführt, die Katastrophe, das Attentat nimmt ihren Lauf, danach ist der Film aber praktisch schon vorbei. Kein kathartisches Wachsen an der Situation, nur ein wenig Geflenne. Es ist nicht so, dass man während des Films ungeheuer gelangweilt würde, die Substanzlosigkeit der meisten Geschichten lässt aber doch einen schalen Beigeschmack der Enttäuschung zurück.











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