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THE BANG BANG CLUB (Kanada/Südafrika 2010)

von Benjamin Hahn

Original Titel. THE BANG BANG CLUB
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. STEVEN SILVER
Drehbuch. STEVEN SILVER
Musik. PHILIP MILLER
Kamera. MIROSLAW BASZAK
Schnitt. RONALD SANDERS . TED SEABORN
Darsteller. TAYLOR KITSCH . RYAN PHILIPPE . MALIN AKERMAN . FRANK RAUTENBACH u.a.

Review Datum. 2011-05-11
Kinostart Deutschland. 2011-06-23

Wir kennen sie alle, die Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Welt. Doch mal ganz ehrlich: Wer von uns kennt die Fotografen, die für diese Bilder ihr Leben riskieren? Äußerst selten nur ist uns das Gesicht hinter der Kamera bekannt und dann auch meist aus eher tragischen Gründen, wie kürzlich im Falle von Tim Hetherington, dem Co-Regisseur des für einen Oscar nominierten Dokumentarfilms RESTREPO, der bei einem Gefecht in Libyen getötet wurde. Jenseits solcher Einzelschicksale aber sind uns die meisten Kriegsfotojournalisten reichlich unbekannt. So unbekannt, dass auf die Frage, was das denn für Menschen seien, jede Antwort zwischen "von jeglicher Empathie befreitem Berufsknipser" bis hin zu "tollkühnem Draufgänger" plausibel erscheint.

Genau mit solchen Fotojournalisten beschäftigt sich THE BANG BANG CLUB: Kevin Carter, Greg Marinovich, Ken Oosterbroek und Joao Silva heißen die vier Fotografen, die zwischen 1990 und 1994 den gewaltvollen Wandel Südafrikas vom Apartheidsregime hin zu einem demokratischen Staat ablichteten und der Welt dank ihrer teilweise schockierenden Bilder das Grauen des Bürgerkriegs und das Leid in Afrika vor Augen führen konnten. Über die Jahre ihrer gemeinsamen Arbeit wurden die vier zu einer engen Clique, die wegen ihrer Nähe zum Geschehen und ihrer Furchtlosigkeit in Gefahrensituationen bald den Spitznamen "The Bang Bang Club" bekam.
Die gleichnamige Autobiografie von Marinovich und Silva verfilmend, setzt nun der Dokumentarfilmer Steven Silver diesen vier wagemutigen Fotografen ein filmisches Denkmal, das zwar insgesamt recht solide, oftmals aber auch streitbar geworden ist.

Doch der Reihe nach: Wer sich durch den Film etwas mehr Einblick in das Wesen solcher Kriegsfotografen erhofft, der wird maßlos enttäuscht sein. Silver, der auch das Drehbuch schrieb, bleibt hinsichtlich seiner Charaktere erschreckend oberflächlich, sodass man sich zwar als Zuschauer die ein oder andere Handlung mit ein bisschen Küchenpsychologie zusammenreimen, aber nie richtig erklären kann. Warum jemand wie Greg Marinovich, der die Ereignisse in Südafrika zu hassen scheint und oftmals eskapistische Fotoreportagen über afrikanische Kultur anfertigt, dennoch weiterhin seinem Job nachgeht (und wie er überhaupt dazu gekommen ist), bleibt ebenso ein Geheimnis wie der merkwürdig unbeteiligte Umgang der Clique mit Kevin Carters Drogensucht.

Das Aussparen tiefergehender Charakterisierungen seiner Protagonisten ist folgerichtig dann auch mit das größte Problem des Films: Propagiert er in der ersten Hälfte, wie cool und sexy und tough die vier doch sind (und löst damit beim Zuschauer eher leichte Abneigung aus), soll man dann in der zweiten Hälfte mit den Fotografen mitleiden - das würde auch durchaus funktionieren, hätte der Film bis dahin eine emotionale Bindung zwischen seinen Protagonisten und den Zuschauern aufbauen können. Für eine solche mangelt es aber an Identifikationsfläche, sieht man hier doch knappe anderthalb Stunden Personen ohne Persönlichkeit zu. Selbst dort, wo sich Momente ergeben in denen Blicke unter die Oberfläche möglich wären, vergibt Steven Silver jede Chance und geht stattdessen schnurstracks über zum nächsten Handlungselement. Vielleicht ist das Folge einer Programmatik, die diesen Club auratisch aufladen und geheimnisvoll wirken lassen soll. Vermutlich ist das aber eher Folge einer persönlichen Verklärung seitens des Regisseurs und Drehbuchautors Silver, der auf dem Weg zum finalen Produkt seine Objektivität verloren hat und der deshalb lieber gar nichts sagt, statt sich aus Versehen despektierlich über seine Heroen zu äußern. Anders ließe sich nämlich auch gar nicht erklären, warum das moralische Dilemma des Berufs an sich (und damit vor allem die Frage, ob man sich als direkter Beobachter nicht zum Mittäter macht) zwar angesprochen, aber beiläufig und nicht zufriedenstellend abgehandelt wird. Überhaupt muss man dem Film attestieren, dass er vieles nur kurz anreißt, aber eher selten an Hintergründen interessiert ist. Wer über die Folgen von Mandelas Freilassung im Jahr 1990 wenig weiß, wird vermutlich oftmals ratlos im Kinosessel sitzen. Wo andere Filme viel zu viel erklären, erklärt THE BANG BANG CLUB erschreckend wenig.

Dass der Film aber am Ende trotz seiner Makel dann doch zumindest noch solide wirkt, verdankt er vor allem der Kamera von Miroslaw Baszak (LAND OF THE DEAD), die nicht nur äußerst gekonnt die Originalaufnahmen der vier Fotografen zu rekonstruieren weiß, sondern auch einen eigenen, teils sehr atmosphärischen Stil entwickelt, der die Gräuel eines Massakers gleich gut einfängt, wie einen hippie-esken Ausflug an einen einsamen Bergsee. Letzteres ist zwar - in ihrer völligen Kontextlosigkeit - eine herzlich überflüssige Szene, aber immerhin schön gefilmt. Einen schlechten Look kann man dem Film wahrlich nicht vorwerfen. Dafür sorgen auch Ryan Philippe und Taylor Kitsch in den männlichen und Malin Åkerman in der weiblichen Hauptrolle(n). Doch der Cast ist nicht nur optisch ansehnlich, sondern macht auch auf spielerischer Ebene einen guten Eindruck, wenn man auch zuweilen das Gefühl nicht los wird, dass hier Potential verschenkt wurde. Besonders Kitsch merkt man an, dass er seinen Drogenjunkie noch weitaus besser hätte spielen können, hätte ihm der Film nur dafür mehr Raum gegeben. So aber legt THE BANG BANG CLUB seine Talente in Fesseln um eine reichlich interessante Geschichte auf wenig eindrucksvolle Weise zu erzählen.

Keine Frage, dort wo der Film sich mal die Zeit lässt um Emotionen aufzubauen und Drama zu inszenieren, wirkt er schon weitestgehend mitreißend, aber das passiert so selten und wird durch die sprunghafte Regie von Steven Silver so schnell unterbunden, dass die großen Momente des Films ihn nicht vor der Mittelmäßigkeit retten können.











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