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BLITZ (Großbritannien 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. BLITZ
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. ELLIOTT LESTER
Drehbuch. NATHAN PARKER
Musik. ILAN ESHKERI
Kamera. ROB HARDY
Schnitt. JOHN GILBERT
Darsteller. JASON STATHAM . DAVID MORRISSEY . PADDY CONSIDINE . AIDAN GILLEN u.a.

Review Datum. 2011-09-20
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Die Hoffnung auf einen realistischen Polizeikrimi mit sozialrelevanten Implikationen (im Großbritannien der Gegenwart selbst im Genrefilm ein Muß) wird schon in den ersten Minuten von BLITZ im Keim erstickt. Jason Statham, der sich von seinem Bumskopp-Image einfach nicht freispielen will oder kann, ist Tom Brant, ein Klischeebulle wie aus den 90ern. Brant fängt direkt nach dem Aufwachen an zu saufen und vermöbelt danach ein paar Kids, die sich an einem Auto zu schaffen machen. Weil er es kann. Als wäre das nicht genug, bekommt Brant schon während des Vorspanns den obilgatorischen Anschiß vom Chef und präsentiert sich im folgenden als Chauvinist, als homo- und xenophob und natürlich als knallharte Prollsau unter Dampf.

Weil ein angemessen durchgeknallter Psychopath namens "Blitz" (Aiden Gillen) sich anschickt, als Copkiller Schlagzeilen zu machen, wird Brant der (vermeintlich?) homosexuelle Schlipsträger Porter Nash (Paddy Considine) als Ermittlungsleiter vorgesetzt. Gemeinsam macht man sich, ganz ungleiches Duo, als "Blitz"ableiter auf den Weg; der eine mit ungehörigem Rumgeprolle, der andere mit kühlem Kopf. Man hat schließlich doch eine gemeinsame Ebene gefunden, beide sind nämlich glühende Verfechter der Idee von heißblütiger Selbstjustiz. Eine Nebenhandlung mit Zawe Ashton als drogensüchtiger Polizistin verläuft im Sande und sorgt ebensowenig für Tiefe wie die lustlosen Versuche der näheren Charakterisierung von Brant und Nash. Irgendwann klagt Brant über Blackouts, man hofft, daß hier vielleicht eine Fallhöhe lauert, aber scheinbar dient dieser Einwurf nur der Konversation.

Überhaupt ist es Stathams Rolle, die einem gehörig auf den Sack geht. Brant ist mit seinem asozialen Verhalten Frauen, Ausländern und Dienstleistern gegenüber einfach nur ätzend und keineswegs die coole Sau, als die der Film ihn aufputzen will. Statham rüpelt sich ohne Zwischentöne stoisch von einer Szene in die nächste, in der deutschen Fassung völlig unerträglich synchronisiert von Leon Boden, der jeden Satz aufgesetzt männlich rauspresst wie eine Parodie auf den Bale'schen Hüstel-Batman. Daß Statham mit Paddy Considine und David Morrissey (als Boulevardreporter) die größten Langweiler der Insel zur Seite gestellt werden, läßt ihn noch wüster und eindimensionaler aussehen. Was den immerhin größtenteils gut gedrehten BLITZ letztlich aber so ungenießbar macht, ist das offene Bekenntnis zur Selbstjustiz. Daß Brant und Nash das Gesetz in die eigene Hand nehmen und sich als Richter und Henker aufspielen, wird nicht hinterfragt - das könnte ja zumindest ambivalent sein - sondern abgefeiert. Wer bei HARRY BROWN Bauchschmerzen bekam, sollte hier schon mal die Herzpillen bereitstellen.

BLITZ ist ab dem 04.11.2011 von Universum Film auf DVD und Blu-ray erhältlich.











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